ChitramTV: Dish Network verlangt 31 Mio. USD Schadenersatz

Die Dish Network Corporation geht gerichtlich gegen den offensichtlich rechtswidrigen IPTV-Anbieter ChitramTV vor. Es geht um 31 Mio. USD.

ChitramTV Reseller Website Screenshot

Die Dish Network Corporation geht gerichtlich gegen ChitramTV vor. Dish verlangt 31 Millionen Dollar Schadenersatz, weil der offensichtlich rechtswidrige IPTV-Anbieter ihr Fernsehprogramm ohne jede Kompensation an die eigenen Kunden verkauft. Doch nicht nur ihre Werke. Dort sind rund 500 verschiedene TV-Kanäle und 10.000 Filme im Angebot.

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ChitramTV scheint das nicht weiter zu stören, deren Webseiten sind ohne Aussetzer online. Auch gibt es mehrere Reseller, die ihre Geräte und Abos trotz der Klage vertreiben. Unser Screenshot vom Beitragsbild ist von chitramtv.store, doch es gibt noch mehr davon.

Der US-amerikanische ISP und TV-Senderbetreiber Dish Network geht derzeit vor dem Bezirksgericht Houston (Texas) gegen den piratigen IPTV-Anbieter vor, der sowohl in Deutschland, Großbritannien als auch den USA ansässig sein soll. Es geht um 31 Millionen US-Dollar Schadenersatz, die man einklagen will. Darüber berichtete heute exklusiv der P2P-Blog Torrentfreak. Dish ist in der Vergangenheit schon häufiger juristisch gegen Anbieter illegaler Cardsharing- oder IPTV-Abos vorgegangen.

chitramtv movies

Unter chitram.tv bietet man den internationalen Kunden den Zugang zum Programm für 99 Euro pro Jahr an. Auf der eigenen Webseite geht man nicht genauer darauf ein, wessen Programme man via IPTV so alles anbietet. Aber neben Sportsendern, Video on Demand und vielen Internet Radio Sendern ist wohl für die zahlende Kundschaft alles dabei, was das Herz begehrt. Während der Covid-19-Quarantäne bietet man dem Publikum mehr als 500 verschiedene Fernsehkanäle und 10.000 Filme bzw. Episoden von TV-Serien an.

Dish Network begann schon vor Jahren mit den Ermittlungen.

Dafür erwarb man laut Klage testweise eine Set-Top-Box nebst dem Einstiegspaket für 149 USD. Die Verlängerungen des kosten je nach Länge zwischen 70 und 115 USD.

Dish Network hat nach eigenen Angaben mindestens 134 Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen an ChitramTV verschickt. Es kam keine Antwort zurück. Für zwei Jahre stellte man die Übertragung des Dish-Programms ein, seit Dezember 2017 kann man es wieder darüber empfangen. Alle weiteren Briefe, Aufforderungen und Abmahnungen ignorierte ChitramTV einfach.

mojo v4 set-top-box

Auch die Anfragen an die Content Delivery Netzwerke, über die der IPTV-Anbieter seine Serverstandorte verschleiert hat, brachten wenig Aufklärung. Die Antwort des Domain-Verwalters von www.chitramtv.co.uk ergab, dass der IPTV-Anbieter offenbar bei uns in Deutschland seinen Hauptsitz hat.

Die Support-Hotline ist laut Vorwahl lokalisiert im hessischen Lampertheim nahe Bürstadt.

Ein Mitarbeiter von Dish tat im Rahmen seiner Recherchen so, als wolle er Geräte als Reseller einkaufen. Die Set-Top-Boxen und Abos bezahlte er via PayPal. Für die Abwicklung telefonierte man mit einem Herrn Vigneswaran. Dieser behauptete, er würde sich in Kanada aufhalten und verfüge über zahlreiche Wiederverkäufer und ein Lager in den USA. Dem Reseller sagte Vigneswaran, er solle die Geräte nicht unter 149 USD verkaufen, der Einkaufspreis lag bei 109 Dollar.

Die Tests mit der bestellten Hardware bestätigten den Verdacht, dass ChitramTV erneut das Programm von Dish aufgenommen hatte. Daraufhin verschickte man zahlreiche schriftliche Beschwerden, die man wie üblich ignoriert hat.

Kläger verlangt Beschlagnahmung aller Set-Top-Boxen und der Domains

DISH Network Logo

Als Ergebnis fordert Dish eine dauerhafte Unterlassungsverfügung gegen alle Beklagten und einen Schadensersatz in Höhe von 150.000 US-Dollar pro verletztem Werk. Dish listet in seiner Klage 207 eigene Werke auf, was zu einer Forderung von über 31 Millionen Dollar führt, sollte dem Gericht der Höhe zustimmen. Die Kollegen von TorrentFreak haben die Klage als PDF verewigt. Darüber hinaus will der Sender die Erlaubnis, alle verletzenden Geräte gemäß US-Recht zu beschlagnahmen. Zudem fordert man die Zahlung der Anwaltsgebühren und aller außergerichtlichen und gerichtlichen Kosten. Auch will Dish die Kontrolle über alle Domains erlangen, über die ihre Werke verbreitet werden.

Noch scheint das ChitramTV wenig zu stören. Ihre Webseiten und die der Reseller sind erreichbar, als wäre nie etwas geschehen.

Tarnkappe.info

 

Lars Sobiraj

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.