Der Offshore-Filehoster ddownload.com hat erstmals einen eigenen Transparenzbericht veröffentlicht. Ist es mehr als nur ein PR-Gag?
Auf einer eigens dafür eingerichteten Unterseite präsentiert ddownload.com einige Statistiken zu Urheberrechtsbeschwerden, Inhaltsentfernungen, Kontosperrungen und behördliche Anfragen für das Kalenderjahr 2025. Was auf den ersten Blick nach Transparenz aussieht, entpuppt sich bei genauerer Prüfung als ein stark kontrolliertes Zahlenwerk. Der Bericht tut vor allem eines. Er zeichnet ein blütenweißes Bild von den eigenen Durchsetzungspraktiken.
ddownload macht erstmals Angaben über die Moderation der gespeicherten Inhalte
Der Bericht deckt den Zeitraum von Januar bis Dezember 2025 ab. Angeblich habe man ihn schrittweise veröffentlicht. Erst im April 2025 ging die Transparenzseite online, zunächst mit Quartalszahlen. Frühere Berichte existieren nicht. Es handelt sich also um den ersten Versuch von ddownload, öffentlich Rechenschaft über die Moderation und Rechtsdurchsetzung abzulegen. Das allerdings auffällig spät, wenn man bedenkt, wie lange es diesen Filehoster schon gibt.
Knapp 850.000 Copyright-Anfragen in einem Jahr
Im Mittelpunkt stehen die Urheberrechtsbeschwerden. Knapp 850.000 DMCA- und Copyright-Anfragen will ddownload im Jahr 2025 bearbeitet haben. Die angegebene Compliance-Quote von über 99 Prozent wirkt beeindruckend. Das sagt aber wenig darüber aus, wie gründlich oder automatisiert man diese Prüfungen tatsächlich durchführt. Dass man einen Großteil der Meldungen innerhalb von weniger als 24 Stunden bearbeitet, spricht nicht gerade für sorgfältige Einzelfallprüfungen. Offenbar laufen zahlreiche Prozesse mehr oder weniger automatisch ab.
Auch lässt man offen, wie oft man Inhalte vorsorglich entfernt hat, um weiteren Ärger zu vermeiden. Die häufigsten Anfragen kamen von Filmstudios gefolgt von Software- und Spieleherstellern, Verlagen und sonstigen Rechteinhabern.
Auch bei der allgemeinen Inhaltsmoderation setzt ddownload laut Bericht massiv auf automatisierte Systeme. Millionen Dateien werden täglich gescannt, hunderttausende Inhalte im Jahr entfernt. Die Kategorien reichen von Spam und Malware bis hin zu extremistischen Inhalten. Konkrete Beispiele, Grenzfälle oder Fehlentscheidungen nennt man dabei nicht. Stattdessen präsentiert der Anbieter hohe Erkennungsquoten und betont die Effizienz seiner KI-Systeme. Dass solche Systeme zwangsläufig auch Fehlalarme produzieren, das räumt man im Bericht zwar indirekt ein, die Problematik beleuchtet man aber nicht näher. Im Vorjahr entfernte man nach eigenen Angaben 47.293 Dateien, die Malware beinhaltet haben oder dem Phishing dienen sollten. Dazu kamen 8.412 terroristische Inhalte, die man 2025 gelöscht hat.
Gelebte Transparenz sieht anders aus
Besonders sensibel ist der Umgang mit schweren Straftaten. Für den Bereich sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige weist ddownload im gesamten Jahr 2025 null entfernte Inhalte aus. Diese Angabe wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Entweder wurden entsprechende Inhalte tatsächlich nie hochgeladen, was schon angesichts der Größe der Plattform unglaubwürdig klingt. Oder man hat sie per Uploadfilter frühzeitig blockiert oder die Uploads direkt an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet? Der Bericht gibt dazu keine weiteren Details preis. Transparenz innerhalb eines Transparenzberichts sieht anders aus.
Auch bei den Maßnahmen gegen Nutzerkonten bleibt vieles offen. Man nennt zehntausende Verwarnungen, tausende Sperren und mehrere tausend dauerhafte Kontensperrungen, ergänzt durch eine vergleichsweise geringe Zahl erfolgreicher Einsprüche. Ob dies auf faire Verfahren oder auf hohe Hürden für die betroffenen Nutzer hindeutet, kann man auch nicht beurteilen. Angaben dazu, wie man die Nutzer informiert hat oder welche Kriterien im Detail zur Sperrung führen, fehlen leider.
Auffällig zurückhaltend sind die Angaben zu staatlichen Anfragen. Lediglich vier behördliche Auskunftsersuchen sollen im gesamten Jahr 2025 eingegangen sein. Entweder bewegt sich ddownload hier unterhalb des Radars der Strafverfolgungsbehörden, was aufgrund der Popularität unrealistisch ist, oder aber die Definition dessen, was als meldepflichtige Anfrage gilt, hat man extrem eng gefasst. Auch hier bleibt der Bericht vage und liefert keine belastbare Grundlage für eine echte Bewertung.
Automatische Systeme haben bei ddownload die Oberhand
Methodisch folgt ddownload dem Branchenstandard: Automatisierung vor Einzelfallprüfung, Geschwindigkeit vor Transparenz. Den Großteil der Maßnahmen lösen laut Bericht KI-Systeme und Hash-Abgleiche aus, während die menschliche Moderation nur eine Nebenrolle spielt. Das ist natürlich kostengünstig und klingt effizient. Es ist aber auch problematisch, da Fehlentscheidungen in solchen Systemen schwer nachvollziehbar und für Nutzer kaum angreifbar sind.
Unter dem Strich liefert der Transparenzbericht von ddownload viele Zahlen, aber leider wenig Kontext. Es gibt außerdem keine externe Kontrolle, keinen historischen Vergleich oder eine kritische Selbstreflexion. Der Bericht wirkt wie ein PR-Instrument zur Beruhigung von Behörden, Rechteinhabern und Regulierern. Für Nutzer, die sich für Datenschutz, Fairness oder die tatsächliche Funktionsweise der Moderationssysteme interessieren, bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Wer aussagekräftigere Transparenzberichte sehen möchte, sollte sich mal bei den E-Mail-Anbietern Mailbox.org oder Posteo umschauen.
Das sind aber beides deutsche Firmen mit einem ladungsfähigen Impressum, bei denen bei juristischen Auseinandersetzungen weitaus mehr auf dem Spiel steht, als den Standort eines von mehreren Hosting-Diensten einzubüßen, auf dem sich die fraglichen Inhalte befinden. Nach eigenen Angaben sitzt man in Hong Kong und den Niederlanden, ein entsprechendes Unternehmen mit gleicher Ausrichtung aber anderem Logo findet sich aber nur in der Schweiz. Mehr Informationen zum Sitz der Betreibergesellschaft sind absichtlich nicht verfügbar, das würde den Betreiber auch viel zu angreifbar machen. Man hat aus den Fehlern von RapidShare und Uploaded.net gelernt, deren Eigentümer glaubten, ihr Hauptsitz in der Schweiz könne sie vor den Begehrlichkeiten der Rechteinhaber schützen.
Dass ddownload im Gegensatz zur Konkurrenz überhaupt einen Transparenzbericht veröffentlicht, ist dennoch bemerkenswert. In einer Branche, in der Schweigen die bevorzugte Kommunikationsstrategie ist, stellt selbst diese begrenzte Offenlegung einen kleinen Schritt in die richtige Richtung dar. Ob daraus echte Transparenz wird oder lediglich eine jährlich aktualisierte Zahlenwand, die primär dem eigenen Image dienen soll, wird sich noch zeigen. Ob man beim nächsten Mal bereit ist, auch die unbequemen Aspekte der Plattform offen zu legen, sollte man bei einer derart schweigsamen Branche wie dem Filehosting wohl besser ernsthaft bezweifeln.




















