Die Muttergesellschaft von WordPress.com, Automattic, bezeichnet KI-generierte DMCA-Meldungen als eine neue Art des Missbrauchs im Internet.
Die Automattic Inc. berichtet im aktuellen Transparenzbericht, ein Unternehmen habe innerhalb von sechs Monaten 838 unbegründete Meldungen eingereicht. Die Firma habe Inhalte gemeldet, die es auf der Plattform der WordPress-Muttergesellschaft gar nicht gab. Laut Automattic handelt es sich bei diesen KI-generierten DMCA-Meldungen mit ziemlicher Sicherheit um den Versuch, den eigenen Umsatz zu maximieren.
Eigene Hall of shame soll Missetäter vorführen
Seit Jahren zeigt die Auttomatic Inc. auf, wie automatisierte Systeme Plattformen mit ungenauen oder unvollständigen Meldungen überschwemmen. Diese fehlerhaften DMCA-Meldungen sind mittlerweile an der Tagesordnung, weswegen man eine eigene „Hall of Shame” eingerichtet hat, um die schlimmsten Übeltäter zu „ehren”.
In den letzten Jahren schien sich die Situation hinsichtlich der Löschungsanträge etwas beruhigt zu haben. Der aktuelle Transparenzbericht für den Zeitraum Juli bis Dezember 2025 zeigt jedoch, dass weiterhin Herausforderungen bestehen.
Diese Woche veröffentlichte das Unternehmen seinen aktuellen Transparenzbericht zu WordPress.com, aus dem hervorgeht, dass man in der zweiten Hälfte des letzten Jahres 2.431 Löschungsanträge bearbeitet hat. Das entspricht einem Anstieg von 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Daten beziehen sich nur auf die Anzahl der DMCA-Meldungen, die sich auf WordPress.com-Dienste beziehen. Für die von Tumblr hat man in eigenen Berichten festgehalten. Die Meldungen können mehrere URLs enthalten, wodurch die Anzahl der gemeldeten URLs deutlich höher ausfällt.
86% aller Löschanträge abgelehnt
Das Volumen der Löschungen ist zwar recht groß. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass es tatsächlich ein Problem mit Urheberrechtsverletzungen gibt. Laut Automattic hat man 86 % aller Löschungsanträge aufgrund verschiedener Mängel vollständig abgelehnt. Die Ablehnungsquote für Löschungen auf WordPress.com war schon immer hoch. Seit Automattic 2014 mit der Zählung begann, hat die Plattform insgesamt 123.211 DMCA-Löschungsanträge bearbeitet. Davon führten aus verschiedenen Gründen nur 27 % zu einer tatsächlichen Entfernung.
KI-generierte DMCA-Meldungen …
Im letzten halben Jahr stieg die Ablehnungsquote bei Automattic jedoch aufgrund eines neuen Phänomens weiter an: KI-generierte DMCA-Meldungen. „Wir beobachten eine anhaltende Ausnutzung des DMCA-Meldungs- und Löschsystems durch Überwachungsdienste von Drittanbietern – in einigen Fällen durch den Einsatz von KI-generierten Massenmeldungsmethoden“, stellte das Trust & Safety-Team von Automattic fest. Laut der Blogging-Plattform nutzen IT-Dienstleister im Auftrag der Rechteinhaber massenhaft KI. Sie tun dies vermutlich um ihre Kosten zu senken und den Gewinn zu maximieren.
Automattic nannte ausdrücklich das Unternehmen Enforcity, das mit 838 „unwirksamen“ Meldungen in der zweiten Hälfte des letzten Jahres mit Abstand der häufigste Absender von Löschungsanträgen war. Das entsprach 34 % aller in diesem Zeitraum versendeten Meldungen. Gegenüber den Kollegen von Torrentfreak gab ein leitender Mitarbeiter bekannt, man habe im September des Vorjahres Enforcity wegen der vielen falschen Meldungen kontaktiert. Aber trotz der Zusicherung, dass man die Probleme beheben würde, trudelten weiterhin falsche Löschanfragen ein.
Die Firma Automattic vertritt die Ansicht, dass diese automatisierte Aktivität weitgehend durch Zahlungsstrukturen motiviert ist, bei denen Quantität vor Qualität geht. Im Januar 2026 verschickte Enforcity immer noch Hunderte von Meldungen. Doch nach wiederholten Kontaktaufnahmen gingen in den letzten Wochen keine neuen DMCA-Meldungen mehr ein.
… als neuester Schrei der Branche.
Laut der öffentlich zugänglichen Informationen bietet Enforcity einen KI-gestützten DMCA-Inhaltsschutz ab 29 US-Dollar pro Monat an, der 24 Stunden pro Tag aktiv sein soll. Der Dienst richtet sich offenbar insbesondere an Urheber auf OnlyFans, für die man einen eigenen Bereich, den sogenannten „Success Hub“ eingerichtet hat. Laut der Website von Enforcity habe der Takedown-Service Kunden dabei geholfen, über 350 Millionen „Verstöße” mit einer beeindruckenden Erfolgsquote von 99 % zu entfernen und dabei Einnahmen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar zu schützen. Die Zahlen klingen so, als wären sie extrem hoch. Doch wir können sie naturgemäß nicht überprüfen.
Die Namensnennung von Enforcity im Transparenzbericht scheint vorerst zu wirken. Ob das längerfristig so bleibt, muss man hingegen abwarten. KI-generierte DMCA-Meldungen scheinen sich trotzdem im Antipiracy-Business zu so etwas wie den letzten Schrei zu entwickeln. Und dies ganz zum Leidwesen der Plattformbetreiber, die die vielen (und größtenteils unbegründeten) Löschanfragen beantworten und zeitnah darauf reagieren müssen.
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