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Bildquelle: Shutter Speed, Lizenz

39 % der Nutzer illegaler Streaming-Portale in Großbritannien abgezockt

Streaming-Portale als Abzocke? Traue keiner Studie, die Sky UK nicht selbst gefälscht hat, dürften sich so manche Leser gefragt haben.

Laut einer britischen Studie zockten im Verlauf der letzten 12 Monate Streaming-Portale britische Nutzer in 39 Prozent der Fälle ab. Dies lässt uns eine Studie, die unter anderem Sky UK finanziert hat, wissen. Die Daten wurden öffentlichkeitswirksam im Rahmen der Kampagne BeStreamWise veröffentlicht. Die Marktforscher von Censuswide befragten über 2.000 Briten, die zwischen dem 16. und 20. Oktober 2025 an der Umfrage teilnahmen.

Durchschnittlicher Schaden: 1.680 Britische Pfund

Laut Studie haben 39 % der Befragten, die in den letzten zwölf Monaten illegal gestreamt haben, finanzielle Verluste durch kriminelle Aktivitäten erlitten. Der durchschnittliche Schaden lag demnach bei 1.680 Pfund Sterling. Das sind umgerechnet 1.940,50 Euro.

Besonders brisant: Jeder zehnte Betroffene verlor dabei sogar mehr als 5.000 Pfund. Die Kampagne der Rechteinhaber stellt diese Verluste den monatlichen Einsparungen von 13,38 Pfund gegenüber. Wie viele Streaming-Portale dafür abonniert wurden, ist leider nicht bekannt. Viele können es nicht sein. Fazit der Kampagne: Die angeblichen finanziellen Vorteile der Online-Piraterie stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken.

Streaming-Portale mit Malware, Pop-ups und Hacking-Versuchen

Neben direktem Betrug berichten viele Nutzer auch von Sicherheitsproblemen. 65 % der Befragten gaben an, beim illegalen Konsum von Filmen oder Fernsehserien beinahe Opfer von Hacking-Versuchen geworden zu sein. Man konfrontierte sie mit Malware und bösartigen Pop-ups. Nur 27 % der Befragten erklärten, bislang auf illegalen Streaming-Portalen keine Sicherheitsprobleme erlebt zu haben. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die vermeintlichen Vorteile illegaler Streams – sei es durch kostenlose Inhalte oder modifizierte Streaming-Geräte – illusorisch seien.

Flutlicht auf dem Rasen, Totenkopf im Stream – der Fußball hat ein Piraterieproblem.
Flutlicht auf dem Rasen, Totenkopf im Stream – der Fußball hat ein Piraterieproblem.

Absender mit klarer Agenda

BeStreamWise ist keine unabhängige Initiative. Hinter der Kampagne steht eine Partnerschaft mit Sky, britischen Regierungsstellen, Strafverfolgungsbehörden sowie Organisationen der Medienindustrie. Ziel der Aufklärungskampagne ist es, Verbraucher über die Risiken von illegalem Streaming und damit verbundenen Cybercrime aufzuklären. Entsprechend eindeutig fällt auch die Bewertung der beteiligten Behörden aus.

Illegales Streaming mag wie eine schnelle Möglichkeit aussehen, Geld zu sparen, doch diese Forschung zeigt, dass es sich um eine falsche Ersparnis handelt, die Menschen am Ende Tausende kosten kann“, erklärte Detective Chief Inspector Emma Warbey von der Police Intellectual Property Crime Unit (PIPCU) der Londoner Polizei. Gleichzeitig schade Piraterie der Unterhaltungsindustrie und entziehe ihr Gelder, die Arbeitsplätze sichern würden. Noch schwerer wiege jedoch das Risiko für Endnutzer, Opfer von Datenklau, Cyberkriminalität und Betrug zu werden.

Einordnung der Streaming-Kampagne

Wie bei vielen Anti-Piraterie-Studien gilt auch hier: Die Zahlen von Censuswide stammen aus dem Umfeld der Rechteinhaber, weswegen man die Schlussfolgerungen entsprechend kritisch betrachten muss. Wer selbst im Graubereich unterwegs ist, weiß, dass man sich oftmals schon durch die Nutzung eines Ad-Blockers gegen einige Risiken absichern kann. Natürlich arbeiten manche illegale Streaming-Portale mit animierter und anderweitig aggressiver Werbung, mit Abo-Abzocke oder angeblichen Add-Ons, hinter denen sich Spyware versteckt. Im worst case verteilen die Streaming-Portale sogar Schadsoftware, mit der man versucht über den Browser in die PCs der Zuschauer einzudringen. Doch das ist wirklich die Ausnahme und kann mit einer guten Antivirensoftware abgewehrt werden.

Die größte Sicherheitslücke sitzt meistens vor dem PC

Wer seinen Kopf eingeschaltet lässt und einen Werbeblocker nutzt, kann den meisten Risiken aus dem Weg gehen. Ob die von der Kampagne präsentierten Schadenssummen und Statistiken repräsentativ sind oder schlichtweg der Abschreckung dienen sollen, bleibt offen. Unbestritten ist jedoch, dass kostenlose Streams selten wirklich „kostenlos“ sind. Sie haben ohne Zweifel ihre Schattenseiten. Doch statt das Geld in solche Marketing-Aktionen zu stecken, sollte man sich vielleicht besser darüber Gedanken machen, wie man den Markt künftig besser gestalten kann. Gerade wenn es um legales Streaming geht, gibt es hierzulande so viele Anbieter, dass man Unsummen bezahlen müsste, um Zugriff auf die Hälfte aller verfügbaren Inhalte zu haben. Und gefühlt werden es jeden Monat mehr Streaming-Anbieter statt weniger.

In England sind es vor allem die Live-Fußballübertragungen, die ein großes Loch in den Geldbeutel reißen. Kein Wunder, wenn sich so viele Briten anderweitig orientieren, um trotzdem das Spiel ihrer Lieblingsmannschaft live verfolgen zu können.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.