AlphaBay wird wieder größter Dark-Web-MarkplatzBildquelle: Warren Wong, thx!, Lizenz

AlphaBay wird wieder größter Dark-Web-Markplatz

Beim Kampf um die Spitze der Darknet-Marktplätze ist AlphaBay auf dem Weg zum ersten Platz. Vom Vorgänger ist man aber noch weit entfernt.

AlphaBay ist zurück auf dem Weg zur Nummer eins. Die Strafverfolgungsbehörden haben in den letzten Monaten mehrere Anbieter vom Netz genommen. Doch für jeden gehen zwei neue illegale Online-Shops ans Netz.

Im Juli 2017 wurde der Drogen- und Cybercrime-Markt AlphaBay durch eine globale Strafverfolgungsaktion namens „Operation Bayonet“ zerschlagen, wobei der zentrale Server der Website in Litauen beschlagnahmt und ihr Erfinder Alexandre Cazes vor seinem Haus in Bangkok verhaftet wurde.

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Doch im August letzten Jahres tauchte der zweite Administrator und IT-Sicherheitsspezialist von AlphaBay, der öffentlich nur als DeSnake bekannt ist, plötzlich wieder auf. DeSnake verkündete die Wiederauferstehung von AlphaBay in einer neuen und verbesserten Form. Jetzt, 10 Monate später, ist die von DeSnake wiederbelebte AlphaBay, auch dank einer Reihe von Takedowns und dem mysteriösen Verschwinden von konkurrierenden Dark-Web-Märkten, auf dem besten Weg, sich wieder an die Spitze der digitalen Unterwelt zu setzen. Beobachter kommen vermehrt zu dem Schluss, dass AlphaBay im Markt schon wieder führend ist.

30.000 Angebote bei AlphaBay

In der letzten Woche hatte AlphaBay laut dem IT-Magazin WIRED 30.000 einzelne Produkte im Angebot. Das waren größtenteils Drogen, von Ecstasy über Opioide bis hin zu Methamphetaminen. Dazu kommen auch Tausende von Angebote für Schadsoftware und gestohlene Daten, wie Sozialversicherungsnummern und Kreditkartendaten. Nach Angaben der Analysten von Flashpoint, die konkurrierende Märkte genau beobachten, gab es bei AlphaBay in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 1.300 aktive Anbieter. Bei ASAP, einem anderen Marktplatz, waren es zirka 1.000 Vendoren (Verkäufer). Laut Flashpoint wächst die Palette an Angeboten von AlphaBay deutlich schneller als bei der Konkurrenz.

Bei AlphaBay 1.0 waren es über 350.000 Produkte

Zum Vergleich: Bei der Schließung existierten mehr als 350.000 Waren, die dort 2017 zum Kauf angeboten wurden. Damals generierte man bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Tag (!). Wie gesagt, gemeint ist Umsatz und nicht Gewinn. Laut dem FBI war das alte AlphaBay etwa zehnmal so groß wie der legendäre Drogenmarkt Silk Road. DeSnake lehnte es ab, die aktuellen Umsatzzahlen mitzuteilen. Sie sollen sich im hohen zweistelligen Bereich bewegen.

Werbung für die Kryptowährung Monero in Stockholm. Foto Lars Sobiraj.

Hinderlich beim Siegeszug aber zum Wohl der Sicherheit der Käufer ist der Umstand, dass man dort nur mit der datenschutzfreundlichen Währung Monero bezahlen darf. Die Nutzung des Bitcoin ist bei Alphabay untersagt. Mindestens 10 Dark-Web-Märkte sind in den letzten 18 Monaten aus verschiedenen Gründen vom Netz gegangen. Einige wurden von den Strafverfolgungsbehörden hochgenommen, wie beispielsweise der Dark Market, der Anfang letzten Jahres Ziel einer von Europol geleiteten Aktion war. Oder aktueller der große russischsprachige Drogen- und Geldwäschemarkt Hydra, dessen Server bei einer Razzia im April beschlagnahmt wurde. Bei anderen, wie Dark0de und World Market, geht man von einem Exit-Scam der Betreiber aus. Cannazon und White House Market gingen vom Netz ohne die Nutzer um ihre Gelder zu betrügen. Versus ging nach Bekanntgabe einer kritischen Sicherheitslücke offline.

Busts & DDoS ursächlich für viele aufgegebene Märkte

Als Grund für den Ausstieg vieler Wettbewerber sehen Analysten die ständigen DDoS-Angriffe, die die Existenz der Marktplätze erheblich bedrohen. Dazu kommt die allgegenwärtige Gefahr durch Strafverfolgungsbehörden aus aller Welt. All dies verleitete einige Administratoren von anderen Märkten dazu, ihr Geld zu nehmen und sich aus dem Staub zu machen. Der Bust aus 2017 führte dazu, dass die US-Strafverfolgungsbehörden eine ganze Menge Informationen über die Mitarbeiter von AlphaBay erhalten haben. Ermittler erhoffen sich, früher oder später deswegen Hinweise auf die Identität von DeSnake zu erhalten. Nicht nur die alten Verbindungen könnten für den Admin problematisch werden, sondern auch die Popularität der neuen Version von AlphaBay, die er leitet.

AlphaGuard: Rückkehr in wenigen Tagen möglich

WIRED schrieb DeSnake wohne dort, wo man ihn nicht ausliefern wird. Angeblich lebt er irgendwo in Russland. Ob das stimmt, wird man nicht überprüfen können. DeSnake behauptet ferner, komplexe technische Schutzmaßnahmen entwickelt zu haben, die eine redundante Infrastruktur in mehreren Ländern umfassen, zusammen mit einem System namens AlphaGuard. AlphaGuard ist dafür ausgelegt, die Seite automatisch auf neuen Servern neu zu starten. Man wäre dann innerhalb weniger Tage wieder einsatzbereit, ohne Geld zu verlieren. Außerdem habe er seine Identität mit besonderen Maßnahmen geschützt. Aber wie gesagt, behaupten kann man vieles.

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Derzeit entwickelt man weiterhin ein neuartiges dezentrales Marktplatz-Netzwerk, in dem Dark-Web-Märkte auf Hunderten oder Tausenden von Servern gehostet werden sollen. Dies soll aussehen wie eine Art unzensierbares, nicht erfassbares Bittorrent-Netzwerk. Einen Betreiber bräuchte der Dark-Commerce-Markt der Zukunft übrigens auch nicht mehr. Eine erste Testversion des neuen Marktplatzes soll Ende 2022 fertig werden. Bis dahin will AlphaBay vor allem eines tun: wachsen, wachsen und nochmals wachsen. Nach Abschluss der Beta-Phase soll der jetzige Marktplatz dann Schritt-für-Schritt in der neuen Infrastuktur eingefügt werden.

Das Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden läuft derweil natürlich munter weiter. Man wird sehen, ob es wirklich zu einem AlphaBay 3.0 kommen wird, was niemand mehr zensieren oder vom Netz nehmen kann. Zumindest wegen DDoS-Angriffen oder mangelnden Vendoren bzw. Kunden muss sich der Betreiber vorerst keine Sorgen machen. Diesbezüglich läuft alles wie am Schnürchen.

Tarnkappe.info

Kategorie: Dark Commerce
Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.