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Bildquelle: Alena Shekhovtcova, thx!, Lizenz

Active Listening: abgehörte Smartphones sollen Vorlieben der Nutzer preisgeben

Die US-amerikanische Werbefirma CMG Local Solutions schreibt, man könne mit Active Listening die Werbewirtschaft geradezu revolutionieren.

In einem mittlerweile gelöschten Beitrag der Werbefirma CMG Local Solutions geht es um „Active Listening“ von smarten Geräten aller Art. Offenbar hat man sich ein wenig zu tief in den Ausschnitt schauen lassen, weswegen man den Artikel gelöscht hat. Dank Archive.is kann man den gruseligen Beitrag aber noch immer abrufen.

Die Auswertung von abgehörten Geräten zur Vermarktung von Werbung sei keine Science-Fiction mehr, heißt es dort. „Ja, unsere Telefone hören uns zu„, formuliert man den Vorgang höchst plakativ. CMG Local Solutions ist übrigens eine Tochterfirma der Cox Media Group. Dies ist ein Internet-Anbieter und Betreiber von Radio- und Fernsehsendern. Das Unternehmen aus Atlanta hat vom Thema Datenschutz offenkundig noch nie etwas gehört …

„Active Listening“ als heiliger Gral der Werbewirtschaft

Im Beitrag von CMG erwähnt man es als vorteilhaft, dass man sein Smartphone immer ganz dicht dabei hat, damit man die Person umso besser überwachen kann. „Gruselig? Sicher. Großartig für das Marketing? Auf jeden Fall.“ Angeblich sei das Vorgehen sogar innerhalb der USA legal, behauptet man. Wer sich ein neues Smartphone kauft, erklärt sich automatisch damit einverstanden, abgehört zu werden, sofern das Gerät an ist, schlussfolgert die Werbeagentur.

Die smarten Geräte sind nie ganz aus!

Ganz aus seien die Smartphones auch nicht, weil sie auf gesprochene Kommandos warten. „Sätze wie „Hey Siri“ und „OK, Google“ können nur funktionieren, wenn ein intelligentes Gerät immer zuhört. Intelligente Geräte verwenden Daten aller Art, um ein Verbraucherprofil von Ihnen zu erstellen und Ihnen die relevantesten Anzeigen zu zeigen.“ Das Thema Active Listening sieht man natürlich völlig unkritisch. Dieser Daten-GAU sei für alle Parteien stets nur von Vorteil.

KI soll Gesprächsteilnehmer identifizieren

Ferner schreibt man: „Wir können Käufer auf der Grundlage zufälliger Unterhaltungen in Echtzeit identifizieren. Das mag wie schwarze Magie erscheinen, ist es aber nicht – es ist KI. Die zunehmende Möglichkeit, auf Mikrofondaten von Geräten wie Smartphones und Tablets zuzugreifen, ermöglicht es unserem Technologiepartner, Sprachdaten während Gesprächen vor dem Kauf zu sammeln und zu analysieren.

CMG Local Solutions, Active Listening

Werbepartner erhalten Listen für eine zielgenaue Auslieferung

In der Folge könne man ein „beispielloses Verständnis des Verbraucherverhaltens“ entwickeln, um perfekte personalisierte Anzeigen schalten zu können. Die Nutzer müssen denken, dass man geradezu ihre Gedanken lesen kann, fabuliert die Firma. Die hauseigene KI stellt den Kunden wöchentlich eine Liste mit Interessenten zur Verfügung, die in Anwesenheit des Gerätes über das Produkt des Kunden gesprochen haben. Anschließend könne man die Werbung mithilfe vom „Active Listening“ absolut gezielt platzieren.

Die Werbung verteilt man über verschiedene Kanäle. So beispielsweise via Audio- und Video-Streaming, Display-Anzeigen, soziale Medien, YouTube, die Google- bzw. Bing-Suche etc. Das Thema Voice Data stecke zwar noch in den „Kinderschuhen„. Das investierte Geld rechne sich aber extrem schnell, weswegen man die eigenen Dienste auch kleinen Firmen mit „knappen Kassen“ anbietet.

Active Listening & die KI-basierte Auswertung der Audio-Mitschnitte kommentiert

„Active Listening“ in Deutschland, undenkbar! Dass es auch innerhalb der EU-Grenzen erlaubt sein soll, die Gespräche abzuhören, um die Menschen um das Smartphone oder Smart-TV herum zu identifizieren und ihre Vorlieben herauszufinden, halte ich für ein Gerücht.

Kameraüberwachung, Toilette, Stockholm
Wir wollen wirklich alles sehen! Foto: Lars Sobiraj.

Doch wenn man die Ankündigung liest, kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte!!! Schöne neue Werbe-Welt, die uns auf Schritt und Tritt verfolgt, um an uns noch mehr Geld zu verdienen. Die Auswertung, wenn sie hierzulande denn legal wäre, könnte dann die KI übernehmen. Der elektronische Helfer kostet wenig und arbeitet höchst effektiv rund um die Uhr.

Ehrlich, das Ganze klingt wie die reinste Horrorshow! Hoffentlich wird das nie zur Realität, sonst werde ich systematisch alles an Hardware in den Mülleimer werfen, was mich dann eines Tages abhören darf.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.