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Bildquelle: DieselDemon (CC BY 2.0)

Amazon Kindle erlaubt nur noch DRM-verseuchte E-Books

Mit dem letzten Amazon-Update erhält die Desktop-Software Kindle für PC keine alten Formate mehr, Kopierschutz-Entfernung wird zum Problem.

Amazon Kindle ist im Kampf gegen die unerlaubte Verbreitung von E-Books einen Schritt weiter gegangen. Klappte die Kopierschutzentfernung bisher ohnehin nur noch mit älteren Versionen der Desktop-Software Kindle für PC, so stellt Amazon aktuell auch hierfür weder MOBI– noch AZW-Dateiformate mehr zur Verfügung. MOBI-Dateien, die sich schon vorher auf dem Kindle-Lesegerät befanden, funktionieren zwar weiterhin.

Doch darum geht es den E-Book Piraten natürlich nicht. Sie wollen Neuerscheinungen DRM-frei erhalten, um diese illegal verteilen zu können.

PC-Software für Amazon Kindle im Kampf gegen Online-Piraterie

Bereits im Mai letzten Jahres kündigte Amazon an, dass es Ende 2022 die Unterstützung für das Senden von MOBI- und AZW-Dateiformate per Funktion „An Kindle senden“ einstellen wird. Als Grund nannte Amazon, dass es sich dabei um alte Formate handelt. Diese würden die neuesten Kindle-Funktionen oder zukünftige Funktionen nicht mehr unterstützen.

Fakt ist darum, alles, was man sich kauft, sobald das Update bei Amazon einmal voll ausgerollt ist, lässt sich nicht mehr so einfach wie zuvor vom Kopierschutz befreien. Zwingend erforderlich zur DRM-Befreiung der E-Books ist nun mal der Erhalt der MOBI- oder AZW-Dateiformate. War eine Version der E-Book-Software Calibre mit entsprechenden Plug-ins ausgestattet, konnte die bei Amazon gekauften E-Books damit einlesen. Die E-Books waren danach gleichzeitig befreit von jeglichem Kopierschutz.

Die E-Book-Piraten mussten die ältere Version der Desktop-Software Kindle für PC auch daran hindern, ein Update einzuspielen, sonst wäre sofort Feierabend mit der Entfernung der Schutzmechanismus gewesen.

Amazon Kindle
Amazon kindle. Quelle freestocks.org @ pexels, thx!

E-Book Neuerscheinungen: Folgt eine Flaute in den Warez-Foren?

Es wird folglich nicht mehr lange dauern, bis sich die Befreier von digitalen Werken etwas Neues einfallen lassen müssen. Gestern wurden beim Warez-Forum myGully.com schon merklich weniger neue E-Books eingestellt. Doch das alleine ist noch kein Beweis dafür, dass die Uploader schon Probleme bei der Beschaffung neuer Werke bekommen haben.

Bisher war es sehr bequem sich mittels der Software für das Amazon Kindle zu bedienen. Allein deren Angebotspalette umfasste sehr viel mehr Werke, als die Konkurrenten von Thalia oder Weltbild. Allerdings funktioniert bei den dort gekauften E-Books die Befreiung vom DRM noch. Wer weiß, wie lange das so bleibt?

Doch zahlreiche Neuerscheinungen werden auch von den Verlagen selbst zum Download angeboten. Dann jedoch müssten die „Befreier“, wie sich die E-Book Piraten früher gerne zu Spiegelbests Zeiten genannt haben, zunächst die digitalen Wasserzeichen rückstandsfrei entfernen oder Fake-Accounts beim Kauf benutzen, um ihre Identität nicht preiszugeben.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.