Amtsgericht Bochum: Beklagte haftet trotz möglichem Fremdverschulden bei illegalem Filesharing

Article by · 12. November 2017 ·

Wie die Kanzlei Waldorf Frommer in einem Blogbeitrag mitteilt, verurteilte das Amtsgericht Bochum in einem Urteil vom 22.08.2017, Az. 65 C 354/16, eine Anschlussinhaberin wegen illegalem Filesharing trotz Zugriffsmöglichkeiten weiterer Personen auf diesen Internetanschluss zur Zahlung von Schadensersatz.

In dem Verfahren ging es um illegales zur Verfügung stellen von urheberrechtlich geschützten Filmaufnahmen mittels einer Tauschbörse. Die Klägerin konnte vorgerichtlich keine Ansprüche durchsetzen, so erhob sie Klage. Sie hat ermittelt, dass über drei unterschiedliche IP-Adressen der streitgegenständliche Film in einer Tauschbörse zum Download angeboten wurde. Alle drei Adressen waren nach Auskunft des Providers dem Anschluss der Beklagten zugeordnet.

Angesichts der ermittelten Mehrfachverletzung reicht das einfache Bestreiten der zutreffenden Ermittlung nicht aus. Diese Tatsache spricht grundsätzlich zu Lasten des Anschlussinhabers. Die tatsächliche Vermutung ist allerdings dann nicht begründet, wenn zum Zeitpunkt der Rechtsverletzung auch andere Personen diesen Anschluss nutzen konnten. Dann allerdings trifft den Inhaber dieses Internetanschlusses eine sekundäre Darlegungslast.

Demnach hatte die Beklagte vor Gericht bestritten, die Tat begangen zu haben. Sie verwies darauf, dass noch andere sich zu ihrem Anschluss Zugriff verschaffen konnten. Im weiteren Verlauf des Rechtsstreits ergänzte sie, dass auch ihr Lebensgefährte oder ihr 13-Jähriger Sohn Zugriff auf den Internetanschluss gehabt hätten und die Rechtsverletzung begangen haben konnten.

Diese Argumente waren für das Gericht allerdings nicht ausreichend, sie genügten im Rahmen der sekundären Darlegungslast in keiner Weise. Das Vorbringen der Beklagten wäre zudem widersprüchlich hinsichtlich der möglichen Täterschaft der Familienmitglieder der Beklagten: Eine Täterschaft des Lebensgefährten hatte die Beklagte in der Klageerwiderung zunächst ausgeschlossen. Erst im Laufe des Rechtsstreits und nach Hinweis des Gerichts, dass eine Täterschaft unbekannter Dritter höchst unwahrscheinlich sei, hat die Beklagte es für möglich gehalten, dass ihr Lebensgefähne die Dateien heruntergeladen und angeboten habe. Konkrete Tatsachen sind insoweit jedoch nicht vorgetragen worden. Auch hat die Beklagte nicht erwähnt, ob sie bei ihrem Lebensgefährten konkret nachgefragt hätte und welche Auskunft sie darauf erhielt. Damit begründet der Vortrag der Beklagten letztlich nur die theoretische Zugriffsmöglichkeit ihres Sohnes und ihres Lebensgefährten, ohne dass Tatsachen vorgetragen werden, aus denen ernsthaft auf eine Täterschaft der beiden Personen geschlossen werden konnte.

Hauptsächlich der von der Beklagten pauschal vorgetragene unberechtigte Fremdzugriff führe nicht dazu, dass das Gericht eine Haftung der Beklagten ablehnen würde: „Anhaltspunkte dafür, dass Dritte sich unberechtigt Zugang zum ordnungsgemäß abgesicherten W-LAN-Netz der Beklagten verschafft oder dass Dritte die IP-Adresse der Beklagten „gekapert“ haben könnten, sind nicht vorgetragen. Die rein pauschale Möglichkeit entkräftet die bestehende Vermutung nicht.“

Das Amtsgericht verurteilte die Beklagte daher vollumfänglich zur Zahlung von Schadensersatz, zum Ersatz der außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten sowie zur Übernahme der gesamten Kosten des Rechtsstreits. Gegen das Urteil hat die Beklagte Berufung zum Landgericht Bochum eingelegt.

Bildquelle: QuinceMedia, thx! (CC0 Public Domain)

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7 Comments

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    Anonymous

    Denke auch sie war fehlberaten. Warum die „Ausrede“ bei mehreren IPs nicht zieht, ist mir schleierhaft. Die Argumentation des Gerichts kann ich nicht nachvollziehen. Aber wie heißt es doch so schön, im Zweifel für den Rechteinhaber! Oder wie war das?

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    Rudolf

    Wer Gesetze bricht soll dafür bestraft werden. Ganz einfach!

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    amüsiertsich

    Das ist jetzt aber schon doof, dass eure propagierte „ich war’s nicht“-Ausrede nicht wirklich zieht, oder?

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      Mausi

      Nur mal angenommen, die Frau war es wirklich nicht. Was dann?

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      nurmalso

      Das lag ganz sicher an den Aussagen der Frau. Lies den Beitrag nochmal, dann wirst Du merken, das die sich widersprochen hat. Mir kommt es so vor, als hätte Sie keinen Anwalt gehabt., sonst wäre das Urteil sicher anders ausgefallen.

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    Mausi

    Hab ich das richtig verstanden:
    Weil die Datei über verschiedene IPs geteilt wurde, die alle zur Anschlussinhaberin geführt haben, reichte es nicht aus zu sagen „Ich wars nicht, es sind noch andere Personen im Haus“?

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    nurmalso

    Da hätte Sie mal lieber den Herrn Solmecke fragen sollen. ;) Das liest sich für mich so, als wäre die Gute nicht richtig beraten wurden.


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