16-jähriger Hacker führte aus Langeweile Cyberangriffe auf Banken durch

Aus Langeweile soll ein 16-Jähriger zusammen mit einem 20-Jährigen Cyberangriffe auch auf kritischen Infrastrukturen verübt haben.

16-jähriger Hacker führte aus Langeweile Cyberangriffe auf Banken durch
Bildquelle: genesis3g, thx! (Pixabay Lizenz)

Wie die Staatsanwaltschaft Itzehoe, das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein und das Bundeskriminalamt am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt gaben, stürmten Einsatzkräfte des Landes- und des Bundeskriminalamtes die Wohnungen von zwei Computer-Hacker im niedersächsischen Soltau und in Calw (Baden-Württemberg). Den beiden Tätern wird wegen Durchführung von Cyberangriffen Computersabotage in besonders schweren Fällen und versuchte Erpressung zur Last gelegt.

Cyberangriffe auch auf kritische Infrastrukturen

Ein 16-Jähriger aus Soltau in Niedersachsen und ein 20-Jähriger aus Calw in Baden-Württemberg stehen unter Verdacht, ab Juli 2019 mehrere Unternehmen, darunter auch solche der sogenannten kritischen Infrastrukturen, durch schwere Computersabotage attackiert und geschädigt zu haben.

Davon betroffen sollen die Computernetze von Banken und Telekommunikationsanbietern in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin und anderen Bundesländern gewesen sein. Konkret starteten sie ihre Cyberangriffe auf die TNG Stadtnetz GmbH in Kiel und die Deutsche Kreditbank AG. Hier waren Internetanschlüsse, Webseiten und Online-Banking-Systeme für Kunden über mehrere Tage nicht erreichbar.

Gesamtschaden in siebenstelliger Höhe

monitor.gif animFerner starteten die Beschuldigten durch ein eigenes Botnetz DDos-Angriffe (Distributed Denial of Service) in mindestens 12 Fällen auf Unternehmen. Onlinedienste für Kunden waren dadurch blockiert. Wie die Polizei mitteilte, stellten die Täter hier keine finanziellen Forderungen. Der 20-Jährige wird für die Anmietung von Command-and-Control-Server verantwortlich gemacht.

Cyberangriffe nicht die erste Tat des Verurteilten

Er ist Ermittlern schon vorher wegen Computerbetrug aufgefallen. Der 16-Jährige bekannte sich in sozialen Netzwerken unter verschiedenen Nicknamen zu den Taten. Ihm wird zudem Erpressung zur Last gelegt. Im April 2019 legte er Router von nigerianischen Telekommunikationsanbietern und deren Endkunden lahm. Für die Entsperrung forderte er jeweils Bitcoin im Wert von ca. 100 Euro. Die Beamten gehen derzeit von einem durch die beiden Hacker angerichteten Gesamtschaden in siebenstelliger Höhe aus. Die Cyberangriffe blieben also nicht folgenlos.


Tatmotive: Langeweile und Einsamkeit

Einsatzkräfte des LKA und des Bundeskriminalamtes haben auf Antrag der Staatsanwaltschaft Itzehoe am Dienstag die Wohnungen der zwei Beschuldigten in Calw und Soltau durchsucht. Zur weiteren Spurenauswertung stellten die Ermittler hierbei diverse Datenträger sicher. Die Beamten gehen davon aus, dass die beiden die Taten gemeinsam begangen haben. Ob es weitere Täter gibt, ist noch zu klären. Bei der Befragung gab der 16-Jährige an, er hätte die Cyberangriffe aus Langeweile und Einsamkeit begangen.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.