YouTuber „Julien“ wegen Volksverhetzung verurteilt

Ein Dreivierteljahr nach dem Eklat um die Äußerungen des populären YouTubers „Julien“ zum Streik der Lokführer-Gewerkschaft musste sich „Julien“ nun vor Gericht verantworten. Er wurde der Volksverhetzung für schuldig befunden.

Bahnstreik (Screenshot aus dem Video von "JuliensBlog")

Bahnstreik (Screenshot aus dem Video von „JuliensBlog“)

Julien wollte Lokführer vergasen

Der 27-jährige YouTube-Star, Betreiber des Kanals „Juliens Blog“ – in dem es Berichten zufolge häufig kontrovers und provokant zugeht – hatte sich im Mai 2015 sehr über den Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL aufgeregt. Er produzierte daher ein Video, in dem er die Lokführer wüst beschimpfte und als faul und inkompetent hinstellte. Sein Rant gipfelte schließlich in der Bemerkung, die Lokführer sollten wie im Dritten Reich vergast werden – und er, Julien, würde sie dazu auch eigenhändig mit dem Zug ins KZ fahren.

Diese Äußerung ging so manchem Zuschauer zu weit und Julien wurde wegen Volksverhetzung angezeigt.

Wegen Volksverhetzung verurteilt

Nun ist der Prozess gegen den YouTube-Star abgeschlossen. Das Amtsgericht Tecklenburg verurteilte Julien am vergangenen Mittwoch wegen Volksverhetzung.

Vor Gericht versuchte sich Julien mit derselben Strategie zu verteidigen, wie zuvor bei Diskussionen im Netz und mit den Medien: er betonte, er habe die Äußerungen nicht ernst gemeint, sondern es handle sich nur um Satire und schwarzen Humor. Zudem habe er nicht gewusst, dass seine Äußerungen mit Bezug auf die NS-Zeit verboten gewesen seien. Richter und Staatsanwalt überzeugte das allerdings nicht. Sie beriefen sich unter anderem auf die Gefühle überlebender Opfer oder Angehöriger von Opfern des Dritten Reichs: „Ich mag´s mir nicht vorstellen, wie Juden, die Auschwitz entkommen sind, oder Angehörige von ermordeten Juden den Clip empfinden,” so der zuständige Richter. Auch die von der Verteidigung vorgebrachte Kunstfreiheit wollte die Staatsanwaltschaft nicht gelten lassen – Julien habe vielmehr bewusst provoziert, um damit sein erhebliches Einkommen aus den YouTube-Videos noch zu erhöhen.

Juliens Verteidigungsstrategie sowie die Tatsache, dass er von sich aus keinerlei Anstrengungen unternahm, das umstrittene Video aus dem Netz zu nehmen, wurden ebenfalls gegen ihn ausgelegt. Mangelnde Reue und Unrechtsbewusstsein, so das Fazit. Julien wurde letztendlich wegen Volksverhetzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldstrafe von 15.000 Euro verurteilt.

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14 Kommentare

  1. xtrars sagt:

    Endlich wird er zur Rechenschaft gezogen. Wurde immer Niveauloser… Aus kreativen Beleidigungen wurden plumpe volksverhetzende Phrasen…

  2. Egon Krenz sagt:

    Was genau versteht ein StA unter „erhebliches Einkommen“? Wie viele Tagessätze waren’s denn nun?

  3. Julia sagt:

    Julien war noch nie witzig. Prollhumor von einem Proll, für Prolls. Irgendwie muß man auch Prolls klarmachen, dass es nicht o.k. ist ein Proll zu sein. Und amerikanisches Modell der Meinungsäußerung heißt : Jeder hat das Recht ein Arschloch zu sein und in der Öffentlichkeit, als solches auch auftreten zu dürfen. Ich persönlich habe keine Lust auf Arschlöcher jeder Art.

  4. openminded sagt:

    1. „Julien wollte Lokführer vergasen“ – diese Aussage ist falsch und demzufolge einfach reißerisch formuliert!

    2. Das Wort „Rant“ hat nichts in einem seriösen Artikel zu suchen, Deutsch ist eine so schöne und vielfältige Sprache, benutz doch einfach das Wort „Hasstirade“.

    3. „…des populären YouTubers „Julien““ ist auch falsch, wenn du Anführungszeichen benutzen möchtest, dann musst du „JuliensBlog“ schreiben, denn Julien ist sein richtiger Name und muss/darf deswegen nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.

    4. Der Artikel könnte von einem Grundschüler geschrieben worden sein, schlechtes Deutsch und unnötige, verschachtelte Sätze sowie Kommasetzung, zB „Der 27-jährige YouTube-Star, Betreiber des Kanals…“, dort kannst du einfach das Wort „und“ statt des Kommas benutzen!

    Zum Thema: das ist ein absolut unverhältnismäßiges Urteil! Künstler wie Serdar Somuncu lassen deutlich härtere Aussagen von sich ab, werden aber rechtlich nicht belangt, da sie den Ausländerbonus erhalten.

    Der Straftatbestand der Holocaustleugnung und ähnlicher Schwachsinn sollte gänzlich aus dem Gesetzbuch gestrichen werden, ich vertrete die amerikanische Philosophie der Meinungsäußerung: lasst die Spinner hetzen und Quatsch reden wie sie wollen, lieber ertrage ich das, werde beschimpft und lebe frei, als dass Gesetze zur Zensur missbraucht werden können!

    Es geht im Zeitalter des Internets keine Gefahr von Holocaustleugnern aus, die Bildung wird den Unsinn immer besiegen!

    „Wenn es nicht Not tut, etwas zu verbieten, dann tut es Not es nicht zu verbieten!“

    oder

    „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

    • EiTeeXperte sagt:

      Somuncu hat bisher, so mir bekannt keine Auschwitzwitze gerissen.
      Das in Deutschland mit dem Massenmord an Juden, Zigeunern (*) und anderen Gruppen nicht zu spaßen ist sollte allgemein bekannt sein. Wer so was witzig findet dem ist auch nicht mehr zu helfen.
      Zur Rechtschreibung, die hat in Deutschland keinen Gesetzesstatus. Grundsätzlich kann jeder schreiben wie er will. Eine „falsche“ Rechtschreibung gibt es nicht und würde nicht mal eine Ordnungswidrigkeit darstellen.
      Damit zu argumentieren, anstelle inhaltliche Mängel aufzuzeigen, ist unterste Schublade und im Falle des Artikels falsch.
      Die Haltung zur Rechtschreibung ist selbst unter Fachleuten uneinheitlich. Es ist anerkannt, das ein Autor sich in seinen Werken über die Reglungen hinwegsetzen kann, um Akzente zu setzen. Viele Verlage praktizieren eine gemäßigte neue Rechtschreibung. Diese entspricht ebenfalls nicht der Normrechtschreibung.

      * Aktuell politisch nicht korrekt. Es gibt allerdings neben den Sinti und Roma noch andere Stämme, welche es ablehnen von den genannten vereinnahmt zu werden.

      • Steve sagt:

        Ein solcher Artikel hat bei Chip.de nichts zu suchen. Julien so zu verurteilen wegen Volksverhetzung ist auch nicht richtig. Da gibt es deutlich schlimmere Sachen auf Youtube.
        Das schwarzer Humor nur bedingt zum lachen ist, denke ich ist klar. Aber so langsam sollte man mit dem 2. Weltkrieg lockerer umgehen. Man sollte es als Geschichte hinnehmen und nicht als Gerichtsurteil. Man sollte auch nicht über die NS Zeit schweigen. Es ist nun mal passiert, daran können wir Deutsche nichts ändern und die Österreicher auch nicht. Es waren nur ein paar Männer die ausschlaggebend dafür waren. Es hat sich viel negatives durch die Schweigsamkeit entwickelt. Hitler wird als Deutscher betitelt, obwohl er Österreicher war. Wenn wir Deutsche mal in Kriegen verteidigen oder wir mal einen Flüchtling/Ausländer beleidigen werden wir sofort als scheiß Nazi’s abgestempelt. Das ist natürlich OK. Wenn jmd. dies auf Youtube veröffentlicht, dann ist es auch ok. Das wird dann als freie Meinungsäußerung gesehen. Julien hat es nicht anders gemacht. Immer dieser Hype um die Juden. Zudem hatte Julien Recht sich mal dazu zu äußern. Was die Idioten jedes Jahr bei der GDL abziehen geht gar nicht. Ein Job Putzkraft ist 1000 Mal anstrengender als der Job Lokführer. Wer verdient mehr? Klar, der faul auf dem Stuhlsitzenden Lokführer der nur ein paar Knöpfe drücken muss, kommunizieren muss und auf Signale achten muss. Selbst auf rote Lichter zu achten bekommen die Affen nicht mal hin und dann noch mehr Geld fordern? Ohne mich. ich hätte die alle gekündigt.

        • EiTeeXperte sagt:

          Klar gibt es schlimmere Sachen.
          Nur, gegen die hat (bisher) keiner Klage eingereicht.
          Und wie heißt es so schön, wo kein Kläger da kein Richter.
          Es bleibt dir ungenommen alle Youtubebeiträge welche aus deiner Sicht volksverhetzend oder anderweitig anstößig sind zu melden oder gegebenfalls selber anzuzeigen/Klage einzureichen.
          Zu der ganzen Naziproblematik spare ich mir mal jeden Kommentar.
          Nur so viel, ich sehe das etwas differenzierter.
          Die Lokführer haben das nicht jedes Jahr abgezogen. Die Verhandlungen mit der DB haben sich hingezogen und die Lokführer haben ihr Streikrecht wahrgenommen. Das Streiks mit Einschränkungen für den Rest der Bevölkerung verbunden sind sollte eigentlich klar sein.
          Hat mir übrigens auch nicht gefallen. Es gab übrigens nur bei der DB Probleme, die anderen Bahnbetreiber haben alle schon lange vorher und ohne Eskalation eine Einigung mit der Lockführergewerkschaft gefunden. Es ging übrigens nicht nur um mehr Geld, sondern auch um den Abbau von Überstunden und damit unmittelbar um eine Verbesserung der Sicherheit auch für die Fahrgäste. Dies war einer der Punkte wo die DB einfach nicht nachgeben wollte weil mit erheblichen Kosten verbunden.
          Wie die Wertigkeit einer Arbeit beurteilt wird liegt immer sehr im Auge des Betrachters.
          Ich gebe dir aber recht das auch ein Großteil der Reinigungskräfte unterbezahlt sind.
          Der letzte Bahnunfall hat eigentlich sehr gut gezeigt, das gut ausgebildete motivierte Zugführer und anderes Bahnpersonal Sinn machen und das diese eine recht hohe Verantwortung für Leben und Sachwerte tragen. Eine angemessene Bezahlung gehört zur Motivation mit dazu. Zumal ich selbst die Bezahlung nach dem Tarifabschluss nicht umwerfend finde und keine Lust hätte bei der Bahn anzufangen.
          Im aktuellen Fall hätte leider selbst ein Gehalt von 100000 nicht geholfen, da wohl der Fahrdienstleiter einen Fehler gemacht hat. Sehr bedauerlich sehr tragisch.
          Hättest du alle gekündigt, wäre das ein Verstoß gegen so ziemlich jedes Sozial- und Arbeitsrechtgesetz gewesen.
          Unabhängig davon hätte so eine Maßnahme den Zugverkehr auf Monate lahmgelegt und die DB hätte Konkurs anmelden können. Ein Glück aber auch, das du sowas nicht zu entscheiden hast :Grins.
          Lokführer wachsen nicht auf Bäumen. Es handelt sich eben nicht um eine Anlerntätigkeit.
          Der massive Mangel an Lockführern war gerade mit ein Grund für die unnachgiebige Haltung derselben.

        • Julia sagt:

          Selten so einen Müll gelesen. Obwohl momentan liestman ziemlich viel Müll. 1. Der Nationalsozialismus war kein Ding von ein paar Männern, sondern Millionen von Deutschen haben fleisig ihren rechten Arm in den Himmel gestreckt und aktiv bei dieser Scheiße mitgewirkt und wurden dafür nie wirklich zur Rechenschaft gezogen und genau darin liegt „unsere“ Schuld und nicht im Vergasen der Juden. Und zweitens eine Putzfrau verdient zuwenig und nicht die Lokführer zuviel. Ist auch ein toller Job, wenn deine Schicht nachts um eins endet und du in München stehst, aber in Flensburg wohnst – aber eine Putzehat es ja soviel schwerer. Sag mal nem LKW-Fahrer er würde nur faul rumsitzen, der haut dich unangespitzt in den Boden und das vollkommen zu Recht.

    • Saberdo sagt:

      ausländerbonus bei somuncu? in welcher welt lebst du eigentlich?

  5. G00se sagt:

    Ich fand sein Video extrem unterhaltsam. Ich habe mich bepisst vor lachen :D

  6. Berchom sagt:

    Wer Julien kennt weiß, dass es nicht ernst gemeint war.
    Ich meine er hat auch ein „Tutorial: Frauen schlagen“ gemacht oder sein Lied 11. September.

    Allerdings hat er es wirklich übertrieben und es ist gut, dass er verurteilt wurde, sonst könnte in Zukunft jeder solche Äußerungen machen, ohne Konsequenzen zu bekommen.

    • Ob er das ernst gemeint hat oder nicht, weiß er im Zweifelsfall nur selbst. Das tut auch relativ wenig zur Sache, finde ich. Das größere Problem sind die Tausenden von Kindern, die das anschauen und dann glauben, dass es okay ist, sich so menschenverachtend zu äußern (und dann wundern wir uns über Cyber-Bullying?) sowie das auch vor Gericht vorgebrachte Argument, dass es massiv die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzt.

  7. Tom sagt:

    Super. Einzig schlechte daran ist, dass der Kriminelle YouTuber jetzt noch ein paar Meldungen und dadurch Publicity bekommt.

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