Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (September/2018)

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter – doch das bedeutet noch lange nicht, dass der September nicht seinen ganz eigenen Reiz hätte. Vielerorts scheint nach wie vor die Sonne, so mancher begrüßt womöglich, dass es nicht mehr ganz so heiß ist, und für unseren Lars wurde der September sogar zum Monat der Liebe. Angesichts dieser Idylle kann man dem anstehenden goldenen Oktober doch voller Zuversicht entgegen blicken – oder?

Leider nein. Neben all den schönen Gefühlen herrschen leider die üblichen finsteren Mächte. Welche bösen Overlords und brutal inkompetenten Möchtegern-Bond-Schurken im vergangenen Monat unsere Nachrichten beherrschten, zeigt unser satirischer Monatsrückblick.

Neues aus der Gesetzes-Gruft

Passend zur düsteren Jahreszeit und dem Nahen von Halloween machte wieder ein Zombie von sich reden: die Vorratsdatenspeicherung. Schon einmal abgeschafft und x mal als verfassungsfeindlich eingestuft, reckte diese Maßnahme immer wieder ihr untotes Haupt. Aktuell steht sie in Deutschland zwar im Gesetz, wird aber nicht umgesetzt, weil so manchem mittlerweile vielleicht doch dämmert, dass das alles nicht so einfach ist mit den Wiedergängern.

Passend dazu soll jetzt der EuGH die deutsche Vorratsdatenspeicherung prüfen. Wahrscheinlich wird er, wie schon zig Gerichte vor ihm, zu der Erkenntnis kommen, dass dergleichen verfassungswidrig ist und individuelle Rechte unverhältnismäßig einschränkt. Nur wird das leider niemanden beeindrucken, denn wenn es das täte, wäre die Vorratsdatenspeicherung schon seit zehn Jahren tot und begraben. So aber gibt es halt einen Zombie für Halloween und dazu passend den Verdacht, dass bei unseren Politikern relativ wenig “Brains” zu futtern sind. Na dann Mahlzeit.

Die 90er haben angerufen, sie wollen ihre Schlagzeile zurück

Wo wir gerade bei Wesen etwas älteren Baujahrs sind: Wer von euch kennt eigentlich noch Knuddels? Die betonte Niedlichkeit schon des Namens dürfte ja im Zeitalter von Bällebädern, Flausch und My Little Pony durchaus wieder für ein Revival geeignet sein. Dennoch handelt es sich bei dem Chat-Dienst um ein Angebot aus der Zeit, als man noch mit Modem einwählte, einen ganzen Stapel AOL-CDs zuhause hatte (ohne besonderen Grund, denn genutzt wurden die Dinger ja meines Wissens nicht) und die neueste CD der Spice Girls auf dem Discman hörte. In der Schulpause wurde dann trotz Verbot heimlich auf Knuddels gechattet (zumindest von den meisten – diejenigen unter uns, die schon damals ein wenig “darker and edgier” waren, ergötzten sich ebenso verbotenerweise an den Missgeschicken der Happy Tree Friends).

Happy Tree Friends

Datensparsame Alternative zu Knuddels: Die Happy Tree Friends ([email protected])

Unsere Eltern jedenfalls waren über unsere Abenteuer bei Knuddels nicht unerheblich besorgt, stand doch in der Computerbild, dass Minderjährige auf gar keinen Fall (!!!) irgendwelche Informationen per Internet preisgeben sollten. Und was in der Computerbild stand, war für die Generation der “Digital Immigrants” eindeutig Serious Business.

Nun sieht es, 19 Jahre nach der Gründung von Knuddels, so aus, als hätten unsere Altvorderen womöglich recht gehabt: durch eine Sicherheitslücke wurden die Daten von 1,8 Millionen Benutzern geleakt. Wohl dem, der dort eben keine relevanten Daten hinterlegt hatte. Daraus allerdings zu schließen, dass in Computerbild womöglich doch nicht nur Quatsch stand, würde eindeutig zu weit führen. Ihr kennt das ja mit dem blinden Huhn. Alternative Moral der Geschichte: schaut mehr Happy Tree Friends!

Zensur-Protest-Zensur

Kommen wir von den Hobbies pubertierender 90er-Kinder zu denen kontrollsüchtiger Politiker. Ganz oben auf der Liste: Zensur. Blöd nur, dass darüber manche Aktivisten gar nicht erfreut sind. Zum Glück gibt es dagegen ja ein probates Mittel: Zensur. Wird sich zu laut über eine neue Zensur-Infrastruktur beschwert, blockiert man einfach die Beschwerden. Da soll noch einer sagen, Probleme ließen sich nicht mit der Denkweise lösen, die sie verursacht hat…

Ein Lama aus der Vergangenheit

Das Lama ist wieder am Start – By Johann “nojhan” Dréo – Wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)

Wo wir übrigens vorhin von 90er-Throwbacks sprachen: kürzlich tauchte eine neue WinAmp-Beta auf. That really whips the llama’s ass, wie wir damals zu sagen pflegten. So langsam sollten wir wohl unsere Buffalos und Knöpf-Trainingshosen wieder aus dem Keller holen. Diejenigen von uns, die auf dem Land leben, können sogar noch die Original-Geschwindigkeit damaliger Internet-Zugänge genießen, denn mit dem Breitband-Ausbau ist das ja bekanntlich in Deutschland so eine Sache…

Ein echtes Arbeitspferd

Kommen wir von Lamas zu Pferden – genauer gesagt trojanischen Pferden. Deren Einsatzbereich soll jetzt erheblich erweitert werden (sozusagen ein Vielseitigkeits-Reitwettbewerb). Hieß es anfangs noch, die Staats-Malware sei allenfalls für Terrorismus und organisierte Kriminalität gedacht, wurde anschließend der Einsatzbereich schrittweise erweitert. Neueste Idee der Mächtigen: mit dem Staatstrojaner gegen Drogendelikte (natürlich nur die, die nicht im Bundestag stattfinden). Demnächst an diesem Ort: Staatstrojaner gegen Falschparken, Schwarzkopien, regelwidrige Abfallentsorgung und zu laute Musik nach 22 Uhr. Selbstverständlich nur zum Wohle der Nationalen Sicherheit und in streng kontrollierten Einzelfällen.

Glosse

Winter is Coming

Angesichts dieser beunruhigenden Zombie-Horden schon im September dürfen wir gespannt sein, was uns erst im Oktober erwartet. Eins steht fest: langweilig wird es nicht. Der satirische Monatsrückblick wird sich der Sache zum gegebenen Zeitpunkt annehmen. Bis dahin bleibt uns treu, passt auf euch auf und viel Spaß mit den Happy Tree Friends!

Eure Annika Kremer

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11 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    @Lars

    ich sehe hier eben Werbung für eine Dating-Webseite mit Frauen aus Thailand.

    Sowas hat aus meiner Sicht ein echtes ‘Gschmäckle’ – Frauenbeschaffung per Katalog für all jene Loser, die sonst keine abkriegen.

    Mal ganz ehrlich: muß das sein??


    • Richte Deine berechtigte Anfrage bitte an Google Adsense. Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Ad

  2. Anonymous sagt:

    Fad. Einfach nur noch fad. Ein müder Abklatsch dessen was die Glosse früher im gulli war.

    Nix neues, bloß noch ein langweiliges, ‘gewollt witziges’ Aufzählen von anderweitig besser publizierten Fakten.


    • “Abklatsch” ? Du weißt schon, wer die Glosse früher geschrieben hat bei gulli.com? Und wer sie dort eingeführt hat? Ja, richtig, Annika Kremer war das.

      • Anonymous sagt:

        Ja, und? Natürlich weiß ich, dass Annika die Glossen früher auch geschrieben hat.

        Unterschied: damals hatte sie noch Pep. Heute ist das Ganze so interessant wie ein Glas abgestandenes Wasser von letzter Woche (un)schmackhaft. Ausgelutscht. Reif fürs Absetzen.


        • Ja, ehrlich gesagt, ich habe Erinnerungen an Glossen, die ich auch deutlich besser gefunden habe. Aber so fade wie Du finde ich sie wirklich nicht.

          • Anonymous sagt:

            Da sind wir uns ja fast einig :-).

            Annika’s Glossen sind seit geraume Zeit so langweilig wie die Lindenstrasse schon vor 20 Jahren war*. Beide sind überreif für eine Notschlachtung, um ihre Macher aus ihrem intellektuellen Elend zu befreien. Wären sie Zuchtvieh – PETA würde Alarm schlagen.

            *Meine Mama ist Kritikerin für eine grosse Zeitung im Bereich ‘Kultur / Kunst’ – man bekommt einiges mit am Rande. Nicht daß ich mich sonst je für diesen Lindenschmarrn interessiert hätte. Man müßte mir schon ein Monatsgehalt bezahlen, damit ich es mir 4 mal im Monat antue. Ich rezipiere es, genau wie einmal alle halbe Jahre Annikas Glosse, aus rein wissenschaftlichem Interesse.

  3. hans sagt:

    Gut geschrieben!
    Danke

  4. alter gullianer sagt:

    Hallo Annika, wieder ein toller Rückblick, wie immer gut geschrieben und mit diversen “Po-Enten!”

    Seit Jahren freue ich mich auf das Ende des Monats:
    wenn du uns regelmäßig mit Glossen versorgst, wird sich daran auch nix ändern. :)

    Danke!

    • Anonymous sagt:

      “Seit Jahren freue ich mich auf das Ende des Monats:
      wenn du uns regelmäßig mit Glossen versorgst, wird sich daran auch nix ändern. :)”

      Dein Leben muß echt hammeraufregend sein, wenn Annikas Glosse das Highlight des Monats darstellt.

      Laß mich raten: Du bist ein Säulenheiliger, der letzte seiner Art.

      https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4ulenheiliger

  1. 27. Oktober 2018

    […] Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick für September 2018 […]

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