TrollNews: Das Netz hat ein Gesicht

shutterstock_73096273 gefühle im Netz?
Es geht um Stimmungen im Netz. Oder sagen wir besser: Gefühle. Denn auch das Netz hat Gefühle … oder keine (wo welche sein sollten). Stellen wir uns vor, das Netz – unser persönliches Netz – wäre ein Mensch. Hirn, Herz, Magensäfte und das alles! Was für einen Menschen hätten wir vor uns?

Jeder hätte – versteht sich – einen anderen Menschen vor sich. Akzeptiert …

… aber wenn ich mir meinen Menschen vorstelle, dann sehe einen Endvierziger, nicht dumm, aber von gesetztem Wesen. Technikertyp, unaufgeregt. Die großen Fragen sind gestellt. Ausgelagert oder schlichtweg vergessen. Jeden Tag fährt er in eine große Behörde. Dort übersieht er, was die Menschen mit ihrer Arbeit und wieder mit den Menschen verbindet. Es gab eine Zeit, da hat er sich eingemischt – Teil einer Abteilung und Teil einer Neuerungsbestrebung. Nun denkt er von innnen und von oben.


Seine Tochter fragt ihn neuerdings. Ob er ein Mitgefühl habe, eine Beteiligung. Ob in seinem Wesen Platz sei für eine Empörung. Wie er zu Kriegen stehe? Wie er zu Armut stehe, zu Hunger und zu Tod? Wenn ihm jede Strecke technisch überwindbar sei, wie könne es dann sein, dass er diese Entfernung nicht überwinden wolle? In manchem Vorgarten sei mehr Platz für Mitgefühl als in seinem Rechenzentrum.

Sie habe ihn oft von seiner Jugend reden hören. Sie frage sich, ob das Alter ihm nicht einen Streich spiele. Ihr scheine nicht, dass es diese Jugend einmal gegeben habe. Dieses Gerede von der Ungesetzlichkeit, vom Tausch – alles für alle, von einem digitalen Bürgertum ohne Grenzen. Von Inhalten, die frei seien. Nun stelle die Jugend der Welt die Fragen. Offline! Und digital! Seine Antwort aber seien visuelle Effekte. Runde Buttons werden zu eckigen Buttons. Wir wagen den Metallic Look! Aus Wahrheit wurde Licht. Aus Licht wurde Design. Und Design sei Leugnung!

Er sei doch so stolz auf seine Verknüpfungen. Wie könne es da sein, dass er zu allen Dingen keine Meinung habe? Es entstehe eine Unterkunft für Asylanten vor seiner Haustür. Die Nachbarn lägen im Streit miteinander. Sei er kein Nachbar? Ein ebenso großer wie alter Dichter habe gefordert, dass jeder Bürger einen Flüchtling aufnehmen solle. Er habe das Thema in die Wohnzimmer getragen. Ein Mann, der raues Papier mit einer Feder bekratzte!

Die Frage sei doch, was er, der Vater, mit sich anstelle. Welchen Wert er sich beimesse. Seine Intelligenz, sein Wissen, seine Erfahrung gebe er für einen auskömmlichen Ruhestand in Anzahlung. Er tausche ein Leben gegen ein bloßes Nachleben. Und gebe es zwischenzeitlich in Verwahrung. Für ihn sei die Welt zur Scheibe geworden. Eigentlich zum Teller. Und dieser Teller passe ihr nicht zu einer Welt, die eine Welt auf der Flucht geworden sei.

So fragt sie neuerdings, seine Tochter. Das sei sicherlich nicht so gemeint, wie es gesprochen sei, denkt er. Es wird wohl ein Hinweis sein, dass er sich Mühe zu geben habe in diesen hochchristlichen Einkaufstagen.

Einen solchen Menschen sehe ich, wenn ich dem Netz ein menschliches Gesicht gebe. Und ich weiß nicht, ob er mir sympathisch ist ;)

Bildquelle: Shutterstock, thx.

22 Kommentare

  1. Peter Lustig sagt:

    Also ich finde das in diesen fiktiven Endvierziger zu viele Personen vereint werden.
    Die Leute die damals wie heute politisch aktiv sind und sich über Hunger und Flüchtlinge in der Welt aufregen sind nach meinem Ermessen eher nicht die Leute die damals aus reiner Freude an Technik und technischen Möglichkeiten damals zum Internet und der technischen Revolution beigetragen haben. Und jene die sich über Copyright und „Tausch“ aufregen und am liebsten das ganze Netz überwachen wollen sind in der Regel wieder ein anderer Schlag Menschen.
    Das alles in eine Person zu integrieren und dann ihre Untätigkeit oder ihren Verlust an „Werten“ anzuklagen führt nirgendwohin…

  2. Lars Sobiraj sagt:

    „Ein ebenso großer wie alter Dichter habe gefordert, dass jeder Bürger einen Flüchtling aufnehmen solle.“ Das war Grass – siehe Link.

  3. Julia Färber sagt:

    Nicht gelesen und darum froh.

  4. zcyberdan sagt:

    Ein schöner Artikel. Ein schöner Vergleich, der zum Nachdenken anregt.
    Warum der Günter Grass tag?

    • russlandbuecher sagt:

      Wer tatsächlich nachdenken will, sollte sich Günter Grass gönnen und nicht SB der leicht neurotisch von sich auf andere versucht zu schließen! Ich tippe ja langsam bei SB auf Midlifekrise! SB schau mal bei FB rein, so viele Gutmenschen auf einem Haufen, wie dort findet man selten…allerdings endet es wie bei Grass – die Idee ist gut, umsetzen wird es aber keiner! Die Menge der Gutmenschen wird nur durch die Menge an Katzenbildern übertroffen.

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