Tonic: kalifornischer Domain-Registrar erhält weitere Vorladungen

Die US-Niederlassung des Domainverwalters Tonic.to erhielt weitere gerichtliche Vorladungen von der amerikanischen Filmwirtschaft.

pirates of the downloads
Bildquelle: piqsels

Die US-Niederlassung des südpazifischen Domainverwalters Tonic.to erhielt weitere gerichtliche Vorladungen von der amerikanischen Filmwirtschaft im Auftrag der ACE. Erneut will man damit die Identität diverser Piraten-Seiten aufdecken.

DMCA-Vorladungen gegen die Tonic Corp. in San Quentin, Kalifornien

tonic.to Logo

Die Antipiraterie-Organisation ACE lässt sich vor Gericht von den Anwälten des Filmverbandes Motion Picture Association (MPA) vertreten. Gemeinsam will man auf diesem Wege die Namen der Betreiber diverser illegaler Streaming-Portale in Erfahrung bringen. Die Vorladungen an die Tonic Corporation werden von keinem Richter geprüft, sondern lediglich von einem Mitarbeiter des Gerichts entgegen genommen.

Dieses Mal will man die Identität der Betreiber des P2P-Indexers 1377x und acht weiterer Streaming-Portale aufdecken. Ein Vertreter wie cine calidad ist bei uns in den Listen schon aufgetaucht. Die sieben anderen Websites namens f2movies.to, myflixer.to, onionplay.to, streamplay.to, tinyzonetv.to, upstream.to und yesmovieshd.to hingegen noch nicht.


ACE Alliance for Creativity and Entertainment vs. tonic.to

Die Frage ist nur, wie viel das Ganze bringen soll. MPA und ACE haben sich schon letztes Jahr mehrfach an Cloudflare und die kalifornische Niederlassung von Tonic.to gewendet, um sich die Kundendaten zu besorgen. Auch wenn Tonic wahrscheinlich dem Antrag stattgeben wird, waren die bisherigen Ergebnisse sehr gemischter Natur. Im Fall s.to brachte das Vorgehen bislang gar nichts. Serienstream und dessen Forum werden weiterhin betrieben, als wäre nie etwas geschehen. Das gilt auch für pepecine.to, ddl-warez.to, pelis24.to, die Liste unblocked.to, torrentgalaxy.to, solarmovie.to, soap2day.to, supernova.to, flixtor.to und einige andere Domains, wo das Verfahren ins Leere lief.

In den meisten Fällen gelang bisher keine Abschaltung

Die Macher von cine calidad haben als Reaktion bislang nur eine Umleitung zu einer isländischen TLD eingerichtet, das war’s auch schon. Das Portal für Filme und Serien ist im mittel- und südamerikanischen Raum sehr beliebt. Weitere Seitenbetreiber haben im Herbst letzten Jahres in Folge der Anfrage bei Tonic beschlossen, ihre Domain woanders zu parken, wahrscheinlich als reine Vorsichtsmaßnahme.

ololo.to, tonic

Last, but not least gab es auch Vertreter, die nach der gerichtlichen Anforderung von der Bildfläche verschwinden sind. So etwa die Video-Streaming-Suchmaschine Ololo.to im Oktober des Vorjahres. Ob das gerichtliche Vorgehen der Filmwirtschaft damit zusammenhängt, ist bisher nicht bekannt. Es ist aber nicht unwahrscheinlich.

Crystal Clear Media, sorry we are now closed

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Mangelnde Vorsicht, Unwissenheit oder Dummheit helfen ACE & Co.

Die Effektivität der Vorladungen hängt natürlich vor primär von der Qualität der Daten ab, die beim Domain-Registrar vorliegen. Wer bei Tonic echte Daten oder keinen Strohmann angegeben hat, steckt in Schwierigkeiten. Alle anderen werden ihre Seite weiterhin ohne Zwischenfälle betreiben können. Wer sich beim Webhoster, CDN-Anbieter und Domain-Verwalter gegen eine Aufdeckung geschützt hat, muss nichts befürchten. Doch wir haben schon häufiger über Fälle berichtet, wo derartige Anfragen zum Aus eines Online-Dienstes geführt haben.

MPA, Logo

Mehr können MPA, ACE oder Verbände wie die RIAA letztlich nicht tun. Wenn keine Abschaltung oder Aufdeckung gelingen kann, bleiben am Ende der Fahnenstange nur noch Netzsperren übrig, die man aber pro Internet-Provider eines Landes erwirken muss. Doch solche Verfahren kosten vergleichsweise viel Geld und Zeit. Außerdem entfalten sie ihre Wirkung jeweils nur auf einen kleinen Anteil der Besucher. Im Newsroom der Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) ist es seit November recht ruhig geworden. Schauen wir mal, wie lange das noch so bleiben wird …

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.