[Meinung] Spiegelbest – beständig unbeständig

Spiegelbest, der ehemalige Sprecher von Torboox, ist mal wieder beständig unbeständig und schreibt ab sofort als Gastautor bei der Tarnkappe mit.

spiegelbest

 

Ich hab wieder mal alles aufgegeben, neu gemacht, umgestellt.

Wieder mal müsst ihr neue Lesezeichen setzen! Keiner weiß, warum … aus Langeweile, aus Spieltrieb, wegen Paranoia?

Es wird euch überraschen, dass ich den Wechsel hierher – zu Tarnkappe.info – anders sehe. Nicht ich habe mich geändert, sondern die Situation. Es gibt schnelle Wechsel, aber es ist die Situation, die sich ändert.

Alle Buchketten schleppen eine Unzahl von Ladenlokalen mit sich herum, die sie immer weiter ins Minus rutschen lässt. Sie sind einem Markteilnehmer gegenüber chancenlos, der ohne diese Belastung wirtschaftet. Amazon kann seinen Gewinn sinnvoll einsetzen, die Buchketten versenken ihn kontinuierlich in Mieten, Personal, Nebenkosten und Schuldzinsen. Wir sehen, dass der Umsatz hier wächst und dort sinkt. Amazon verkauft immer mehr Bücher und Ebooks, die Buchketten verkaufen immer weniger Bücher.

Jetzt stelle ich euch die Frage: Wohin werden die Autoren gehen?

Wir sind dort angelangt, wo wir den Sieger sehen. Der Kampf ist entschieden. Also wird bald Amazon der Gegner der Buchpiraten sein. Alle, jedenfalls die wichtigen Autoren werden dort sein, alle bestsellernden Titel. Und ganz ehrlich und ganz unter uns: Ich für mich mag diesen Gegner nicht. Amazon macht alles richtig, was im Umkehrschluss heißt, dass ich als einer der beteiligten Buchpiraten einiges, wenn nicht alles falsch machen kann.

Und in dieser Situation erlaube ich mir, neu nachzudenken.

Die Verlage verstehen von Ebooks nichts. Es war ein Akt der Barmherzigkeit – nicht der Piraterie – Ebooks von € 17,99 zu befreien. Wer solche Preise auftischt, lädt die Enteignung zu sich an den Tisch!

Wir haben aber eine neue Situation: Amazon lässt keinen Leser ohne Lesestoff gehen. Es gibt so viele Angebote – von € 1,99-Titeln, Prime Leihe bis zu ständigen Gratisaktionen – dass auch der Ärmste der Armen etwas zu lesen findet (so lange er einen Account bei Amazon hat).


Über den Preis also kommen die Nutzer nicht zu uns Buchpiraten. Bleibt noch, dass wir niemanden auspähen. Dass Amazon Spyware verkauft, wird oft erwähnt. Allein ich habe Zweifel, ob die Nutzer nicht einfach nur möglichst viel, möglichst billig lesen wollen. Ich glaube nicht, dass es eine nennenswerte Anzahl von ihnen stört, wenn sie ausgeleuchtet werden. Tut mir leid, diesen Eindruck habe ich im Laufe der Jahre gewonnen …

Ich bin also der Ansicht, dass Amazon ohne große Mühe die Buchpiraterie austrocknen wird. Das ist die Situation und sie ist neu für mich. Es fällt mir schwer, den Frontpiraten in meinem Blog zu spielen, wenn ich in Wahrheit ratlos bin.

Mir ist die Strategie abhanden gekommen.

Bildquelle: Shutterstock, thx!

Dies ist ein Gastbeitrag und spiegelt dementsprechend nicht die Meinung der gesamten Redaktion von Tarnkappe.info wieder.