Paul McCartney: Streaming-Anbieter müssen Künstler besser bezahlen!

Bei BBC 4 Radio sagte Paul McCartney, die Streaming-Zahlungen für Künstler müssen erhöht werden. Zur Sprache kamen weitere Branchenvertreter.

Paul McCartney
Bildquelle: Piqsels

In einer kürzlich stattgefundenen Diskussionsrunde der BBC sagte der Ex-Beatle Paul McCartney, dass die Streaming-Zahlungen für Künstler erhöht werden müssen. Es sei heutzutage in der Musikindustrie als Künstler sehr viel schwieriger, sich finanziell über Wasser zu halten.

2020: Musik-Streaming hierzulande mit einem Marktanteil von über 50% !

Auch in Deutschland ist das Streaming auf dem Vormarsch. Laut dem BVMI stammten im Vorjahr 71,5 Prozent des Umsatzes der Musikindustrie aus online stattfindender Musiknutzung und nahm somit einen Marktanteil von 55,5 % ein. Die Verkäufe der Audio-CDs waren hingegen mit einem Minus von 18 Prozent stark rückläufig. Einzig die klassische Schallplatte konnte den physischen Markt ein Stück weit stützen. Die digitalen Downloads haben 2020 mit 24,8 Prozent nur noch den vierten Rang belegt. Das entsprach in Deutschland einem Marktanteil von 4,2 %. Zwar konnte die erhebliche Dynamik im Streaming-Bereich das Digitalgeschäft ankurbeln. Doch den Musikern hat das wenig geholfen. Bei ihnen blieb im Vergleich zu den anderen Vertriebskanälen vergleichsweise wenig hängen. Die Umsätze verbleiben größtenteils bei Spotify & Co.

Nadine Shah hat trotz ihrer Hits Probleme die Miete zu bezahlen

Paul McCartney, der 18-fache Grammy-Gewinner, nicht zu vergessen 79 Grammy-Nominierungen, äußerte sich zum Thema Musik-Streaming während einer halbstündigen Episode beim BBC Radio 4. Die Sendung trug den Titel „The Price of Song“. Zu Wort kam auch Sängerin und Songwriterin Nadine Shah, die enthüllte, dass sie Probleme hat, ihre Miete zu bezahlen, obwohl sie über 100.000 monatliche Hörer auf Spotify hat. ABBA-Gründer Björn Ulvaeus und Hipgnosis-Gründer Merck Mercuriadis, nahmen ebenfalls an der Radiosendung teil. Darin ging es um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Streaming-Anbieter auf die Kreativwirtschaft. Laut einer aktuellen Erhebung des News-Portals Digital Music News müssen US-Künstler pro Monat mindestens 235.000 Spotify-Plays erzeugen, um ihre Unkosten decken zu können. Die Anzahl abgespielten Musikstücke bei Spotify hängt vom jeweiligen Bundesstaat ab. Man rechnet mit einem Mindesteinkommen von 1.200 US-Dollar für den 40-Stunden-Job eines Musikers. Doch so viele Plays erhalten nur die wenigsten Komponisten bzw. Musiker. Doch mit 40 Stunden werden die meisten wohl nicht auskommen.

Paul McCartney: Es ist als Musiker heutzutage schwer zu überleben!

„Ich denke, es ist jetzt schwieriger für Künstler, leider. Es ist so ein kleiner Prozentsatz“, sagte Paul McCartney über die Streaming-Tantiemen, die Künstler erhalten, trotz der Tatsache, dass Streaming im Jahr 2020 in den USA und in Großbritannien einen so hohen Anteil an den Gesamteinnahmen aus Musikaufnahmen ausmachte wie nie zuvor. „Und was sie Dir sagen werden, ist: ‚Ja, aber wenn du Millionen von diesem kleinen Prozentsatz hast, geht es dir gut‚“, so der 78-Jährige weiter. „Nach einer Weile, wenn du Glück hast, hast du etwas Erfolg, und dann kann es Deine Kunst sein, anstatt dass du nur die Rechnungen bezahlen musst.“ Der Radiomoderator John Wilson fragte zurück, ob McCartney es lieber hätte, wenn man seinen Kolleginnen und Kollegen höhere Tantiemen zahlen würde.

„Nun, ja“, antwortete McCartney, dessen Solowerke mehr als 9,7 Millionen monatliche Spotify-Streams generieren. „Ich bin ein Künstler, das wissen Sie ja. Die Wahrheit ist, John, dass die Künstler diejenigen sind, die die Musik machen. Weißt du, die Beatles haben all diese Platten gesungen und gespielt. Ein normaler Mensch würde denken. ‚Na ja, sie kriegen also das ganze Geld‘. Als ob man zur Arbeit geht, die ganze Arbeit macht und das ganze Geld bekommt.“ Aber wie der Moderator wüsste, würde dies nicht den Tatsachen entsprechen, beendete McCartney seine Argumentation.

Untersuchung in Großbritanninen soll das Geschäftsmodell der Streaming-Anbieter untersuchen

Die britische Regierung hat im Oktober eine formelle Untersuchung der Streaming-Lizenzgebühren eingeleitet. Die Untersuchung zielt speziell darauf ab, festzustellen, „ob die Geschäftsmodelle der großen Streaming-Plattformen fair gegenüber den Autoren und Interpreten sind, die das Material zur Verfügung stellen“, so der Vorsitzende des DCMS-Ausschusses und Abgeordnete für Solihull, Julian Knight. Seitdem haben britische Acts wie Tim Burgess von The Charlatans, Led Zeppelin-Gründer und -Gitarrist Jimmy Page und „Cars“-Sänger, Songwriter und Produzent Gary Numan die Streaming-Lizenzgebühren – oder deren Fehlen – öffentlich aufs Korn genommen. Am 2. März führte SoundCloud offiziell seine „fan-powered royalties“ ein, d.h. eine Vergütung direkt an die Künstler, die auf dem tatsächlichen Engagement der Nutzer basiert.

Trotz der niedrigen Pro-Stream-Tantiemen, die von den führenden Anbietern gezahlt werden, haben sich Künstler wie Bob Dylan, Lindsey Buckingham und The Killers in den letzten Monaten dafür entschieden, ihre Verlagskataloge im Austausch gegen (beträchtliche) Einmalzahlungen zu verkaufen. In Anbetracht der Tatsache, dass Paul McCartney zuvor um seine Verlagsanteile an einer Reihe von Tracks prozessiert hat, wurden in dem Gespräch auch seine Gedanken über den Anstieg der Katalogverkäufe und die Chancen, dass er sich von seinem eigenen Musik-IP trennen wird, erörtert.

Schach Matt

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Paul McCartney: Wir wurden früher abgezockt.

„Ich bin sehr stolz darauf, sie zu haben. Ich und John wurden in den Anfangstagen ein bisschen abgezockt. Wir haben einen kleinen Vertrag unterschrieben – wir hatten keine Ahnung, was Verträge überhaupt sind. Ich erinnere mich, dass ich zu diesem Kerl sagte: ‚Sieht das gut aus?‘ Und er sagte: „Ja! Also unterschrieben wir ihn. Es stellte sich später heraus, dass er unser Anwalt war. Wir wussten nicht mal, dass er unser Anwalt war.

„Ich fing an, meine eigenen Songs zu machen, nach den Beatles, und einige der Songs von den Beatles kamen zurück. Ich habe das Gefühl, dass ich mich um sie kümmere, also bin ich nicht scharf darauf, sie (die Rechte an die Streaming-Anbieter) zu verkaufen“, schloss der gebürtige Liverpooler seinen Anteil an der Radiosendung. Der Moderator befragt in seiner Sendung aber auch Musik-Journalisten, Verleger und mehrere Vertreter der Musikwirtschaft. Die beinahe halbstündige Sendung von BBC Radio 4 kann man sich nachträglich hier anhören.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.