Moonwalk: Admin von Streaming-Portalen erstmals in Russland verurteilt

Erstmals in der Geschichte Russlands wurde kürzlich vom Stadtgericht Krasnogorsk in der Nähe von Moskau ein Betreiber mehrerer Streaming-Portale bzw. des CDN-Netzwerks Moonwalk verurteilt. Das Urteil, was als Präzedenzfall gilt, führte am Ende zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, die das Gericht für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt hat.

Moonwalk: eigenes CDN-Netzwerk, 10.000 Filme, 3 Seiten, über 10 Mirrors

In Russland geschah strafrechtlich offenbar noch gar nichts wegen der Verletzung von Urheberrechten. Die Regierung hat bislang nur ein freiwilliges Programm zur Löschung von Piraten-Websites aus den Suchmaschinen unterstützt. Der kürzlich Verurteilte hat ein eigenes Streaming-Netzwerk geleitet. Kinogb.guru, kinokot.biz und fosa.me waren die drei Hauptseiten. Dazu kamen die Mirrors wie kinogb.site, kinogb.me, kinogb. life, kinogb.cc, kinogb.mobi, kinokot.me, kinogb.tv und viele andere mehr.


An den Ermittlungen war Group-IB beteiligt, eine Anti-Cybercrime-Firma aus Singapur. Nach deren Aussage sei 2019 der Markt für illegale Angebote in Russland erstmals innerhalb der letzten fünf Jahre rückläufig gewesen. Die Online-Piraterie ging im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2018 um 27 Prozent zurück. Über die drei Hauptseiten und ihre Mirrors hat der Verurteilte zirka 10.000 Filme bzw. TV-Serien öffentlich zur Verfügung gestellt.

Moonwalk Kinogb.ru

Ausschnitt der Hauptseite des früheren Streaming-Portals Kinogb.ru aus dem Jahr 2018. Screenshot von der Wayback Machine aka Internet Archive, thx!

Stanislav Saigin bot den Kunden gegen Bezahlung Content, Werbung & Schutz an

Doch Stanislav Saigin hat nicht nur damit sein Geld verdient. Dazu kommt sein so genanntes Moonwalk CDN-Netzwerk. Dort hat man für die zahlenden Kunden den Standort der Server verschleiert und sie mit Online-Werbung (zumeist für Online-Casinos) und mit Inhalten versorgt. Auf Betreiben von BREIN, der MPA und der ACE konnte man dieses Content Delivery Netzwerk für russische Piraten vom Netz nehmen.

 

Stanislav Saigin war gewarnt

Saigin wurde nach Auskunft von Group-IB wiederholt gewarnt, er solle seine Tätigkeiten unverzüglich einstellen. Stattdessen eröffnete dieser neue Mirror-Sites und ignorierte die Nachforschungen des Unternehmens. Die Arbeit habe erschwert, dass sich der Besitzer des kinogb- bzw. Moonwalk-Netzwerks weder bei den sozialen Netzwerken noch in irgendwelchen Foren registriert hat. Im Frühjahr dieses Jahres wurde Saigin dennoch festgenommen. Man verurteilte ihn nun 25km von Moskau entfernt zu einer Haftstrafe von zwei Jahren, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Die mögliche Höchststrafe lag übrigens bei sechs Jahren Freiheitsentzug. Daneben wären empfindliche Geldstrafen möglich gewesen.

fosa.me

Bumblebee in action. Screenshot von Fosa.me, eines der drei Hauptseiten des Streaming-Netzwerks.

Russland: Einzelfall oder Kehrtwende beim Umgang mit dem Urheberrecht?

PiratenDieser Fall hat einen wichtigen Präzedenzfall geschaffen, der dazu beitragen könnte, andere Besitzer von Piraten-Ressourcen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen„, gab Andrey Busargin, Direktor für Markenschutz und Anti-Piraterie von Group-IB zu Protokoll. Ob das Moonwalk-Urteil den Anfang einer Kehrtwende darstellt, wie es sich die Rechteinhaber erhoffen, muss man freilich abwarten. Bislang hat sich die russische Regierung bis auf DNS-Sperren und die Entfernung von Suchergebnissen nur sporadisch für Urheberrechte interessiert. Eher das Gegenteil war der Fall.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Sebastiaan Stam auf Unsplash.com, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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