Markt für E-Books stagniert auch in 2016 – ein Kommentar

Article by · 15. Februar 2017 ·

Diese Zahlen sprechen ihre eigene Sprache. Der Umsatzanteil der E-Books betrug 2016 ganze 4,6% und blieb somit fast unverändert. Insgesamt stieg dort der Umsatz um 2,6% an. Grund dafür waren im Winter umsatzstarke Kinder- und Jugendbücher wie der neue Harry Potter und andere Zugpferde, die allerdings nicht alle paar Monate für ein solches Wachstum sorgen können. Die GfK- Hochrechnungen werden wie üblich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als gutes Ergebnis gewertet. Wir kommentieren.

Der Markt für E-Books bewegt sich auf der Horizontalen. Anders lässt sich die Situation kaum zusammenfassen. Ganze 0,1% Umsatzwachstum konnte man im Vorjahr verzeichnen. Und auch nur weil im Kinder- und Jugendbereich einige heiß begehrte Werke wie „Harry Potter und das verwunschene Kind“ von J.K. Rowling / John Tiffany / Jack Thorne oder „Seven Wonders – Der letzte Kampf des Dämons“ (Peter Lerangis) erschienen sind. Ohne die Topseller wäre die Kurve im Vorjahr sogar leicht nach unten gegangen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels meldet in Kooperation mit GfK Entertainment vierteljährlich die Entwicklung auf dem E-Book-Markt. Die Hochrechnungen der E-Book-Absätze und -Umsätze stammen aus dem GfK Consumer Panel Media*Scope Buch mit insgesamt 25.000 Personen. Sie sind repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab zehn Jahren, für insgesamt 67,7 Mio. Menschen.

Positiv ist zu vermelden, dass die Leser, die sich bereits für einen digitalen Reader statt für bedrucktes Papier entschieden haben, letztes Jahr tendenziell etwas tiefer in ihre Tasche gegriffen haben. Sie kauften durchschnittlich 0,4 E-Books mehr aufs Jahr 2016 gerechnet. Gesunken sind auch die Preise, die pro Titel bezahlt werden mussten. Die Preise sanken um 1,4%, was sich natürlich ebenfalls statistisch auf den Umsatz ausgewirkt hat.

Doch sind wir in Anbetracht dieser Zahlen doch bitte einmal realistisch: Ohne die Topseller im Jugendsektor wäre der digitale Markt womöglich komplett abgesoffen, um es mal platt auszudrücken. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verkauft diese Niederlage dennoch als Sieg: „Das E-Book bleibt für Verlage und Buchhandlungen eine wichtige Editionsform und verlässliche Größe und hat sich bei seinen Nutzerinnen und Nutzern etabliert. Während der Umsatz verhalten wächst, steigen Absatz und Kaufintensität weiterhin kontinuierlich an. Die Bedeutung des E-Books wird sicherlich weiter zunehmen, Verlage und Buchhandlungen treiben neue digitale Leseformen und Vertriebsmodelle voran“, kommentierte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die Situation für die hauseigene Pressemitteilung, die heute über die Ticker ging. Kann oder will man die Realität beim Börsenverein, dem Dachverband der deutschen Verlage, nicht wahrhaben? E-Books wurde einst eine große Zukunft vorausgesagt. Sie stellen aber im Gegensatz zu den Aussagen von Herrn Riethmüller kein erfolgreiches Vertriebsmodell dar, sie fristen ein regelrechtes Schattendasein.

Realistisch gesehen ist nämlich eben nicht davon auszugehen, dass sich am Umsatzanteil noch etwas ändern wird. Ein Gutes hat die Niederlage immerhin. Die Verlage müssen die Online-Piraterie weiterhin nicht ernst nehmen, weil ihnen mit einem Marktanteil der gedruckten Werke von 95,4% auch der damit verbundene Umsatz sicher ist. Warum sollten sie Unsummen in Antipiraterie-Unternehmen wie die GVU stecken, wenn ihnen die ganzen Downloader via P2P, Sharehoster oder Usenet-Provider kaum bis gar nichts von ihrem Gewinn streitig machen!??

Im Regal: gedruckte Werke statt E-Book Reader.

Bleibt allen Verlagen und Autoren zu wünschen, dass die Preise für E-Books weiter sinken. Nicht bis zum Niveau von LUL.to, die neue Bücher illegal in ihren digitalen Grabbelkisten zu Ramschpreisen von wenigen Cent veräußern. Den aktuellen Harry Potter gibt es dort für satte 20 Cent. Immerhin noch immer 20 Cent mehr als für umsonst, wie bei der Konkurrenz aus dem Graubereich. Sehen wird von den 20 Cent natürlich weder der Verlag noch die Autoren etwas. Im Handel kostet der gedruckte Potter knapp 20 Euro und der digitale Harry nur 5 Euro weniger. Da für den Verlag bis auf das Hosting (für die Webseite bzw. den Download) weder Druck-, Lager- oder Versandkosten entstehen, kann und muss man diesen Preisvorteil an die Kunden weiterreichen. Selbst bei Neuerscheinungen ist kaum jemand bereit, 3/4 des Preises für etwas zu bezahlen, was er nicht mal anfassen kann. Würde das Buch 20 und das E-Book mit 10 oder weniger Euro zu Buche schlagen, würde sich die Situation sicher anders darstellen. Von allen drakonischen DRM-Maßnahmen (Adobe & Co.) haben alle großen Verlage ja glücklicherweise schon spätestens im Vorjahr Abstand genommen.

Entsprechend gering ist weiterhin die Bereitschaft der Kundschaft, Geld in E-Books und deren Reader zu investieren. Solange E-Books nicht deutlich günstiger als gedruckte Bücher sind, wird sich daran im legalen Bereich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Sehr schade.

Tja, der illegale Bereich ist und bleibt ebenfalls eine Nische, wo heute wie jeden Tag “Business as usual” herrscht. Den Machern von Lesen und Lauschen (LUL.to) kann es nur recht sein, wenn die Verlage ihre Strategie nicht ändern wollen. In dem Fall dürfte ihr Geschäftsmodell – und selbst das haben sie kopiert, noch viele Jahre funktionieren. Mir ist schleierhaft, wie der Börsenverein das ernsthaft als positive Entwicklung wahrnehmen oder uns verkaufen will.

Beitragsbild: Bald geschlossen? Berliner Buchhandlung am Savignyplatz. Foto Lars Sobiraj.

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5 Comments

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    Also ich finde es auch irgendwie merkwürdig, dass E-books teilweise das Gleiche kosten wie normale Bücher. Was bekomme ich denn dafür? Natürlich kann ich das Buch dann lesen, aber irgendwie fällt doch einiges weg. Zum Beispiel ein schön gestaltetes gedrucktes Cover. Die Haptik des Seiten blätterns. Die Möglichkeit mein gekauftes Buch einem Freund zu leihen, weil ich es so gut fand. Zu sehen, dass ich ein Lieblingsbuch schon öfters in der Hand hatte, weil es ein wenig abgegriffen ist. Meine eigenen Kommentare in Büchern oder unterstrichene Sätze, die mich ganz besonders berührt haben. Der Duft von Papier beim Lesen. Und zu guter Letzt, einfach schön gedruckte Buchstaben ohne Technik, die meinen Augen schadet! Meiner Meinung nach wird das gute alte Buch niemals aussterben! Trotzdem versteh ich Menschen, die sich für Reisen einen E-reader zulegen – einfach nur wegen der Last des Gepäcks.

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    Also, ich würde sagen, 90% meiner Bücher sind inzwischen ebooks. Allerdings leihe ich die meisten davon aus, lese auf meinem Smartphone mit der App Skoobe, man kann auch über Amazon leihen, wenn man einen Kindle hat. Für mich gibt es inzwischen nichts geschickteres als ebooks – im Urlaub, in irgendwelchen Wartezimmern… und sie nehmen nicht viel Platz weg. Allerdings gilt das vor allem für Romane. Wenn es sich um Fachbücher handelt, sieht es doch meist anders aus. Da will man auch mal was unterstreichen, ankeuzen, oder einfach neben dem Computer liegen haben, um damit zu arbeiten. Ich hatte auch schon den Fall, dass mir ein bestimmtes ebook so gefallen hat, dass ich es unbedingt als gedruckte Version haben musste.
    Was ich aber, wie schon im Artikel geschrieben, nicht einsehe, dass ein normales ebook, nur etwa 1-4 Euro weniger kostet als die gedruckte Ausgabe. Keine Druckkosten, keine Lagerkosten, wenn man es geschickt anstellt, dann kann das epub ohne große Probleme erstellt werden und dieses epub musst du auch nicht nachdrucken, wenn die Auflage vergriffen ist!
    Was ich auch beobachte – noch vor ein paar Jahren, wurden die »Eigenproduktionen« auf Amazon, Bod usw immer kritisch beäugt. Meiner Meinung nach hat sich das inzwischen sehr gewandelt. Die Autoren, die ihre Werke selber veröffentlichen sind inzwischen viel professioneller und auch qualitativ hat sich meiner Meinung – zum großen Teil (Ausnahmen gibt es immer) – viel getan. Selber kenne ich auch Autoren, die ihre Bücher selber verlegen, sogar gedruckt. Für einen größeren Verlag sicher nicht interessant, aber sie haben ihre Fans und es ist interessant, die Entwicklung von einem Buch zum nächsten mitanzusehen.

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    Felix

    Vorab: Ich kaufe auch keine e-Books … sondern old fashioned auf Papier.
    Schon alleine deswegen, weil ich Produkte, die ich erwerbe, gerne anfassen möchte. Produkte, die nicht irgendwelche DRM oder andere Einschränkungen haben, Produkte, die nicht im Nachhinein verändert werden können, nur weil sich die politische Meinung ändert (siehe Pippi Langstrumpf).

    Aber generell ist es nicht so einfach. Ich weiß zwar nicht, was der Buchdruck bei einer Massenauflage wie bei Harry Potter kostet, aber sicher keine 10 Euro pro Buch, die man beim digitalen Produkt nachlassen kann. Das Problem, das wir haben, dass die kreative Schöpfung kaum noch anerkannt wird. Da saß jemand monatelang und hat ein Buch verfasst, viel Energie, Zeit und Kreativität aufgebracht.
    Während ich von Gagen von 30 Millionen für einen Topschauspieler zuzüglich fürstlicher Versorgung für einen lausigen Film mit 20 Drehtagen lese, höre ich eher selten von Schriftstellern, die ähnliches erreichen oder im Geld schwimmen.
    Ich kenne das aus meinem Beruf, ich bin auch Dienstleister und produziere kreative Produkte. Ich kann meinen Lebensunterhalt damit nicht mehr verdienen, und beziehe Sozialleistungen trotz 70-Stunden-Woche. Meine Arbeit wird gerne genommen, genutzt, gerne auch ohne dafür zu bezahlen, verbotenerweise weitergegeben usw. Niemand schert sich darum, dass ich trotz Arbeit auf Sozialleistungen angewiesen bin.

    Die Wertschätzung für solche Produkte ist leider sehr sehr gering. Aber 6 Euro für ein 0,2-Cola in der Disko, damit haben die Wenigsten Probleme. In 2 Minuten getrunken. Weg. Das Buch, das 30 Jahre im Schrank steht und stundenlang unterhält, dafür sind 20 Euro zu viel. Verrückte Welt.

    Das Aufwendigste am Buch ist letzten Endes immer noch der Inhalt, das ist das, was da geschrieben steht auf mehreren hundert Seiten. Nein, nicht die Tinte oder der Toner, die Wochen und Monate oder gar Jahre der Person, die da vor der Schreibmaschine oder dem Computer saß.

    Dennoch, e-books kommen aus genannten Gründen für mich einfach nicht in Frage. Und dass digitale Daten verschwinden ist wesentlich wahrscheinlicher als ein Wohnungsbrand, bei dem die Büchersammlung verbrennt.

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    Ehrlicher Raubkopierer

    Ich bin ehrlich gesagt auch nicht bereit 15€ für ein E-Book auszugeben. Ein Buch kann man nach dem lesen weiterverkaufen, für ein 20€ Buch bekommt man auf eBay locker noch 10€, so ist man am Ende mit der gebundenen Version günstiger als mit der digitalen, die man nach dem lesen praktisch in die Tonne hauen “muss”.

    Solange Verlage und Labels ihre Künstler, Artists und Autoren so verarschen spende ich lieber weiter direkt und lade mir die E-Books oder Musik.

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    Eugen

    Also ich wollte neulich eine komplette CT Ausgabe als PDF (oder epub) online am PC kaufen. Ich musste feststellen das das nicht geht. Man brauch eine App auf Android um überhaupt das ganze Heft kaufen zu können. Vielleicht hab ich es aber auf der Webseite auch nicht gefunden. Auf jeden Fall ein bisschen komisch wenn man nicht mal eine Computerzeitschrift am Computer kaufen kann. Von daher wundert es mich nicht wenn der Umsatz nicht stark wächst wenn man dem Kunden solche Steine in den Weg legt.


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