Filesharing eines Pornofilms: Sohn haftet nicht für seine Mutter

Filesharing eines Pornofilms: Der Sohn sollte als Anschlussinhaber für seine Mutter in die Störerhaftung genommen werden, als diese die Aussage verweigerte.

Pornofilm

Das Amtsgericht Augsburg wies mit Urteil vom 26.11.2016 (Az. 18 C 2074/15) eine Klage der Kanzlei Negele ab. Der Sohn sollte als Anschlussinhaber für die Aktivitäten seiner Mutter in die Störerhaftung genommen werden, als diese ihre Aussage verweigerte. Wegen der illegalen Verbreitung eines Pornofilms wurde eine Abmahnung über 2.000 Euro verschickt.

Mutter verbreitete Pornofilm

Bei diesem skurrilen Fall war ausnahmsweise der Sohn der Anschlussinhaber. Dieser erhielt Post von der Kanzlei Negele, weil über seinen Internet-Anschluss angeblich der Pornofilm „Sex-Kontakte – Einfach Mal Fremd Ficken !!! – Sexdates“ verbreitet wurde. Die Kanzlei wollte dafür Schadenersatz von 1.500 Euro und Abmahnkosten von 500 Euro erheben. Der Sohn zahlte nicht und berief sich darauf, er habe die Urheberrechtsverletzung nicht begangen. Außerdem war zur Tatzeit seine Mutter allein zu Hause. Diese machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, weswegen ihr Sohn in die Störerhaftung genommen werden sollte.

Vertreten wurde er von der Kanzlei Andresen in Landsberg am Lech. Interessant ist außerdem, dass das fragliche Werk vom Rechteinhaber BB Video GmbH gar nicht zum Verkauf angeboten wird. Statt der Webseite des Klägers bestand über Jahre hinweg ledliglich eine leere „Baustelle“ ohne jeden Inhalt. So fehlt dort neben dem Impressum auch eine Widerrufsbelehrung und weitere Informationen. Insbesondere den Anforderungen zum Kinder- und Jugendschutz wird nicht genüge getan.


Router mit Sicherheitslücke

Rechtsanwältin Frauke Andresen stellte außerdem fest, im Haushalt ihres Mandanten war als DSL-Router eine FritzBox! mit den bekannten Sicherheitslücken installiert. Nach ihrer Auffassung kam „auch nur ein Hacker-Angriff“ infrage. Merkwürdig war in jedem Fall, dass der Hashwert auf einen ganz anderen Pornofilm namens „10 deutsche Sexdates“ hingewiesen hat. Hat die Kanzlei etwa den falschen Film abgemahnt? Abweichend von der Abmahnung wurde zudem laut Klage eine ganz andere Tauschbörsensoftware eingesetzt. Frauke Andresen „Es wäre natürlich auch zu viel Mühe, (für die Erstellung der Abmahnung) die aus Textausteinen bestehenden Standardschreiben den konkreten Daten anzupassen …“ Anstatt der Software BitTorrent wurde in der Klageschrift der Client Transmission 2.21 angegeben.

Den Sohn schuldig zu sprechen, lehnte das Amtsgericht Augsburg ab. Der Abgemahnte musste nicht darlegen, wer letztlich die Urheberrechtsverletzung begangen hat. Der Anschlussinhaber muss nicht seine volljährige Mutter lückenlos überwachen oder belehren. Zudem darf nicht vor Gericht spekuliert werden, wer denn nun für die illegale Verbreitung des Werkes (Pornofilm) tatsächlich infrage kommt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Kanzlei Negele hat bereits Berufung eingelegt.

Wohngemeinschaft: Abgemahnter haftet nicht für das Filesharing Dritter

Ganz ähnlich ging auch dieser Fall aus. Nachdem ein Anschlussinhaber nicht die Abmahnung in Höhe von über 1.600 Euro bezahlen wollte, hat man ihn vor dem Amtsgericht Saarbrücken angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe über seine Leitung das Spiel „Euro Truck Simulator 2“ der Firma S.C.S. Software s.r.o. illegal verbreitet. In der Wohnung leben aber noch seine Ehefrau, seine Tochter und dessen Ehemann. Man wollte den Angeklagten in Störerhaftung nehmen. Zuvor hatte man ihm ein Vergleichsangebot in Höhe von 850 Euro gemacht, was er ebenfalls ablehnte. Weil er das PC-Spiel nicht verbreitet hat, verweigerte er jegliche Zahlung.

Nach Eingang der Abmahnung befragte er die anderen Mitbewohner, ob diese mit ihren Geräten Filesharing begangen haben, was verneint wurde. Daraufhin hat der Mann, der früher Mitinhaber eines Computergeschäftes war, seinen eigenen Rechner durchsucht. Er wurde allerdings nicht fündig auf der Suche nach P2P-Software. Im Rahmen des Verfahrens wurden die Namen aller erwachsenen Mitbewohner angegeben, die zum fraglichen Zeitpunkt Zugriff auf die Internetleitung hatten. Außerdem erlaubte der Abgemahnte eine Befragung sowie die Untersuchung der Festplatte seines Computers. Daraufhin wies das Amtsgericht Saarbrücken die Klage des Rechteinhabers (Az. 121 C 339/16 (09) ab.

Sekundäre Darlegungslast erfüllt

Laut Urteil scheidet eine Heranziehung als Täter aus, weil er seiner sekundären Darlegungslast genüge getan hat. Da alle Mitbewohner erwachsen sind, scheidet auch die Störerhaftung des Mannes aus. Laut Urteil vom BGH vom 06.10.2016 (Az. I ZR 154/15) muss der Anschlussinhaber nicht den wirklichen Täter vor Gericht angeben. Das muss vielmehr der Kläger, also die Kanzlei des Rechteinhabers, tun.

Beitragsbild Geralt, thx! (CC0 1.0)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.