Drogen für Darknet-Kunden unter Müllcontainern versteckt

Die Wiener Polizei überführte kürzlich fünf technikaffine Kriminelle. Drei sitzen in Untersuchungshaft, zwei weitere werden ohne U-Haft strafrechtlich belangt. Die Verdächtigen haben die Drogen für ihre Darknet-Kunden unter Müllcontainern deponiert und die Kundschaft per Messenger mittels der GPS-Daten zur Ware gelotst.


Täter der Generation 4.0: Darknet-Kunden erhielten GPS-Daten per Messenger

DarknetVergangenen Mittwoch hat das Landeskriminalamt Wien zu einem Pressegespräch eingeladen, wie der ORF berichtet. Oberst Gerhard Winkler, der die Außenstelle Süd leitet, spricht von einem „sehr konspirativem Verhalten“ der Verdächtigen. Der Polizei ging ein dicker Fisch ins Netz. BTM-pflichtige Stoffe im Wert von insgesamt ca. 350.000 Euro wurden sichergestellt. Die Verdächtigen hatten für ihre Darknet-Kunden gleich mehrere Depots angelegt, wo man 16,5 kg Metamphetamin, 1,5 kg MDMA und 500 Gramm hochwertiges Kokain gefunden hat. Außerdem fanden die Ermittler ein Kilogramm des Narkosemittels Ketamin in einem weiteren Versteck.

Ein Paar operierte vom niederösterreichischen Mistelbach aus. Sie sollen nach Behördenangaben die Drogen in einem nahegelegenen Wald portioniert und für ihre Käufer unter Glas- und Bekleidungscontainern versteckt haben. Die im Darknet im großen Umfang bestellten Drogen ließ man sich teilweise an leerstehende Häuser oder Wohnungen liefern. Derartige Adressen würden ebenfalls im Darknet gehandelt, wie die Polizei erläutert. Als sie unvorsichtig wurden und ein Paket mit Amphetamin direkt in einer Wiener Postfiliale abholen wollten, schlug die Polizei zu. Der Hauptverdächtige und seine Lebensgefährtin wurden schon Mitte September bei der versuchten Abholung der Drogen festgenommen.

Die Täter haben die moderne Technik vollumfänglich eingesetzt. Bezahlt haben sie mit Kryptowährungen, um die Spur des Geldes zu verschleiern. Ihre Darknet-Kunden bekamen die GPS-Daten via Messenger etc., um die unter den Containern deponierten Päckchen abzuholen. Dort hinterlegten die Käufer das Bargeld, was später eingesammelt wurde. Anfangs lernte man mehrere Konsumenten bei Rave-Partys kennen. Die Abwicklung der Bestellungen lief dann aber später ohne persönlichen Kontakt per Messenger und GPS-Daten ab. Das Verstecken der kleineren Päckchen neben bzw. unter den Containern fand zumeist in zwei Wiener Bezirken statt.

Zufallsfund bei Polizeikontrolle & auffälliges Paket brachten Ermittler auf die Spur

darknet pain killerDie Polizei war den Tatverdächtigen schon seit längerer Zeit auf der Spur. Der österreichische Zoll entdeckte ein Drogenpaket mit neuen Waren, was Monate zuvor sichergestellt wurde. Der Hauptverdächtige wurde bei einer Polizeikontrolle untersucht, die Spürhunde schlugen an. Er soll sich unter Drogeneinfluss befunden haben. Bei der Durchsuchung seines Fahrzeuges konnte man aber keine illegalen Waren mehr feststellen. In der Folge startete die Polizei ihre Ermittlungen und begann, das Paar gezielt zu beobachten.

Der vorbestrafte Hauptverdächtige wurde dann im September dieses Jahres gemeinsam mit seiner 19-jährigen Freundin überführt. Ebenfalls angeklagt wird seine Ex-Freundin, die für ihn die Waren an Dritte vertrieben haben soll. Sie war geständig, das Paar hingegen nicht. Daneben wird Anklage gegen zwei weitere Dealer erhoben, die am illegalen Verkauf beteiligt waren.

Dealer zumeist ohne Vorstrafen oder sonstige Hinweise auf kriminelle Tätigkeiten

Oberst Gerhard Winkler geht davon aus, dass die meisten Anbieter illegaler Stoffe sehr jung sind. Viele Dealer sind maximal Ende 20. Sie haben aber keinen kriminellen Hintergrund, was die Ermittlungen deutlich erschwert. Die Kunden müssen zudem nur kurz im Internet suchen und werden schnell fündig, wo man die Ware erhalten kann.

haschisch

Die österreichische Polizei hat in den letzten drei Jahren mehr als 10.000 Pakete mit Drogen abgefangen. Bei stichprobenartigen Kontrollen des Zolls fand man ca. 340 Kilogram Drogen, darunter befanden sich etwa 90.000 Tabletten. Auch die Verdächtigen hatten ein 100 kg schweres Gerät eingesetzt, um das Material in Tablettenform pressen zu können. Doch damit ist es jetzt erstmal vorbei, denn die Presse hat man ebenfalls mitgenommen.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Michael Longmire auf Unsplash.com, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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