Dreist: Online-Drogenshop Vendetta.to wirbt auf öffentlichen Plakatflächen

vendetta.to

In mehreren deutschen Großstädten wirbt ein Online-Drogenshop auf öffentlichen Plakatflächen der Firma awk. Laut Aussage der Kriminellen haben sie den QR-Code von Vendetta.to in Berlin, Dortmund, Oberhausen und Hamburg platziert. Die eigene Internet-Adresse oder die verbotenen Waren nennt man dort nicht. Das wäre für die Betreiber nach eigenen Angaben „zu auffällig“. Dafür hat man einen Mann mit Guy Fawkes Maske abgebildet, der in seinen Händen einen Degen und eine Rose hält.

Frech, frecher, Vendetta

Kriminelle des Online-Shops Vendetta.to haben großflächige Plakatwände der Firma awk als neues Werbemedium für sich entdeckt. Sieben Werbeflächen seien derzeit in Berlin, Dortmund, Hamburg und Oberhausen zu sehen, teilte uns kürzlich einer der Mitbetreiber mit. Auf dem Foto ist die Plakatwand Ecke Mülheimer- und Tannenbergstraße in Oberhausen zu sehen (siehe Beitragsbild oben). Die Kreuzung befindet sich in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zur Turbinenhalle. Neben dem QR-Code ist auf den Plakaten ein Darsteller des Kinofilms „V wie Vendetta“ zu sehen. Der Actionthriller der Wachowski-Geschwister ist mittlerweile zu einem Sinnbild für Anonymität und politischen Widerstand geworden. Auch das Hackerkollektiv Anonymous hat die aus dem Film bekannte Guy Fawkes Maske immer wieder für ihre Kampagnen und Videos benutzt.

Werbung mit falschen Angaben gebucht?

Wie man die eigene Identität gegenüber dem Vermieter awk gewahrt hat, wollte man uns nicht mitteilen. Diesbezüglich müssten wir uns aber „keine Sorgen machen“, man sei in der Szene nicht erst „seit gestern“ dabei. Mehr könne man uns „aus Sicherheitsgründen“ nicht mitteilen, hieß es. Als Proof hat uns Vendetta zudem ein kurzes, selbst gedrehtes Handyvideo aus der Oberhausener Innenstadt übermittelt. Das alleine ist natürlich noch kein Beweis dafür, dass man die Werbung Dritter nicht einfach überklebt hat. Wenn ja, hätte man sich extrem viel Mühe für einen einzelnen kostenlosen Beitrag bei Tarnkappe.info gemacht.

Der öffentlich angepriesene Online-Shop hat an gehackten Daten und BTM-pflichtigen Stoffen so ziemlich alles auf Lager, was hierzulande verboten ist. Die Kunden können ihre Waren mittels PaySafeCard oder der Kryptowährung Bitcoin bezahlen. Es werden im Handelsplatz zwar auffällig viele Produkte angeboten, viele davon sind aber gar nicht verfügbar. Auf der Webseite werden so ziemlich alle Klischees aus der Fraud-Szene bedient, die es gibt. Sei es der vermögende Cyberkriminelle, der am Strand seinen Cocktail schlürft. Oder die leicht bekleideten Frauen, die bei schönstem Ausblick die bestellten Drogen einpacken.


Holzhammer statt sich mühsam hochzuarbeiten

Uns schrieb der Hinweisgeber aus dem Umfeld der Betreiber, das Steckenpferd von Vendetta.to sei „eine eher unübliche Methode des Marketing: Offensive. Andere Shops versuchen sich mühsam zu etablieren, wohingegen Vendetta genau das Gegenteil tut.“ Die Hintermänner bevorzugen offenbar die Holzhammermethode. Man hofft allen Ernstes auf eine Berichterstattung durch diverse Mainstream- bzw. Boulevard-Magazine, weswegen man deren Redaktionen auf ihre Aktion aufmerksam gemacht hat.

Wir haben uns heute früh für eine Überprüfung der Angaben mit einer Presseanfrage an die Firma awk gewendet. Diese hat aber bislang nicht darauf geantwortet.

Tarnkappe.info

Vendetta Oberhausen

Marketing à la Vendetta.to: „Jeder trägt eine Maske. Doch wer steckt dahinter?“ Schauplatz Oberhausen City, Ecke Mülheimer- und Tannenbergstraße.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.


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