Digitaler Yuan soll chinesische Überwachung perfektionieren

Der digitale Yuan soll zudem die Steuerung der Wirtschaft vereinfachen. Doch mehr als ein paar Gerüchte sind noch nicht bekannt geworden.

Bis Anfang Februar 2022 will man den digitalen Yuan eingeführt haben. Dann finden in Peking die Olympischen Winterspiele statt. In der Folge könnten die Behörden sehen, wer wann Geld für welche Produkte ausgegeben hat. Experten rechnen mit wenig Gegenwehr aus der Bevölkerung. Das bargeldlose Bezahlen hat man mit Ausnahme ländlicher Regionen in China längst etabliert.

Wird der Yuan Coin auf kapitalistischer Technologie basieren?

Digital Yuan

Über dieses Projekt ist bis auf einige Gerüchte bisher nicht viel bekannt geworden. Im August 2019 hieß es noch von offizieller Seite, China habe fünf Jahre lang an der Entwicklung der Blockchain einer eigenen Kryptowährung gearbeitet. Doch bei der damaligen Ankündigung, es sei bald soweit, blieb es dann auch. Das ist nun zwei Jahre her.

Wie derStandard.at berichtet, hat die chinesische Zentralregierung bereits Pilotprojekte in mehreren Städten gestartet. Demnach habe man Lotterien veranstaltet, um den Gewinnern Konsumgutscheine im Wert von ca. 300 Millionen US-Dollar statt Bargeld auszuhändigen. Die Gutscheine mussten möglichst schnell ausgegeben werden. Das Ganze diente wahrscheinlich als Test, um zu prüfen, wie die Bevölkerung mit derartigen Vorgaben umgehen würde. Mit digitalen Coins könnte Peking seine Bürger dazu zwingen, ihr Einkommen zeitnah wieder auszugeben. Man könnte so versuchen, die Wirtschaft (Inflation vs. Deflation) im eigenen Land zu steuern. Eine andere Möglichkeit der Zentralregierung wäre es, zu versuchen, mit dem computergenerierten Yuan ein Gegengewicht zum US-Dollar aufzubauen.

Mit der Grundidee des Bitcoin hat das Ganze so oder so rein gar nichts gemeinsam. Peking wird keinen Quellcode veröffentlichen, jegliches Mining wird beim Yuan Coin unmöglich sein. Im Gegenteil: Die Leitung der Volksrepublik China hat in der Vergangenheit wenige Gelegenheiten ausgelassen, das Leben der Bitcoin-Miner schwer zu machen. So ist dort mittlerweile der Betrieb einer Online-Handelsplattform oder eine Geldsammlung durch ein ICO verboten. Die Aufsichtsbehörden wollten damit die vollständige finanzielle Kontrolle erlangen.

Wann kommt die Central Bank Digital Currency in China?

Double DragonDie Frage ist weiterhin, wann die CBDC in China eingeführt wird. Überraschend kam die Aussage des früheren Managers der Zentralbank PBoC, Yao Qian. Demnach wird die Blockchain der staatlichen Digitalwährung auf Basis der Infrastruktur von Facebooks Diem oder der vom Ethereum laufen.
Qian gilt laut BTC-Echo als Insider. Doch seine Aussage ist noch immer kein Beweis dafür, wie Peking das Projekt im Detail umsetzen wird.

 

Die Nutzung des Diem wäre tatsächlich eine Sensation, denn dies ist der Nachfolger des Libra, der zuvor unter dem inoffiziellen Begriff FacebookCoin bekannt war. Bisher hat sich Peking stets strikt geweigert, auf irgendwelche Technologien westlicher Unternehmen zurückzugreifen.

Die gleiche Problematik besteht übrigens auch beim Ethereum, was u.a. vom im Westen lebenden Vitalik Buterin entwickelt wurde. Bei einer Anlehnung an die Blockchain des ETH käme noch als Hindernis dazu, dass diese dezentral aufgebaut ist. Und das ist ja genau das, was die Regierung in China nicht will. Sie wollen die volle Kontrolle.

Das Volk hat sich an die Überwachung längst gewöhnt

Trotz der Namensähnlichkeit, mit der Website yuan-paygroup.com/de haben die Pläne Pekings nichts gemeinsam. Mit großem Widerstand seitens der Bevölkerung ist wohl auch nicht zu rechnen. In den chinesischen Städten bezahlt man sowieso sehr häufig bargeldlos.

Die Einwohner nutzen dafür die Apps Alipay (Alibaba) und WeChat-Pay von Tencent. Beide Konzerne arbeiten Hand in Hand mit der Regierung Pekings zusammen. Für die Menschen würde der digitale Yuan wohl wenig Neues mitbringen. Sie sind die ständige Überwachung und das bargeldlose Bezahlen gewohnt. Sie kennen es leider nicht anders.

Auf die Umsätze von Alibaba bzw. Tencent wird sich eine flächendeckende Einführung des eigenen Coins sicherlich negativ auswirken. Doch welche Wahl haben die Unternehmen, die vom guten Willen der Behörden abhängig sind?

Bitcoin

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Wie dem auch sei. Es bleibt vorerst abzuwarten, wann man den eigenen Coin vorstellen kann. Und auch, ob sich der digitale Yuan, ähnlich wie der Libra, zu einem Rohrkrepierer entwickeln wird.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.