Cybertrading: Verdächtige wegen Anlagebetrug festgenommen

Mit fünf Festnahmen und zahlreichen Durchsuchungen in Bulgarien, in der Ukraine sowie in Berlin gelangen weitere Schläge gegen Cybertrading.

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Anlagenbetrug durch Cybertrading
Bildquelle: geralt

In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und des Polizeipräsidiums Oberfranken informieren die Ermittler darüber, dass es ihnen am 16.03.2021 gelungen ist, erfolgreich gegen international agierende, mutmaßliche Anlagebetrüger vorzugehen. Den Tätern wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. In den vergangenen Jahren haben sie vermutlich tausende Investoren, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum, mittels Anlagebetrug im Internet, dem Cybertrading, um dutzende Millionen Euro betrogen. Fünf Personen hat man bei der Aktion verhaftet.

Internationale Zusammenarbeit sicherte Ermittlungserfolge

Dem Ermittlungserfolg im Cybertrading sind komplexe, umfangreiche verdeckte Untersuchungen durch die Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kriminalpolizeiinspektion Bamberg, mit Unterstützung des Bundeskriminalamts im Rahmen einer gemeinsamen Aktion mit Strafverfolgungsbehörden aus Bulgarien, vorausgegangen.

Besonders hervorgehoben wurde die Rolle des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Dessen Verbindungsbeamte versehen ihren Dienst in 2/3 aller Länder weltweit und sorgen so für einen schnellen Informationsaustausch. Sie helfen durch ihren Einsatz mit, die grenzüberschreitende Kriminalität effektiv zu bekämpfen, indem sie Unterstützung für laufende Ermittlungen gewähren. Zudem war die europäischen Agentur Eurojust in die Aktion involviert.

Cybertrading Arbeitsplatz

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Bereits Anfang April 2020 gingen Beamte im Rahmen eines Action Days in Bulgarien und Serbien mit mehreren Festnahmen gegen die Tätergruppierung vor. Ein weiterer Zugriff gelang dann in der Ukraine kurz vor Weihnachten 2020. Daran beteiligt war die Generalstaatsanwaltschaft Kiew. Hier kam es zu einer vorläufigen Festnahme gleich mehrerer Personen. Die Durchsuchung einer Vielzahl von Privat- und Geschäftsräumen führte zur Beschlagnahme von Immobilien.

Aber auch Luxusautos und Bargeld im geschätzten Gesamtwert von bis zu 50 Millionen Euro stellte man sicher. Ergänzend zu dem Einsatz vollzog die Kriminalpolizeiinspektion Bamberg vor einigen Wochen in Berlin drei Durchsuchungsbeschlüsse.

In der jüngsten Aktion, am 16.03.2021, kam es in Bulgarien zur Festnahme von insgesamt vier Männern und einer Frau im Alter zwischen 30 und 43 Jahren. Die Festgenommenen stammen aus Bulgarien, Tschechien und Montenegro. Bereits im Vorfeld hatte die Zentralstelle Cybercrime Bayern in enger Zusammenarbeit mit einer eigens im Sommer 2019 eingerichteten Ermittlungskommission der Kriminalpolizeiinspektion Bamberg für alle Beteiligten Haftbefehle erwirkt. Deutsche Fahndungsmaßnahmen führten schließlich zur Inhaftierung. Zudem erfolgten Durchsuchungen von sieben Objekten. Hier konnte man insbesondere in Sofia umfangreiches Beweismaterial sicherstellen.

Vorgehensweise beim Cybertrading immer nach gleichem Schema

fibonetix

Gemäß den Ermittlungen operierte hier eine Tätergruppe von Anlagebetrügern europaweit im großen Stil, agierend mit immer gleicher Grundstruktur. Sowohl in Bulgarien, als auch in der Ukraine sowie in Berlin sollen die Cyberkriminellen im Zeitraum von 2018 bis April 2020 die Cybertrading-Plattformen unter den verschiedenen Domainnamen, wie Trade Capital, Fibonetix, Nobel Trade, Forbslab und Huludox, betrieben haben.

„Die Täter spiegeln den potenziellen Kunden vor, digitale Cybertrading-Plattformen für den Handel mit unterschiedlichsten Finanzinstrumenten (bis zu deren Untersagung vor allem binäre Optionen, nunmehr insbesondere CFDs, Forex, Kryptowährungen) zur Verfügung zu stellen.

Eine Investition bzw. eine Platzierung von Optionen sowie ein Vorhalten von Anlegergeldern zur Rückzahlung bzw. zur Gewinnausschüttung finden in Wahrheit nicht statt. Die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt. Die für den Kunden sichtbare Handelsplattform ist ebenso wie das angebliche Kundenkonto eine reine Täuschung. In einer Vielzahl von Fällen kommt es nach einzelnen missglückten angeblichen Trades infolge zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals.“

International organisiertes Cybertrading verursacht europaweit große Schäden mit hoher Dunkelziffer

huludox, Logo

Allein in Deutschland sollen mehrere tausend Anleger von dieser Masche betroffen sein. Zudem finden sich auch in anderen europäischen Ländern zahlreiche weitere Geschädigte. Die hier vorgespiegelten beträchtlichen Gewinne für Finanzprodukte oder dem Investieren in Kryptowährungen mündeten allerdings schließlich für tausende Anleger im Verlust von dutzenden Millionen Euro. Das Dunkelfeld wäre überdies beträchtlich.

Zahlreiche Anleger wissen um das hohe Verlustrisiko der gewählten Investmentart. Diese gehen dann infolge irrtümlich davon aus, dass bei ihnen eben gerade dieses Risiko eingetreten sei. Sie realisieren nicht, dass sie betrogen worden.  Ohne die Angabe weiterer Einzelheiten dauern die gemeinsamen Ermittlungen auch weiterhin an.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.