Copyright: Russland blockiert 3.400 Webseiten

Russland. Wegen der Verletzung von geistigem Eigentum bzw. von Urheberrechten wurden 3.400 Webseiten nach einer Entscheidung des Moskauer Stadtgerichts dauerhaft gesperrt. Die Anordnung wurde bei vKontakte durch Roskomnadsor kürzlich bekannt gegeben. Roskomnadsor ist die russische Aufsichtsbehörde für Massenmedien, Telekommunikation und Datenschutz.

Russland wird aktiv im Kampf gegen Online-Piraterie. Betroffen sind Webseiten für illegale Musikdienste, Streaming-Portale oder Torrent-Indexseiten. Diese Seiten wurden nach einer Entscheidung des Moskauer Stadtgerichts fortan in einem eigenen Register aufgeführt und werden somit dauerhaft gesperrt. Doch es geht nicht nur um Netzsperren.

Auch werden die russischen Suchmaschinenanbieter Yandex, Mail.ru, Rambler, Sputnik und Google dazu verpflichtet, die betroffenen Seiten von ihren Ergebnissen zu entfernen. Die Pflicht die rechtsverletzenden Seiten aus dem eigenen Verzeichnis zu löschen, basiert auf dem Bundesgesetz Nr. 149-FZ vom 27. Juli 2006. Darin wird der Umgang mit Daten, Informationstechnologien und dessen Schutz reguliert. Somit sind diese Seiten ab der Löschung quasi unsichtbar. Zwar gibt es dieses Gesetz schon seit 12 Jahren, in der Vergangenheit galt Russland aber als eine Art sicherer Hafen für Online-Piraten. Das ist spätestens seit einem Jahr vorbei.

Verboten wird auch der Zugang zu unzähligen Mirrors und anderen Klonen, die erschaffen wurden, um die bestehenden Netzsperren zu umgehen. Die Anzahl der Gerichtsentscheidungen nimmt zu. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 gab es dieses Jahr 36 Prozent mehr Gerichtsentscheidungen, die eine Netzsperre aufgrund von Urheberrechtsverletzungen betreffen. Man darf getrost davon ausgehen, dass diese Zahl in ähnlichen Dimensionen weiter steigen wird.

Die Reaktionen bei vkontakte, dem größten sozialen Netzwerks Russlands, fielen sehr unterschiedlich aus. Manche Bürger begrüßen die vielen neuen Sperranordnungen. Wieder andere Kommentatoren lehnen sie vehement ab. Es fehle an Einkommen und genügend Kinos, um auf legale Angebote zurückgreifen zu können. Manchmal wird sogar in diesem Zusammenhang von „Steuerverschwendung“ gesprochen.

 

Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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6 Kommentare

  1. Manuel Bonik sagt:

    Library Genesis scheint nicht betroffen zu sein. Aber die trägt ja auch zur Bildung der Jugend bei, und es wäre für Russland teuer, hier „legal“ zu werden.

  2. Tonawanda Pete sagt:

    Wenn die Russen dauerhaft wegfallen ham wir hier echt ein Problem. Die waren und sind noch für mich oft der letzte Ausweg betreffend Flac.

    • Toto sagt:

      Flac OSTs oder was? Hau mal nen Link raus

  3. OlloBollo sagt:

    Es wird immer enger hier. Kaum noch Luft zum Atmen.

  4. OlloBollo sagt:

    Es wird immer enger hier… Kaum noch Luft zum Atmen.

  1. 25. Juli 2018

    […] Moskauer Regierung hat es nun neben den Webseiten mit Online-Piraterie offenbar auch auf die Domains von VPN-Anbietern abgesehen. Den Kunden von Hidemy.Name (ehemals […]

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