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Russland erlaubt Software-Piraterie bei Werken aus Sanktionsländern

Copyright-Verletzungen spielen in Russland bald keine Rolle mehr. Zumindest dann, wenn die Filme oder Games vom politischen Gegner stammen.

Russland reagiert auf die scharfen Sanktionen der EU und der USA. Der Anfang März bekannt gewordene Plan mit den „Maßnahmen zur Sicherung der Entwicklung der russischen Wirtschaft unter den Bedingungen des externen Sanktionsdrucks“ beinhaltet auch eine Gesetzesänderung des russischen Urheberrechts.

Unter Punkt 6.7.3 geht es um die Aufhebung der Haftung für die Nutzung von Software, die in der Russischen Föderation nicht lizenziert ist und die aus einem Land stammt, welches die Sanktionen gegen Russland unterstützt. Soll heißen: Sofern die Werke vom politischen Gegner stammen, darf man damit ohne juristische Konsequenzen anstellen, was immer man möchte.

Spielehersteller schaden sich selbst

Nachdem sich EA, Sony & Co. aus Russland zurückgezogen haben, reagierte das Parlament in Moskau nun darauf. Kürzlich trat, wie im Plan angekündigt, ein neues Gesetz in Kraft, welches das Anfertigen von Kopien von Videospielen und Filmen aus „unfreundlichen“ Ländern gestattet. Gemeint sind die Nationen, die in den letzten Wochen die Sanktionen gegen Russland realisiert haben.

Die Gamer in Russland sind von der angespannten politischen Situation sowieso umfangreich betroffen, denn mehrere Spielerhersteller bzw. Publisher haben nicht nur aufgehört, ihre Games dort zu verkaufen. Sie haben den russischen Spielern zudem den Zugang zu ihren Online-Servern abgedreht. Dabei haben Spielehersteller wie zum Beispiel Electronic Arts (EA) in der Vergangenheit viel Geld in Russland verdient.

Laut dem neuen Gesetz existiert das Urheberrecht bei Filmen und Software aus dem Westen einfach nicht mehr. Man hofft, dies werde die sanktionsbedingten Unterbrechungen der Lieferketten sowie die Verknappung von Waren auf dem russischen Markt ausgleichen. Man wird sehen, ob dies tatsächlich gelingen wird.

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Mehr als 300 Webseiten in Russland gesperrt

Medienberichten zufolge nutzen immer mehr Menschen in Russland VPN-Anbieter, um die Netzsperren ihrer Regierung zu umgehen. Die Surfer und Gamer in Russland wollen weiterhin auf soziale Netzwerke und Multiplayer-Server zugreifen, sofern möglich. Russland hat im vergangenen Jahr mehrere VPNs verboten. Man hat es aber versäumt, sie alle zu sperren oder gesetzlich zu verbieten. Laut einer aktuellen Datenanalyse hat man derzeit neben Facebook und Instagram 203 (zumeist ausländische) Nachrichtenseiten nebst 97 Devisen- und Krypto-Handelsportalen gesperrt.

Tarnkappe.info


Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.