Bundestrojaner: Lahmer Gaul statt stolzer Rappe?

Article by · 25. September 2017 ·

Obwohl die vom Bundeskriminalamt (BKA) entwickelte Spionagesoftware vom Bundesinnenministerium bereits im Februar 2016 offiziell freigegeben wurde, kam der Bundestrojaner bisher noch in keinem einzigen Ermittlungsverfahren zum Einsatz, berichtet die Welt.

Demnach könnte der Trojaner in seiner aktuellen Version, Remote Control Interception Software (RCIS) 1.0, ausschließlich auf Computern mit Windows-Betriebssystem eingesetzt werden und wäre nur dazu in der Lage, das Internettelefonprogramm Skype zu überwachen. Weder auf Mobilgeräten, wie Smartphones, Laptops oder Tablets ist sein Einsatz bisher möglich. Zudem können auch keine anderen Kommunikationsprogramme, wie „WhatsApp“ oder der Messenger von Facebook, damit ausspioniert werden. Seine Anwendung ist daher nur sehr eingeschränkt möglich und für die Ermittler somit nahezu unbrauchbar, kaum ein Krimineller erfüllt offenbar alle diese „ganz speziellen Kommunikationsmerkmale“.

Dabei war die Entwicklung des Bundestrojaners sehr kostenintensiv: Allein für Personal- und Sachkosten habe man rund 5,8 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kämen weitere 190.000 Euro für eine externe TÜV-Prüfung. Dem Bericht zufolge bereitet das Bundeskriminalamt bereits eine neue Version vor, den Trojaner RCIS 2.0, der noch in diesem Jahr fertiggestellt sein solle. Damit wäre es dann auch möglich, Messengerdienste, wie WhatsApp, auf Smartphones und Tablets zu überwachen. Der kommerziell erworbene Finfisher-Trojaner kam ebenso bisher noch nicht zum Einsatz, das Programm wird derzeit noch vom TÜV untersucht.

Geplant ist, dass die neue Hacker-Behörde, die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis), künftig solche Aufgaben übernehmen soll, wie Verschlüsselungen zu knacken sowie Cyberwerkzeuge und Analyseprogramme für große Datenmengen zu entwickeln, um letztlich die Polizei und die Nachrichtendienste darin zu unterstützen, Chats von Terroristen und anderen Kriminellen über Messenger-Dienste, wie WhatsApp oder Telegram, zu überwachen. Doch aktuell kann die Behörde wegen akutem Personalmangel die kommenden Aufgaben kaum erfüllen und wäre somit auch noch nicht mit der Programmierung der Spähsoftware beauftragt worden. Von den bis zu 400 geplanten IT-Stellen, die es bei Zitis zu besetzen gilt, sind gerade mal 20 Mitarbeiter derzeit im Einsatz.

Der stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, fasst die Ereignisse sehr treffend zusammen: „Natürlich brauchen Sicherheitsbehörden heute moderne Instrumente, um ihren Aufgaben auch in der digitalen Welt effektiv nachkommen zu können.“ Allerdings würden derzeit: „Millionen von Euro für die Entwicklung von Software und deren Überprüfung versenkt, die, noch bevor sie zum Einsatz kommen, einer neuen Version bedürfen“.

Update: Entgegen der Behauptung, der Einsatz des Bundestrojaners sei: „Weder auf Mobilgeräten, wie Smartphones, Laptops oder Tablets“ bisher anwendbar, kann er auch auf Tablets, sofern auf diesen das Windows-Betriebssystem läuft, zum Einsatz kommen.

Bildquelle: OpenClipart-Vectors, thx! (CC0 Public Domain)

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3 Comments

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    Anno


    „[…]ausschließlich auf Computern mit Windows-Betriebssystem eingesetzt werden […]. Weder auf Mobilgeräten, wie Smartphones, Laptops oder Tablets ist sein Einsatz bisher möglich.“
    Also liebe tarnkappe Autoren, ein Laptop ist in meinen Augen kein Mobilgerät und wenn auf diesem Windows läuft, so kann dieser Trojaner auch auf Laptops laufen. Das ist nicht der Punkt meines Kommentars, sondern das es auf eurem „Nachrichtenportal“ an Seriösität und Qualität mangelt !

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      Antonia


      Danke für den berechtigten Einwand. Ich habe mich gerade selbst noch einmal erkundigt. Demnach ist richtig, dass auch ein Laptop angegriffen werden kann, sofern auf diesem das Windows-Betriebssystem läuft. Ich update meinen Beitrag entsprechend.

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    Karl Otto


    Ob das BKA in naher Zukunft dann doch im Darknet shoppen geht?


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