Boerse.bz: Uploader über die E-Mail Adresse ermittelt

boerse.bz razzia
Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke von WBS Law berichtet in einem aktuellen Blogeintrag vom Ablauf der BBZ-Durchsuchungen. Interessant ist insbesondere, aufgrund welcher Indizien die Personen verdächtigt wurden. Offenbar wurden tatsächlich einige Leute aufgrund ihrer E-Mail-Adresse identifiziert.


Der Kölner Medienkanzlei WBS liegen nun die ersten BBZ-Durchsuchungsbeschlüsse vor, die alle nahezu exakt gleich aussehen. Ein Beschuldigter hat selbst keine Dateien hochgeladen, sondern nur Postings bei Boerse.bz (BBZ) durchgeführt und damit den Download-Link bei einem Sharehoster bekannt gegeben. Wegen 64 Werken wurde seine Wohnung durchsucht. Christian Solmecke bezweifelt, ob das reine Posten (ohne Upload) schon eine Urheberrechtsverletzung darstellt.

Interessanterweise wird in den Durchsuchungsbeschlüssen nicht näher aufgeführt, welche Werke denn überhaupt von der Rechtsverletzung betroffen sind. „In einem Fall ist beispielsweise die Rede von 14 Filmen und 50 sonstige Dateien, die über einen Zeitraum von zwei Jahren verlinkt worden sein sollen. Uns ist nicht ersichtlich, wie sich daraus eine gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung herleiten lassen soll.“ Normalerweise müssen für einen Durchsuchungsbeschluss vom zuständigen Amtsgericht mindestens 3.000 Dateien angeboten werden. Hier wurde vom Richter eine ganz andere Mindestanforderung zugrunde gelegt.

BBZ-Uploader und -Poster anhand der E-Mail Adressen ermittelt

Wer bei Boerse.bz einen deutschen E-Mail-Anbieter angegeben und diesen im Verlauf der letzten Monate genutzt hat, wurde dadurch laut Solmecke überführt. „Anhand der Web-basierten E-Mail-Adressen konnte eine IP-Adresse herausgefunden werden, mit der ein Login beim E-Mail Provider passiert ist. Diese IP Adresse konnte dann zurückverfolgt werden. Interessant ist, dass alleine das Einloggen in ein E-Mail Dienst dem Gericht schon ausgereicht hat um einen weit davon entfernt Zusammenhang mit dem Upload von urheberrechtlich geschützten Material herzustellen.“ Unklar ist aber, ob diese Vorgehensweise wirklich in allen Fällen so angewendet wurde.

Alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war

Offenbar haben die Behörden diese Woche alles beschlagnahmt, was nicht niet- und nagelfest war. „Vom Computer der Oma über Handy Simkarten bis zu Online Banking PIN Nummern wurde alles beschlagnahmt. Teilweise wurden sogar die beruflich genutzten Computer der Beschuldigten mitgenommen, was deren berufliche Existenz bedrohen könnte. Auch nahmen die Ermittler SD-Karten mit, die sie in Spielekonsolen gefunden haben.“ Was sie damit anstellen wollen, ist allerdings unklar.

Die Kanzlei Wilde Beuge Solmecke will nun für ihre Mandanten die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse überprüfen. In einigen Fällen haben die Ermittler aber offenbar „über das Ziel hinaus geschossen“, weswegen „die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt wurde“. Ob die eingelegten Beschwerden gegen die Beschlagnahmungen etwas bringen werden, bleibt natürlich abzuwarten.

Bildquelle: Klaus Friese (CC BY-SA 2.0).

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

38 Kommentare

  1. Guest sagt:

    Aber wie sind die denn jetzt an die Mailadresse gekommen?

  2. STARFACE sagt:

    Viele haben hier scheinbar keine Ahnung ^^ Illegal ist nicht direkt der
    Upload ( auch wenn dies immer alle behaupten ), sondern das Verbreiten
    des Contents :) Hat auch mal ein Urteil gegeben was genau das besagt !
    Mit dieser Information ist es eben doch möglich über Web und ISP an die
    Daten zu kommen, denn so reichen die Beweise schon !

    „An einer entscheidenden Stelle hat sich der 5. Zivilsenat des Gerichts aber von einem früheren Urteil
    distanziert: Nicht das Hochladen von urheberrechtlich geschützten
    Werken an sich sei rechtswidrig, sondern das „öffentlich zugänglich
    machen“. Und dies geschehe erst dann, wenn „die jeweiligen
    Rapidshare-Links im Rahmen von Downloadlink-Sammlungen im Internet
    dritten Personen uneingeschränkt zur Verfügung gestellt worden sind“.“

  3. Gast1 sagt:

    Was ich nicht verstehe ist folgendes: Eine HD ist nur zulässig wenn ein Tatverdacht im „gewerblichen Ausmaß“ vorliegt. und als „gewerblicher Ausmaß“ gilt der 1. Upload aber nur dann wenn es in der „verkaufsrelevanten Phase“ stattfindet die unter eineinhalb jahren der VÖ liegt. Wenn jetzt jemand DJ Mixe angeboten hat und die quasi nie zu verkauf standen da diese nicht offiziel existieren dann ist doch der „gewerbliche Ausmaß“ garnicht gegeben. das Würde daraus schließen das der Auskunftsanspruch nach § 101 Abs. 9 UrhG garnicht zulässig war und alles andere unter einem Beweisverwertungsverbot liegen würde. sehe ich das richtig?

    • Psychotikus sagt:

      spielt das eine Rolle? Offenbar haben sie ja entsprechende Personen festgenommen. Oder meinst du man hat einfach ins Blaue gestürmt? Kann ich mir nicht vorstellen. Da werden ganz explizite Daten geflossen sein.

      Btw würde ich mich auch nicht immer auf Gesetzesgrundlagen oder son Quatsch stützen. Die Gerichte und Anwälte sind, wenn es drauf ankommt, nicht weniger korrupt als die Szene selbst. Solange es alles nach außen hin noch vertretbar ist.

      • Gast1 sagt:

        klar hat man ins blaue gestürmt. denn einfach die ips zu ermitteln, eine hd zu machen ohne die uploads zu recherchieren ist unzulässig. das meinte ich. wenn ich auf ner trompete ein solo spiele und das anbiete und meine ip nicht verschlüssele dann habe ich in erste linie „musik“ angeboten wo ich erstmal beweissen muss da ich der urheber bin. für die gvu war das aber dann grund genug den „uploader“ für das „musikstück“ heimzusuchen.

        • Psychotikus sagt:

          Glaub ich wie gesagt kaum. Denke die haben da iwo ihr schwarzes Schaf sitzen das genügend Infos weitergeleitet hat bis man genug hatte um die HD zu erwirken. Eine HD ohne Zulassung macht doch garkein Sinn. Damit machen sie sich selsbt kriminell aber mehr auch nicht. Und ob die gesammelten Beweise dann überhaupt was werd sind… ka

      • Ins Blaue gestürmt? – Kann schon sein. Dieselbe Kanzlei hat ja vor nicht allzu langem auch eine Hausdurchsuchung beim armen (und unschuldigen) Bernd Fleisig durchführen lassen.

  4. Psychotikus sagt:

    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz wie man jemanden über seine Emailadresse überführen kann. Mal angenommen man ist nicht ganz dumm und nutzt einen Anbieter bei dem man keine Daten angeben muss wie Posteo und dazu einen VPN. Wie soll man da irgendwas nachverfolgen können? Und was spielt das für eine Rolle aus welchem Land der Anbieter kommt`? Der VPN verschleiert das doch sowieso.

  5. Watchdog sagt:

    In der Szene ist es üblich, sich Mailaccounts zu teilen. Natürlich nur mit 2, 3 Leuten, aber Mailaccounts sind Zweckaccounts. Jetzt hat also die Polizei eine Liste mit Beiträgen bei der BBZ, die einer Mailadresse zugeordnet werden können. Und sie hat eine IP, die sich in der Mail eingeloggt hat.

    Versteh ich da was falsch, aber wie kann die Polizei sagen, dass der Inhabe dieser IP den Beitrag geschrieben? Kann jemand völlig anderes gewesen sein, der den Account mitbenutzt?

    • Fpuszy sagt:

      „Und so Euer Ehren kam das 13 jährige Mädchen in mein Hotelzimmer….“

      Das wird einen Richter bestimmt brennend interessieren, wer die beiden anderen waren, die den Account benutzt haben. Um dann den Beschuldigten wieder laufen zu lassen.,,,
      Aber eines muss man ja anerkennen: Anwalt Solmecke, der Anwalt, dem Uploader vertrauen.

Schreibe einen Kommentar