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Bildquelle: Glenn Carstens-Peters, Lizenz

Dodgy-Boxen: Anbieter illegaler Set-Top-Boxen erhalten Abmahnungen von Sky und Fact

Zehn irische Anbieter von „Dodgy-Boxen“ haben von Sky und der Organisation FACT Post erhalten. Sie sollen sofort ihre Tätigkeit einstellen.

Die Unterlassungserklärungen schickte man an mutmaßliche Verkäufer in den Grafschaften Carlow, Cork, Dublin, Galway, Kildare, Laois und Limerick. Die Verkäufer der Dodgy-Boxen identifizierte man im Zuge von Ermittlungen durch Sky und der Federation Against Copyright Theft (FACT). Man fordert sie auf, ihre Aktivitäten sofort einzustellen. „Andernfalls drohen weitere Maßnahmen, einschließlich zivilrechtlicher Verfahren oder der Weiterleitung an die nationalen Polizeibehörden“, droht man den Empfängern der Schreiben.

Wer oder was ist FACT eigentlich?

FACT ist übrigens keine Behörde, sondern ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Mehrere Hollywood-Filmstudios gründeten sie im Jahr 1983, um Urheberrechtsverletzungen und Piraterie im Vereinigten Königreich zu bekämpfen. Zu den heutigen Mitgliedern gehört das „Who is Who“ der Film- und Fernsehbranche. Dazu gehört Warner Bros. Discovery, The Walt Disney Company, NBCUniversal, Sony Pictures Entertainment, Paramount Pictures und andere Firmen. FACT arbeitet außerdem regelmäßig mit Polizeibehörden, Zollbehörden und anderen Strafverfolgungsstellen zusammen. Die Organisation bleibt aber rechtlich gesehen ein privates Unternehmen ohne hoheitliche Befugnisse.

Dodgy-Boxen

Auch Nutzer der Dodgy-Boxen verwarnt

FACT warnte zudem, dass Nutzer der von diesen Anbietern bereitgestellten Dodgy-Boxen sich bewusst sein sollten, dass ihre Daten ermittelt und an die Behörden weitergegeben werden können. Unter dem Begriff Dodgy-Boxen versteht man IPTV-Geräte inklusive illegaler Abonnements, die deutlich weniger kosten als reguläre Abos. Diese ermöglichen einen umfassenden Zugang zu Live-Sportereignissen, Fernsehsendern, Filmen und TV-Serien.

Tausende Kunden warten jetzt auf Abmahnungen

Offenbar haben die zehn Anbieter Tausende Kunden mit ihren Diensten und somit mit illegalen Streams versorgt. „Illegales Streaming beruht auf einer Kette von Personen, die nicht autorisierte Inhalte bewerben, verkaufen und zugänglich machen“, sagte Nick Sumner, Leiter der Ermittlungsabteilung gegenüber dem Belfast Telegraph. Diese jüngste Kampagne zeige, dass man weiterhin jeden Teil dieser Kette ins Visier nimmt. „Weiterverkäufer sind oft das direkte Bindeglied zwischen illegalen Streaming-Anbietern und der Öffentlichkeit. Sie verkaufen Abonnements vor Ort über persönliche Empfehlungen, soziale Medien und Messaging-Dienste und setzen ihre Kunden dabei unzuverlässigen Diensten sowie weiteren Risiken wie Betrug, Malware und dem Missbrauch persönlicher Daten aus.

FACT

Schadsoftware noch immer als Totschlagargument

Der Hinweis auf eine mögliche Verseuchung der eigenen Hardware mit Schadsoftware ist oftmals das einzige Argument der Rechteinhaber. Gerade in Ländern wie England und Irland sind die Kosten für legale Live-Sport-Abonnements derart hoch, dass viele Kunden stattdessen auf die preisgünstigen Alternativen aus dem Graubereich zurückgreifen.

Den betroffenen Personen gibt man die Möglichkeit, ihre illegalen Aktivitäten einzustellen, gab die Organisation FACT bekannt. Wer ihrer Aufforderung nicht nachkommt, solle sich aber keine Illusionen machen. Im nächsten Schritt würden den Nutzern der Set-Top-Boxen zivilrechtliche Schadenersatzansprüche von Sky & Co. nebst den strafrechtlichen Konsequenzen drohen.

Anfang dieses Jahres erwirkte Sky eine gerichtliche Anordnung des High Court, wonach man den Zahlungsanbieter Revolut dazu verpflichtet hat, die Daten von 304 Abonnenten und 10 Wiederverkäufern offenzulegen, die mit dem illegalen Streaming-Dienst „IPTV is Easy“ in Verbindung standen. Sky versandte daraufhin Unterlassungsaufforderungen an rund 200 Personen, die diese Abonnements nachweislich gebucht und mit ihrem Revolut-Konto bezahlt hatten.

cardsharing, iptv

Lieferkette der Inhaltspiraterie ausschalten

Erklärtes Ziel sei es, jedes Glied der Lieferkette der Inhaltspiraterie zu unterbrechen, sagte Matthew Hibbert, der Leiter der Antipiraterie-Abteilung bei Sky. Durch die Verfolgung der Nutzer und Anbieter der Dodgy-Boxen trage man zum Schutz der Kunden bei und fördere die langfristige Nachhaltigkeit der Kreativwirtschaft.

Herumdoktern an den Symptomen statt die Ursachen zu beheben

Illegales Streaming ist kein Verbrechen ohne Opfer – es kostet Arbeitsplätze, entzieht der irischen Kreativbranche Investitionsmittel und gefährdet die Zuschauer. Außerdem fließt dadurch Geld in die Hände von Kriminellen.

Doch statt der ständig wiederholten Warnung vor möglichem Identitätsdiebstahl, Malware und dem Verlust der Arbeitsplätze sollte die Branche besser über günstigere Tarife nachdenken. Wenn die Abos merklich günstiger wären, wären für die Kundschaft die Angebote aus dem Graubereich plötzlich sehr viel weniger attraktiv. Doch es bleibt zu befürchten, das wird wohl nicht passieren. Weder jetzt noch in absehbarer Zukunft.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.