Fernbedienung von einem Amazon TV Stick + Kabel
Der Briefträger verkaufte Apps und veränderte Amazon TV-Sticks für den illegalen Empfang.
Bildquelle: Manthan Gajjar, Lizenz

Briefträger betrieb millionenschweren IPTV-Dienst für Premier-League-Streams

Ein britischer Briefträger verdiente mit illegalen Premier-League-Streams ein Vermögen. Nun drohen ihm Haft und der Einzug des Vermögens.

Ein britischer Postbote soll über Jahre hinweg ein illegales IPTV-Geschäft betrieben und damit erhebliche Summen verdient haben. Nach Angaben der Ermittler bot der Mann zahlenden Kunden unerlaubten Zugang zu Live-Übertragungen der Premier League und weiterer kostenpflichtiger Sportinhalte an. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Über das Verfahren gegen den Briefträger berichtete kürzlich das Online-Portal WalesOnline.

Vom Briefträger zum erfolgreichen IPTV-Unternehmer

Während er tagsüber Briefe austrug, soll der Beschuldigte parallel eine umfangreiche Streaming-Infrastruktur aufgebaut haben. Über das Angebot konnten Kunden kostenpflichtige Sportübertragungen deutlich günstiger als bei offiziellen Anbietern empfangen. Im Fokus standen insbesondere Live-Übertragungen der Spiele der englischen Premier League. Die entsprechenden TV-Rechte gehören bekanntlich zu den teuersten im internationalen Vergleich.

Vor dem Crown Court in Swansea (Wales) wurde bekannt, dass der Tatverdächtige Michael Barrow sein betrügerisches Geschäft weiterführte, obwohl die Polizei bei ihm zu Hause war, ihm eine Unterlassungsaufforderung zugestellt hatte und ihn Facebook sperrte. Barrow stellte seinen Kunden Apps und modifizierte Amazon Fire TV Sticks für den illegalen Empfang der Streams zur Verfügung.

Die Ermittlungen wurden durch Beschwerden von Rechteinhabern und deren Anti-Piraterie-Partner angestoßen. In Großbritannien gehen die Premier League, Sky UK und die Federation Against Copyright Theft (FACT) seit Jahren verstärkt gegen Betreiber von IPTV-Diensten vor.

Briefträger
Vom Briefträger zum Millionär?

Behörden beschlagnahmen Vermögenswerte

Neben der strafrechtlichen Verfolgung steht offenbar auch die Abschöpfung mutmaßlich illegal erzielter Gewinne im Raum. Britische Gerichte setzen zunehmend auf Vermögenseinziehungen, um IPTV-Betreibern die finanziellen Erträge ihrer Geschäfte zu nehmen. In vergleichbaren Verfahren mussten Verantwortliche bereits Millionenbeträge zurückzahlen oder ihnen drohten sogar zusätzliche Haftstrafen.

Premier League

Premier League verschärft den Druck

Die oberste englische Fußballliga verfolgt seit Jahren eine aggressive Anti-Piraterie-Strategie. Neben Auskunftsanfragen an IT-Dienstleister, Netzsperren und Gerichtsverfahren versucht man zunehmend auch die Betreiber hinter den Streaming-Portalen zu identifizieren. Neben Domain-Registraren sollen auch CDN-Anbieter und Cloud-Dienste den Namen ihrer Kunden preisgeben. Zudem kooperiert man auf internationaler Basis mit verschiedenen Strafermittlungsbehörden.

Immer wieder warnen Rechteinhaber und Ermittler zudem vor Malware, Identitätsdiebstahl und weiteren Risiken beim Einsatz illegaler IPTV-Angebote. Konkrete technische Nachweise für solche Gefahren im jeweiligen Einzelfall bleiben allerdings häufig aus. Die Warnungen gehören mittlerweile zum festen Bestandteil nahezu jeder Anti-Piraterie-Kampagne. Das ist natürlich sehr viel preisgünstiger, als die Preise für die legalen Abonnements zu reduzieren.

IPTV bleibt ein Milliardenmarkt

Trotz zahlreicher Razzien und Verurteilungen boomt der Markt für illegale Streaming-Angebote weiterhin. Ermittler gehen davon aus, dass professionelle IPTV-Netzwerke weltweit Millionen Nutzer versorgen und dabei erhebliche Umsätze erzielen. Entsprechend intensivieren Rechteinhaber und Strafverfolger ihre Bemühungen, Betreiber, Wiederverkäufer und technische Dienstleister gleichermaßen unter Druck zu setzen. Länder wie England und Frankreich ziehen Topspieler wie Trainer an, weil sie dort sehr viel Geld verdienen können. Viel mehr als ihnen die Vereine beispielsweise in Deutschland anbieten können.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.