Symbolbild: Fire TV Stick und Fernbedienung vor einer Fußballübertragung, daneben Handschellen und Richterhammer als Sinnbild für die Verurteilung eines IPTV-Anbieters.
Das Swansea Crown Court verurteilte den Betreiber des IPTV-Dienstes „MB Streams“ zu 38 Monaten Haft.
Bildquelle: ChatGPT

Fire TV Sticks: 200.000 Pfund mit IPTV verdient – Postbote muss ins Gefängnis

Mit Fire TV Sticks und IPTV verdiente ein britischer Postbote über 200.000 Pfund. Trotz Warnungen machte er weiter, nun folgt die Haftstrafe

Mit manipulierten Fire TV Sticks und illegalen IPTV-Abonnements verdiente ein britischer Postbote mehr als 200.000 Pfund. Trotz eines Besuchs der Polizei und einer Unterlassungsaufforderung betrieb Michael Barrow seinen Dienst „MB Streams“ weiter. Nun muss er für über drei Jahre hinter Gitter. Der Fall zeigt, wie hart die Premier League gegen Anbieter illegaler Streams vorgeht.

Wie die BBC Wales über das Verfahren vor dem Swansea Crown Court berichtete, betrieb der britische Postbote Michael Barrow über vier Jahre hinweg den IPTV-Dienst „MB Streams“ und versorgte damit rund 1.800 Kunden mit illegalen Sportübertragungen. Für dieses Geschäft muss der zweifache Familienvater nun 38 Monate ins Gefängnis.

Vom Postboten zum IPTV-Unternehmer mit Fire TV Sticks

Michael Barrow aus Milford Haven arbeitete tagsüber für den britischen Postdienst, während er parallel den IPTV-Dienst „MB Streams“ aufbaute. Mithilfe modifizierter Fire TV Sticks und entsprechender IPTV-Zugänge ermöglichte er seinen Kunden den unrechtmäßigen Zugriff auf Inhalte von Sky Sports, TNT Sports und BT Sport. Für rund 120 Pfund (ca. 138 Euro) pro Jahr erhielten die Abonnenten darüber hinaus Zugang zu weiteren Fernsehprogrammen, internationalen Live-Events, großen Boxkämpfen sowie einer Mediathek mit mehr als 18.000 Filmen.

Zu seinem Geschäftsmodell gehörten sowohl IPTV-Abonnements als auch modifizierte Amazon-Streaming-Geräte, die bereits mit entsprechender Software ausgestattet waren. Laut Gericht verfügte Barrow über rund 1.800 Kunden und bot seine Dienste zu Preisen an, die weit unter den Kosten offizieller Abonnements lagen.

Fire TV Stick und Fernbedienung vor einem Fernseher als Symbolbild für IPTV-Streaming und Sportübertragungen.
Über modifizierte Fire TV Sticks und IPTV-Zugänge versorgte Michael Barrow rund 1.800 Kunden mit illegalen Streams.

Laut den Ermittlungen flossen über PayPal und Bankkonten insgesamt mehr als 200.000 Pfund (umgerechnet rund 230.600 Euro) aus dem Geschäft. Der potenzielle Schaden für die betroffenen Rechteinhaber soll dagegen in die Millionen gegangen sein. Allein die möglichen Verluste von Sky Sports, TNT Sports und BT Sport bezifferte die Anklage auf rund sechs Millionen Pfund.

Warnungen ignoriert: IPTV-Anbieter baute Geschäft weiter aus

Zunächst bewarb Barrow seinen Dienst „MB Streams“ offen über Facebook. Dort gewann er neue Kunden für seine IPTV-Abonnements und den Verkauf vorkonfigurierter Fire TV Sticks. Nachdem er jedoch eine Unterlassungsaufforderung erhalten hatte und Facebook sein Konto wegen Verstößen gegen Urheberrechte sperrte, änderte er seine Strategie.

Neukunden wurden fortan nur noch auf Empfehlung bestehender Nutzer aufgenommen. Vor Gericht hieß es, Barrow habe auf die Verwendung vollständiger Namen bestanden, um zu verhindern, dass sein Geschäft von sogenannten „Sky-Agenten“ unterwandert werde. Die Kommunikation verlagerte sich zunehmend auf den Messenger-Dienst Telegram. Zudem sollten Kunden Online-Zahlungen als Käufe von Retro-Fußballtrikots deklarieren, um den tatsächlichen Zweck der Überweisungen zu verschleiern.

Die Zahlungen erfolgten überwiegend über PayPal oder direkt auf das Bankkonto des Angeklagten. Laut Staatsanwaltschaft ergab eine Finanzuntersuchung, dass Barrow mehr als 170.000 Pfund über PayPal erhalten hatte. Davon sollen rund 167.000 Pfund unmittelbar aus seinem illegalen Streaming-Geschäft gestammt haben. Hinzu kamen weitere etwa 45.000 Pfund, die Ermittler ebenfalls seinem IPTV-Betrieb zurechneten.

Besonders schwer wog vor Gericht, dass Barrow sein Geschäft trotz mehrfacher Warnungen fortführte. Bereits 2021 waren die Aktivitäten des IPTV-Anbieters nach Hinweisen an die Wohltätigkeitsorganisation CrimeStoppers ins Visier der Polizei von Südwales geraten. Ermittler suchten daraufhin sein Haus in Pembrokeshire auf und machten ihn auf die Strafbarkeit seines Geschäftsmodells aufmerksam. Weder der Besuch der Polizei noch die Unterlassungsaufforderung konnten ihn davon abhalten, seinen IPTV-Dienst weiterzubetreiben.

Statt den Betrieb einzustellen, professionalisierte Barrow sein Geschäftsmodell sogar noch weiter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verfügte er über umfangreiche technische Kenntnisse und unterstützte seine Kunden dabei, Sperrmaßnahmen von Rechteinhabern und Sendern zu umgehen. Als Ermittler später erneut sein Grundstück aufsuchten, entdeckten sie dort sogar eine eigens eingerichtete Fußball-Bar. Potenzielle Kunden konnten sich die illegalen Live-Übertragungen dort vorführen lassen, bevor sie ein Abonnement abschlossen.

Gericht spricht von „hochentwickeltem Betrug“

Vor dem Swansea Crown Court bekannte sich Barrow in drei Fällen schuldig. Die Vorwürfe betrafen das Bereitstellen und den Vertrieb von Hilfsmitteln zur Begehung von Betrug nach dem britischen Fraud Act 2006. Über mehr als vier Jahre versorgte Barrow seine Kunden mit Apps, IPTV-Abonnements und modifizierten Fire TV Sticks.

Richter Paul Thomas bezeichnete das Vorgehen als „groß angelegten, hochentwickelten und langjährigen kommerziellen Betrug“. Obwohl Barrow während der gesamten Zeit über ein regelmäßiges Einkommen bei der britischen Post verfügte, sei seine Motivation letztlich „pure Gier“ gewesen. Belastend wertete das Gericht zudem, dass der Angeklagte sämtliche Warnungen ignoriert und sein Geschäft bewusst fortgeführt habe.

Das Gericht verurteilte den zweifachen Familienvater zu drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe. Nach britischem Recht wird Barrow voraussichtlich rund 40 Prozent der Strafe in Haft verbringen, bevor er unter Auflagen entlassen werden kann.

Premier League nutzt Urteil für neue Anti-Piraterie-Offensive

Wenige Wochen nach der Verurteilung nutzten die Premier League und die Anti-Piraterie-Organisation FACT den Fall für erneute Warnungen vor illegalem Streaming. Beide Organisationen betonten, dass entsprechende Angebote häufig mit Malware, Betrug, Identitätsdiebstahl und weiterer Cyberkriminalität in Verbindung stünden.

Zahlreiche britische Medien griffen diese Aussagen auf und kombinierten die Berichterstattung über die Haftstrafe mit erneuten Warnungen vor sogenannten „Dodgy Fire Sticks“. Zwar haben Sicherheitsforscher wiederholt Schadsoftware in gefälschten IPTV-Apps und auf manipulierten Android-TV-Geräten entdeckt. Die daraus abgeleitete pauschale Gleichsetzung von Fire TV Sticks, IPTV-Diensten und Malware greift jedoch zu kurz. Ob und welche konkreten Risiken von einem einzelnen Angebot ausgehen, hängt letztlich vom jeweiligen Anbieter und der eingesetzten Software ab.

Der Fall verdeutlicht, wie eng Strafverfolgung und Anti-Piraterie-Kampagnen miteinander verknüpft sind. Während Rechteinhaber die Verurteilung als Abschreckung nutzen, bleibt der Markt für illegale IPTV-Angebote trotz zahlreicher Verfahren, Netzsperren und Haftstrafen weiterhin bemerkenswert widerstandsfähig.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.