IPTV-Infrastruktur, PIPCU
Der Serverraum der abgeschalteten IPTV-Infrastruktur. Foto: PIPCU, thx!
Bildquelle: pipcu

IPTV-Infrastruktur im Wert von 1,2 Mio. Britischen Pfund beschlagnahmt

Die PIPCU hob eine IPTV-Infrastruktur aus. Die englische Polizeieinheit stellte Server im Wert von 1,2 Millionen Britischen Pfund sicher.

Die britische Polizei und der Pay-TV-Anbieter Sky haben eine mutmaßliche IPTV-Infrastruktur ausgehoben. Dabei wurden Server und weitere Technik im Wert von mehr als 1,2 Millionen Pfund beschlagnahmt. Während die Ermittler den Einsatz als Erfolg gegen organisierte Kriminalität feiern, wiederholen sie zugleich die bekannten Warnungen vor Malware und dem Diebstahl von Bankdaten. Nachweise dafür, dass die betroffenen Dienste ihre Kunden tatsächlich auf diese Weise gefährdet haben, legten die Behörden bislang (wie üblich) nicht vor.

Serverfarm im Rechenzentrum abgeschaltet

Die Aktion führte die Police Intellectual Property Crime Unit (PIPCU) der City of London Police durch. Laut der Behörde befanden sich in dem Rechenzentrum zahlreiche Hochleistungsserver, die für die Verteilung illegaler IPTV-Streams eingesetzt wurden. Über die Beschlagnahmung in Farnborough, Hampshire, berichtete die BBC.

Im Rahmen des Einsatzes nahmen die Beamten zwei Verdächtige fest. Einer der Beschuldigten soll Vermögenswerte in Höhe von rund 700.000 Pfund Sterling besessen haben, die man ebenfalls sichergestellt hat. Beide Personen wurden inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt, die Ermittlungen dauern jedoch noch an.

Sky UK unterstützte die Ermittlungen der IPTV-Infrastruktur

Der Medienkonzern Sky UK arbeitete nach eigenen Angaben eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um die technische Infrastruktur zu identifizieren und stillzulegen. Die beschlagnahmten Systeme sollen nun einer forensischen Untersuchung unterzogen werden.

Matt Hibbert, Leiter der Anti-Piraterie-Abteilung von Sky, bezeichnete illegales Streaming als Teil organisierter Kriminalität. Solche Angebote würden nicht nur Rechteinhaber schädigen, sondern auch Risiken für Verbraucher mit sich bringen.

Behörden warnen vor Datendiebstahl

Wie bei vergleichbaren Verfahren nutzten die Ermittler die Gelegenheit, um vor den Gefahren illegaler Streaming-Angebote zu warnen. Nach Angaben der PIPCU könnten Nutzer solcher Dienste Opfer von Datendiebstahl werden. Kriminelle hätten unter Anwendung von Malware womöglich Zugriff auf persönliche Informationen oder sogar auf Bankdaten oder die Kreditkarte erlangen können.

Ob diese Risiken tatsächlich in jedem Fall bestehen, darf ernsthaft bezweifelt werden. Strafverfolger und Rechteinhaber führen entsprechende Warnungen regelmäßig an, wenn sie gegen IPTV-Anbieter vorgehen. Abgesehen von möglichen Schadenersatzzahlungen und strafrechtlichen Folgen ist dies seit jeher ihr einziges Argument, wenn es um die illegale Konkurrenz geht.

IPTV-Piraterie bleibt Schwerpunkt der Ermittler

Die aktuelle Beschlagnahmung zeigt erneut, dass die britischen Behörden den Kampf gegen IPTV-Piraterie weiter intensivieren. Während früher vor allem Wiederverkäufer und Endkunden im Fokus standen, geraten momentan zunehmend die Betreiber technischer Infrastrukturen ins Visier.

Für die Ermittler dürfte insbesondere die Auswertung der beschlagnahmten Server interessant sein. Diese könnte Hinweise auf weitere Beteiligte, Vertriebskanäle oder angeschlossene Reseller liefern. Ob auf die Kunden des illegalen Online-Dienstes künftig unangenehme Post zukommen wird, muss man zum jetzigen Zeitpunkt abwarten.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.