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Bildquelle: 1vpns.org

1VPNS: VPN-Dienst für Kriminelle hochgenommen

1VPNS, auch bekannt als first VPN Service, zeigt nach 12 Jahren nur noch das Beschlagnahmungsbanner mehrerer Strafermittlungsbehörden.

Kurz notiert: Der Online-Dienst 1VPNS trat als anonymer VPN-Dienst mit Servern in vielen Ländern auf. Man bewarb ausdrücklich „No Logs“, Mehrfach-VPNs („Double“, „Triple“, „Quad VPN“) sowie den Zugang über das Tor-Netzwerk. Auch die Bezahlung mit Kryptowährungen war dort ohne KYC-System (Überprüfung der Kundenidentität) möglich. Der Online-Dienst richtete sich erkennbar stark an russischsprachige Nutzer; große Teile der Infrastruktur und Kommunikation liefen auf Russisch.

Operation Saffron mit Unterstützung von 27 Behörden

Es existiert aktuell nur noch eine Beschlagnahmeseite unter 1vpns.org. Dort werden nur noch die Angaben diverser Strafermittlungsbehörden der Operation Saffron angezeigt. Die Behörden gaben bekannt, die Infrastruktur sei durch internationale Strafverfolger übernommen worden. So unter anderem durch Europol, Eurojust, NCA UK und weitere Behörden aus Frankreich, der Niederlande, Schweiz, Luxemburg, Rumänien, Schweden, Spanien und der Ukraine. Insgesamt sind 27 verschiedene Behörden an der Aktion beteiligt. 33 Server, die der Dienst nutzte, hat man im Rahmen der Operation beschlagnahmt und heruntergefahren. Ob es auch zu Verhaftungen von Tatverdächtigen kam, ist bis dato nicht bekannt.

1VPNS nach 12 Jahren Aktivität down

Der Sized-Banner besagt, dass man die technische Infrastruktur mit kriminellen Aktivitäten bzw. Cybercrime-Netzwerken in Verbindung bringen konnte. Ein offizielles ausführliches Presse-Statement steht aber noch aus. Sicherheitsberichte erwähnen 1VPNS bzw. ähnliche „bulletproof“ VPN-Strukturen im Zusammenhang mit Initial-Access-Brokern (Verkäufer von gehackten Zugangsdaten) und Personen aus dem Ransomware-Ökosystem.

1VPNS unterstützte Protokolle wie WireGuard, OpenVPN, VLESS/Reality und Shadowsocks. Seit 2014 war die Website aktiv und warb für eine Nutzung ohne Prüfung der Identität der Kunden. Die Betreiber bewarben auch die Nutzung von Onion-Adressen des Tor-Netzwerks. Das Marketing bezeichneten Dritte als stark anonymitätsorientiert. Doch damit ist es jetzt vorbei.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.