Nach Beweisvernichtung belegt High Court „IPTV is Easy“-Betreiber mit 30.000-€-Strafe. Der Richter warnt: Beim nächsten Mal droht Haft.
Der Rechtsfall „IPTV is Easy“ zeigt auf, wie dünn das Eis ist, auf dem sich europäische Piraterie-Reseller bewegen. Eingeleitete Maßnahmen führten hier zu einer Anton-Piller-Order (gerichtliche Anordnung zur Sicherung von Beweisen), einer Mareva-Injunction (gerichtliche Anordnung zur Einfrierung von Vermögenswerten), einem unangekündigten Hausbesuch und zu einem Betreiber, der partout nicht kooperieren wollte. Statt den unabhängigen Anwalt hereinzulassen, ließ David Dunbar, ein Mann aus Wexford, Irland, seine Tür lieber verschlossen. Er formatierte Datenträger, löschte Telegram-Kanäle, verschob Vermögenswerte und schaltete schließlich den Dienst ab. Am Ende bescheinigte ihm das irische High Court „ernste, vorsätzliche, willentliche“ Missachtung und verhängte eine Geldstrafe, mit ausdrücklicher Warnung, dass andere in ähnlicher Lage künftig auch mit einer Haftstrafe rechnen könnten.
Wie alles begann: Ein Tipp, der die Lawine lostrat
Der Stein kam durch einen simplen Hinweis ins Rollen. Laut High-Court-Urteil wurde Sky durch Information der Federation Against Copyright Theft (FACT) auf den Betrieb aufmerksam. Bei TorrentFreak heißt es ergänzend, dass Skys Ermittlungen im November 2024 Fahrt aufnahmen, nachdem Social-Media-Accounts mit dem Verkauf sogenannter „Dodgy Boxes“ aufgefallen waren. Mit Hilfe des FACT-Hinweises konnten die Ermittler die Spuren schließlich Dunbar zuordnen.
Von da an ging es schnell. Am 16. Mai 2025 sicherte sich Sky mit einer Anton-Piller-Anordnung den Zugriff zur Beweissicherung sowie mittels Mareva-Einstweiliger Verfügung das Einfrieren von Vermögenswerten. Als Skys Team am 21. Mai vor Dunbars Tür stand, blieb der Zugang verwehrt. Ein unabhängiger Anwalt erklärte ihm, allerdings vergeblich, die rechtliche Lage in Laiensprache.
Der Kontrollverlust in Echtzeit: Gelöschte Spuren und abgeschalteter Dienst
Was danach passierte, ist aktenkundig. Dunbar löschte alle Daten auf seinem Rechner, entfernte die Telegram-Konten für Kunden- und Reseller-Support und leitete Geld von Revolut und Binance weiter. Gleichzeitig verschwand der Support-Kanal. Sky hatte dort zuvor 543 Mitglieder gezählt. Auch die „IPTV is Easy“-App funktionierte nicht mehr. Aus Sicht des Gerichts war das nicht nur die Missachtung einzelner Punkte, sondern ein koordinierter Versuch, Beweise zu vernichten und Vermögenswerte zu entziehen.
Das „IPTV is Easy“-Geschäftsmodell: Reseller-Netz, Upstream-Anbieter, Fire-Sticks
Dunbar trat als Wiederverkäufer auf. Er verkaufte Abos direkt an Endkunden und setzte zudem Unter-Reseller ein, die am Gewinn beteiligt wurden. MBM (My Boom Media) fungierte als Upstream-Lieferant von Dunbar. Laut Gerichtsunterlagen beliefert MBM „300+ Reseller“ als klassischer „Piracy-as-a-Service“-Anbieter. Dunbar gab seinen Kunden zudem Anweisungen, wie sie die Piraten-App auf Amazon Fire Sticks installieren und nutzen. In der irischen Berichterstattung werden solche Streaming-Geräte häufig pauschal als „Dodgy Boxes“ bezeichnet. Die Distribution und der Support liefen flankierend über Telegram-Gruppen.
My Boom Media (MBM) sei allerdings nach einer Kontaktaufnahme von Dunbar per Discord wegen der Sky-Ermittlungen sofort auf Distanz zu ihm gegangen. Der Zugang zum Panel und zum Dienst ist direkt gekappt worden.
Geldflüsse, Wetten und offene Fragen
Finanziell türmen sich für Dunbar mit ca. 480.000 € Schadensersatz plus voraussichtlich rund sechsstelligen Kosten in der Zivilklage für Urheberrechtsverletzungen erhebliche Summen auf. Zusätzlich dokumentiert die Presseberichterstattung die Ermittlungen zu Dunbars Wettkonten. Allein auf Bet365 setzte er zwischen August 2022 und Mai 2025 über 1,11 Mio. €, die Erträge lagen bei rund 1,14 Mio. €. Für den High Court verstärkte das die Zweifel, ob Dunbar seine Einkünfte vollständig offengelegt hat. Dem Gericht teilte er mit, er habe mit dem illegalen Geschäft zwischen 2018 und 2024 einen Gewinn von etwa 480.000 Euro erzielt.
Das „IPTV is Easy“-Urteil: 30.000 € Strafe – und eine scharfe Ansage
Richter Mark Sanfey stellte fest, dass die Schwelle zur „punitive sanction“ überschritten sei. Die wiederholte Zutrittsverweigerung, die Vernichtung von Beweisen, die Verlagerung von Vermögenswerten, all das sei eine grobe Beleidigung der Gerichtsintegrität. Dennoch entschied das Gericht, statt Haft eine Geldstrafe von 30.000 € zu verhängen, fällig bis 31. Oktober 2025. Ausschlaggebend dafür war u. a., dass Dunbar den Schadensersatz über 480.000 € anerkannt hat und bereits insgesamt stark belastet ist. Der Richter machte jedoch zugleich unmissverständlich klar, dass dies kein Präzedenzfall für Milde sei. Wer künftig ähnliche Anordnungen missachtet, sollte nicht damit rechnen, mit einer Geldstrafe davonzukommen. Dunbar sei „sehr nahe“ am Gefängnis vorbeigeschrammt.

Für Reseller und Panel-Betreiber ist das Urteil mehr als nur ein Schlag aufs Portemonnaie. Die Kombination aus Anton-Piller-Order und Mareva-Injunction erlaubt es Rechteinhabern, binnen Stunden Beweise zu sichern und Geldflüsse trocken zu legen. Wer in diesem Moment löscht, sperrt, verschiebt oder mauert, riskiert obendrein wegen Missachtung des Gerichts belangt zu werden und damit Geldstrafe plus potenzielle Haft. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie anfällig die Strukturen sind. Ein einziger Hinweis genügte, damit Ermittler ganze Kettenreaktionen auslösen. Für die Szene bedeutet das, die Party geht weiter, nur spielt die Musik dann möglicherweise vor Gericht.
Fazit: Was jetzt auf Reseller & Nutzer zukommt
„IPTV is Easy“ ist zwar Geschichte, aber zugleich lassen sich aus dem Rechtsfall Schlüsse ziehen. Bereits ein Tipp genügte, die juristische Maschine sprang an und zügig verschwanden auch die Beweise. Am Ende stand der Kassensturz mit über 500.000 € zivilrechtliche Belastung und 30.000 € Strafe wegen Missachtung des Gerichts. Der High Court hat damit die Tür gerade noch einen Spalt offengelassen. Nicht für Milde, sondern für Aussicht auf Haft, wenn jemand ähnlichen Anordnungen zuwiderhandelt. Für Reseller wird damit die Luft dünn. Für Rechteinhaber hingegen ist der Fahrplan klar. Und für alle, die glauben, ein Fire-Stick und ein Telegram-Channel seien eine sichere Burg, zeigt dieser Fall, wie schnell der Bildschirm tatsächlich schwarz werden kann.