OnionHop für Linux, macOS und Windows ist ein Routing-Manager, der die Daten einzelner oder aller Programme über das Tor-Netzwerk leitet.
OnionHop ist ein kostenloser Open Source Client mit Fokus auf Privatsphäre, der deinen Datenverkehr durch das Tor-Netzwerk leitet. Es gibt das Programm für Linux, macOS und Windows. Zum Thema Anonymität im Netz gibt es mittlerweile viel mehr als nur den Tor Browser.
OnionHop – alles eine Frage der Einstellungen
Bei diesem Programm kann man den Netzwerkverkehr einzelner Anwendungen oder auch des gesamten Systems durch das Anonymisierungsnetzwerk leiten. Das ist nicht uninteressant, denn einige Programme unterstützen zwar SOCKS5-Proxys, viele andere jedoch nicht. OnionHop bietet deshalb verschiedene Betriebsmodi an. Wer lediglich ausgewählte Anwendungen anonymisieren möchte, kann den integrierten Proxy verwenden.
Wem das nicht reicht, kann mit dem virtuellen Netzwerkadapter nahezu den kompletten Datenverkehr des Computers durch das Tor-Netzwerk umleiten. Das anonymisiert den Datenstrom der Programme, die von Haus aus über keine Proxy-Unterstützung verfügen. Doch wie wir weiter unten erläutern, ist die Weiterleitung der Daten leider nie zu 100% komplett.
Wer die Idee gut findet, kann den Programmierer übrigens bei Ko-fi mit einer kleinen Spende unterstützen. Dahinter steht nach eigenen Angaben der Leipziger Entwickler Robert Rudolph.
Split-Tunneling
Ein weiteres Merkmal des Tools ist das sogenannte Split Tunneling. Dabei entscheidet der Nutzer selbst, welche Anwendungen Tor verwenden und welche weiterhin direkt mit dem Internet kommunizieren. Das spart Bandbreite und verhindert unnötige Geschwindigkeitseinbußen bei Programmen, bei denen es schnell gehen soll und bei denen Anonymität eine untergeordnete Rolle spielt.
Tor Bridges
Darüber hinaus unterstützt OnionHop sogenannte Tor Bridges. Diese speziellen Einstiegsknoten helfen dabei, Tor auch in Netzwerken zu nutzen, in denen der Zugang zum Tor-Netzwerk blockiert oder eingeschränkt wird. Eine Smart-Connect-Funktion soll zudem automatisch die passende Verbindungsmethode auswählen und den Verbindungsaufbau vereinfachen.
Wie bei allen Tor-basierten Lösungen gilt allerdings auch hier: Die höhere Anonymität hat ihren Preis. Aufgrund der gleich mehrfachen Weiterleitung der Daten über mehrere Stellen ist die Übertragungsgeschwindigkeit spürbar langsamer. Beim Streaming, Online-Games oder großen Downloads eignet sich OnionHop daher nicht.
OnionHop ist kein Browser!
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zum Tor Browser. Während OnionHop den Netzwerkverkehr anonymisiert, bringt der Tor Browser zusätzliche Schutzmechanismen gegen Browser-Fingerprinting, Tracking und andere Techniken zur Wiedererkennung von Nutzern mit. Wer anonym im Web surfen möchte, sollte deshalb ruhig weiterhin den Tor Browser nutzen. OnionHop ergänzt vielmehr die Funktionen des Tor Browsers. Es ging nie darum, ihn zu ersetzen.
Quellcodes sind alle frei verfügbar
Da das Projekt unter einer freien Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurde, kann man alle Quellcodes bei GitHub einsehen. Gerade in einem sicherheitsrelevanten Bereich wie der Anonymisierung sorgt dies mittelfristig für Vertrauen. Warum nur mittelfristig? Bislang sind nämlich noch keine unabhängigen Sicherheits-Audits öffentlich verfügbar.
Abgrenzung zu einem VPN-Dienst
Doch das kostenlose Tool ersetzt keinen VPN-Dienst und wäre als alleine Sicherheitsstrategie auch nicht ausreichend. Trotzdem gibt es Features wie einen integrierten Schutz vor DNS-Lecks und einen Kill Switch, die an ein VPN* erinnern. Über den Menüpunkt „Neue Identität“ kann man sich mit einem Mausklick neu mit dem Netzwerk verbinden und erhält bei Tor eine andere Identität. Beim sogenannten TUN-/VPN-Modus geht nach der Aktivierung der Datenverkehr jeder App systemweit durch Tor.
Fazit: OnionHop kann keine vollständige Blockade gewährleisten
OnionHop ist wirklich eine interessante Softwareentwicklung. Das Programm gibt es mit graphischer Benutzeroberfläche als auch für die Shell. So manche Optionen erfordern aber ein gewisses Wissen nebst technischem Grundverständnis, über das Einsteiger nicht unbedingt verfügen. Von daher ist das Tool, egal ob mit oder ohne GUI, für Anfänger nur bedingt empfehlenswert.
Immerhin kann man über die Einstellungen auch deutschsprachige Menüs aktivieren. Leider haben die Entwickler dabei nicht jeden Punkt in die deutsche Sprache übersetzt. Nur mal eben, wie beim VPN, die Software aktivieren und dann zu glauben, man wäre in allen Fällen anonym, das funktioniert bei diesem Programm nicht.
Im TUN- bzw. VPN-Modus erstellt OnionHop zwar einen virtuellen Netzwerkadapter und versucht, den gesamten Datenverkehr über Tor umzuleiten. Doch egal was man einstellt, Windows kann weiterhin mittels DHCP, ARP, mDNS, NetBIOS usw. direkt mit den Servern von Microsoft kommunizieren. Das gilt auch für Kernel-Treiber und die bereits installierte Sicherheitssoftware. Eine hundertprozentige Abschottung kann einem niemand gewährleisten! Gleiches gilt übrigens auch bei macOS, wenn auch teilweise mit einer anderen Begründung.
Wer sich das Tool trotzdem einmal genauer anschauen möchte, kann die Software kostenlos von hier für Linux, macOS und Windows herunterladen.
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