Schild, Überwachung
Schild, Überwachung
Bildquelle: Rob Martin, Lizenz

Was kann der Internetanbieter von uns sehen?

Viele fragen sich, was die Internetanbieter eigentlich anhand ihrer Datensammlung erkennen können. Wir klären euch auf.

So manch einer fragt sich, was die Internetanbieter eigentlich konkret von unseren Online-Aktivitäten erkennen können. Das ist insbesondere spannend, weil es momentan mehrere Vorschläge gibt, die Vorratsdatenspeicherung wieder verpflichtend für drei oder sogar für sechs Monate einzuführen.

Daten der Internetanbieter nur begrenzt aussagekräftig

Manche gehen davon aus, dass ihr Internetanbieter quasi jeden Mausklick im WWW nachvollziehen kann. Das stimmt so aber nicht. Welche Informationen ein Provider, egal ob Mobilfunk oder ein normaler ISP, tatsächlich sehen und somit auch speichern kann, hängt davon ab, ob man die Verbindung verschlüsselt.

Bei den heute üblichen HTTPS-Verbindungen kann der Internetanbieter in der Regel nicht den Inhalt der besuchten Webseite mitlesen. Der ISP speichert die IP-Adresse des Zielservers, den Zeitpunkt und Dauer der Verbindung und das dort übertragene Datenvolumen. Doch was man an Informationen eingibt oder wie die Webseite aussieht, kann der Provider nicht speichern. Häufig kann man zudem nachträglich erkennen, welche Domain man aufgerufen hat, nicht aber welche Unterseiten besucht wurden.

Wer ohne VPN* unverschlüsselte HTTP-Websites besucht – was glücklicherweise nur noch recht selten vorkommt –, muss hingegen damit rechnen, dass man den gesamten Datenverkehr einschließlich der aufgerufenen Unterseiten und Inhalte einsehen kann. Ohne https bewegt man sich völlig ungeschützt durchs Internet.

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Verschlüsselte DNS-Anfragen schützen das Surfverhalten

Auch DNS-Anfragen können dem Internet-Provider verraten, welche Domains ein Nutzer aufrufen möchte. Nutzt der Anwender jedoch verschlüsselte Verfahren wie DNS over HTTPS (DoH) oder DNS over TLS (DoT), entfällt auch diese Informationsquelle weitgehend.

Beim Streaming von Musik oder Filmen oder dem Herunterladen von Dateien erkennt der Provider zwar, mit welchem Server eine Verbindung besteht und wie viele Daten übertragen werden. Welchen Film man sich anschaut oder welche Datei man gerade transferiert, das bleibt bei verschlüsselten Verbindungen in der Regel verborgen. Ähnliches gilt für E-Mail-Dienste und Messenger. Der Internetanbieter sieht zwar, zu welchen Servern man eine Verbindung aufbaut, also beispielsweise zu Signal. Doch normalerweise sieht der ISP nicht den Inhalt der Kommunikation.

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Anders verhält es sich bei Peer-to-Peer-Netzwerken wie BitTorrent. Dabei kann der Internetanbieter erkennen, dass man ein P2P-Protokoll nutzt. Er sieht auch, mit welchen Gegenstellen Verbindungen bestehen. Welche konkreten Dateien übertragen werden, lässt sich allein aus den verschlüsselten Verbindungen jedoch nicht ohne Weiteres ableiten.

Wer einen VPN-Dienst verwendet, schränkt die Einblicke seines Providers deutlich ein. Der sieht dann in erster Linie nur noch die verschlüsselte Verbindung zum VPN-Server sowie deren Dauer und wie viele Daten man dabei übertragen hat. Welche Webseiten oder Online-Dienste man während des aktiven VPN nutzt, bleibt hingegen im Verborgenen.

Doch ehrlich gesagt, die Datensammlung hört damit nicht auf, sie verlagert sich lediglich vom ISP zum VPN-Anbieter. Der kann abhängig von der Infrastruktur und Datenschutzpraxis sogar womöglich deutlich mehr sehen, als der ISP. Deswegen ist die VPN-Nutzung stets eine Frage des Vertrauens! Anbieter mit Sitz außerhalb der hiesigen Behörden sind somit von Vorteil. Auch wer einen Proxy nutzt, sollte wissen, dass die Daten im eingeloggten Zustand beim Anbieter landen.

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Dein Internetanbieter hat ein Auge auf dich…

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.