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Bildquelle: artursz, Lizenz

Anom: FBI-Messenger führt mutmaßliche Drogenbande zur Anklage

16 mutmaßliche Mitglieder einer Drogenbande, die den FBI-Messenger Anom nutzten, müssen sich schon bald vor Gericht verantworten.

Aktuell hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Anklagen gegen fünf mutmaßliche Drogendealer aus dem Anom-Komplex vor dem Landgericht in Hanau erhoben. Gegen elf der vorgeblichen Banden-Mitglieder ergingen schon in der letzten Woche durch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) Anklagen vor den Landgericht Frankfurt. Eine Chat-Entschlüsselung des verdeckt vom FBI betriebenen Messengers Anom sorgte für ihre Ergreifung.

Den mutmaßichen Tätern wird bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Alle 16 mutmaßlichen Drogendealer stehen im Verdacht, zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 Drogen, wie Kokain, Amphetamin und Cannabis aus Spanien und den Niederlanden nach Deutschland eingeführt und hier verkauft zu haben.

Beschuldigte agierten mit strukturierten Aufgabenverteilung

Die elf zuerst Angeklagten sollen mindestens 3.000 Kilogramm Cannabis, 315 Kilogramm Kokain, 113 Kilogramm Amphetamin, 677 Liter Amphetaminöl und 13 Kilogramm Methamphetamin an Kunden gebracht haben. Die Beschuldigten im Alter von 24 bis 47 Jahren gingen dabei arbeitsteilig strukturiert vor. Demgemäß soll ein 33-Jähriger aus Frankfurt am Main als Kopf der Bande gelten. Er war verantwortlich für sämtliche organisatorischen Absprachen zu anstehenden Lieferungen und Verkäufen.

Anom, under cover driven by the FBI.

Hausdurchsuchungen bei den mutmaßlichen Tätern im Juni 2021 führten zur Beschlagnahme u.a. von 560.000 Euro Bargeld, sechszehn zum Teil mit professionellen Verstecken ausgestattete Kurierfahrzeuge, kiloweise Drogen sowie sechs halbautomatische Selbstladepistolen plus mehr als 600 Patronen.

Bei den fünf weiteren Angeklagten aus dem Rhein-Main-Gebiet gehen die Ermittler davon aus, dass die Bande insgesamt mit mindestens 111 Kilogramm Kokain und 199 Kilo Amphetamin Handel getrieben hat. Die mutmaßliche Drogenbande soll professionell ausgerüstete Kurierfahrzeuge mit elektronisch-hydraulisch steuerbaren Schmuggelverstecken genutzt haben. Die fortlaufenden Ermittlungen gegen weitere Banden-Mitglieder dauern noch an.

Verdächtige nutzten Anom-Messenger

Für ihre illegalen Drogen-Geschäfte sollen die Verdächtigen die verschlüsselte Plattform „Anom“ genutzt haben. Sebastian Zwiebel, Staatsanwalt und Pressesprecher von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main präzisierte gegenüber SAT.1:

„Die Gruppierung hat den Verschlüsselungsdienst ‚Anom‘ genutzt. Das müssen Sie sich so verstellen, wie andere Kommunikationsdienste, die wir heutzutage nutzen, also die jeder eigentlich nutzt. Das Besondere bei Anom war, dass es sich um einen Krypto-Dienst handelte, der über viele Monate und Jahre nicht ausgelesen werden konnte. Das heißt, die Beschuldigten waren sich relativ sicher, dass das, was sie untereinander getrieben haben, nicht mitgelesen wurde. Irgendwann haben wir die Daten allerdings bekommen, konnten sie auswerten und sind so den Beschuldigten auf die Spur gekommen.“

Operation Ironside: Aktion gegen Organisierte Kriminalität

Im März 2018 wurde Vincent Ramos, CEO von Phantom Secure, von der Grand Jury angeklagt. Er bekannte sich schließlich zusammen mit Kollegen einer Reihe von Anklagen im Zusammenhang mit Drogenhandel für schuldig. Nachdem das FBI diese Kommunikationsmethode zerstört hatte, beschlossen die Ermittler, das entstandene Loch im Unterweltmarkt selbst auszufüllen.

Das FBI engagierte einen Hacker und Entwickler, der in Kanada für den Verschlüsselungsdienst Phantom Secure gearbeitet hatte. Nachdem das FBI für die Einstellung des Phantom Secure-Dienstes sorgte, gingen die Ermittler einen Deal mit dem dort tätig gewesenen Entwickler ein. Den konnte dieser nicht ablehnen. Er sollte dem FBI dabei helfen, im Rahmen der Operation Ironside, eine neue „sichere“ Messaging-App namens Anom, unter Kriminellen zu verbreiten. Der Hacker erhielt für seine Dienste eine reduzierte Gefängnisstrafe und zudem 120.000 US-Dollar, berichtete The Weekly Times.

Zerschlagung von Phantom Secure sorgte für Anom-App-Nutzung

Die Zerschlagung von Phantom Secure sorgte für ein Umorientieren der kriminellen Benutzer. Diese verwendeten dann die vermeintlich sichere Messaging-App Anom. Niemand von ihnen ahnte, dass sich die Alternative als FBI-Honeypot entpuppen würde.

Das FBI führte seit 2019 eine Tarnfirma namens Anom für Krypto-Handys. Über diese Scheinfirma in Panama verkauften die Ermittler mehr als 12.000 ihrer Spionagegeräte an Verbrecherringe in mehr als 100 Ländern an Kriminelle.

Die Ermittler kontaktierten dann mit einem ständig wachsenden Archiv von mehr als 20 Millionen Anom-Nachrichten, Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt. Sie lieferten hiermit die Beweise, die diese brauchten, um gegen so bekannt gewordene kriminelle Aktivitäten vorzugehen. Letztlich sorgte die Trojaner-App dafür, einen erheblichen Teil der kriminellen Unterwelt auffliegen zu lassen.

Razzien zielten auf Organisierte Kriminalität

Dank der verschlüsselten Messaging-App Anom erfuhr nun das FBI von Geldwäsche-Vorhaben, Drogenverkäufen und Mordplänen. Dies lief bis am 07.06. 2021 im Rahmen der dreijährigen FBI-Operation Ironside, Razzien auf die weltweit Organisierte Kriminalität durchgeführt wurden. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Strafverfolgungsbehörden weltweit führte die Aktion innerhalb von nur 48 Stunden in 16 Ländern zur Festnahme von über 800 Verdächtigen. Darunter mehr als 70 in Deutschland, die mutmaßlich an kriminellen Aktivitäten beteiligt waren. Im Juni 2021 war die oben erwähnte Drogen-Bande ebenso bei einer solchen Razzia aufgeflogen.

Tarnkappe.info


Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.