AfD in Flammen
AfD in Flammen
Bildquelle: politicalbeauty.de

Zentrum für Politische Schönheit sammelt bei AfD-Mitgliedern Indizien für Parteiverbot

Das Zentrum für Politische Schönheit führt im Namen der AfD eine Befragung unter den Parteimitgliedern durch. Doch das geht nach hinten los.

Das Zentrum für Politische Schönheit hat sich schon häufiger witzige Aktionen einfallen lassen, um die AfD zu ärgern. Aktuell hat man unzählige AfD-Mitglieder per Brief angeschrieben und behauptet, man führe eine repräsentative Umfrage unter 500 Personen durch. Wahrscheinlich gab es deutlich mehr Empfänger.

Mitglieder sollen Indizien für Parteiverbot der AfD einreichen

Angeblich habe man um die Verbotsforderungen mancher etablierter Politiker zu entkräften, eine eigene „Sichtungskommission“ eingerichtet. Die Mitglieder ruft man dazu auf, ihnen Indizien einzureichen, die tatsächlich zu einem Verbot der AfD führen könnten. Außerdem will die Kommission, die es gar nicht gibt, auf Basis der Daten entsprechende Verteidigungsstrategien vorbereiten.

Zentrum für Politische Schönheit setzt Empfänger unter Druck

Die Empfänger der Schreiben setzt man unter Zeitdruck. Angeblich sei man „laut Parteitagsbeschluss als Mitglied der Befragungsgruppe zur Teilnahme verpflichtet„. Die Antwort müsse bis spätestens bis zum 01. Dezember 2023 online bei der Sichtungskommission eingehen.

Unter den Teilnehmern verlost man angeblich 3x ein Wochenende zum Weihnachtsmarkt in Dresden nebst zehn Tankgutscheinen. Für die Aktion hat das Zentrum für Politische Schönheit eine extra Webseite eingerichtet. Die meisten Links verweisen auf original Webseiten der AfD, um die Mitglieder zusätzlich davon zu überzeugen, dass ihre Website authentisch ist.

Zentrum für Politische Schönheit, Fake-Brief, AfD

Fristsache! Die Mitglieder sollen einreichen:

  • E-Mails und Rundmails der AfD, die ein Parteiverbot zur Folge haben könnten
  • Fotos mit verfassungsfeindlichen Gegenständen (Fahnen mit NSDAP-Symbolen etc.)
  • Videos von verfassungsfeindlichen Reden, auch von Stammtischen
  • Informationen, die den AfD-Mitgliedern über konkrete Verbindungen zu links- oder rechtsextremen Gruppierungen vorliegen
  • informelle, vertrauliche und öffentliche Äußerungen jedweder Art, die der Partei schaden könnten
  • Hinweise zu unerlaubtem Waffenbesitz oder Planungen von Ausschreitungen
  • Informationen über den mittlerweile aufgelösen „Flügel“ der AfD.

Zentrum für Politische Schönheit stellt sich selbst ein Bein

Wer brav seine Informationen übermittelt, wird angeblich bis Ende 2025 von der Pflicht befreit, den Mitgliedsbeitrag bezahlen zu müssen. Das wird natürlich nie passieren. Zudem sollen die Parteimitglieder der Kommission „Exporte sämtlicher Chatgruppen, in denen Sie oder andere Mitglieder vertreten sind„, übermitteln. Und genau da fängt für die Aktivisten das Problem an. Mittlerweile tauschen sich Empfänger des Briefes beim Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) aus, wie man die Absender am besten ärgern kann.

Dummerweise hat man sich nicht für die Übermittlung von Formularen entschieden, sondern fordert die Teilnehmer auf, ihnen ihre Daten hochzuladen. Und da man offenbar einen Online-Speicherdienst nutzt, dessen Kosten abhängig von der Gesamthöhe der empfangenen Daten abhängt, fordert man die anderen Nutzer von X dazu auf, alte Filme und andere sinnlose Dateien zu transferieren, damit die Kosten immer mehr nach oben gehen. Umso mehr sei umso besser, heißt es dort.

Aktionskünstler haben schon reagiert

Die ersten Uploader meckern schon, denn sie können statt 3 GB derzeit nur noch maximal fünf Archive mit jeweils 100 Megabytes übertragen. Andere Empfänger programmieren sich gerade ein Skript, um die Empfänger mit sinnlosen Einreichungen zu fluten. Um weitere Kosten zu sparen sollte das Zentrum für Politische Schönheit vielleicht den Upload komplett deaktivieren, zumal zwischenzeitlich sicher schon einige Parteimitglieder gewarnt wurden.

Derweil darf man gespannt auf die Auswertung der Aktion warten. Vielleicht trägt man so ja doch einiges an Futter zusammen, um ein Parteiverbot der AfD besser begründen zu können.

Zentrum für Politische Schönheit

Woher kommen die ganzen Daten?

Wie aber sind die Aktivisten vom Zentrum für Politische Schönheit an die ganzen Anschriften der Parteimitglieder gelangt? Beim Kurznachrichtendienst X geht aktuell das Gerücht um, dass es vor ein paar Monaten ein Datenleck bei der AfD gegeben haben soll. Anders kann man sich die Durchführung nicht erklären.

Doch in dem Fall hätten sich die Aktivisten gleich mehrfach strafbar gemacht, schließlich hatten sie niemals das Einverständnis der drei AfD-Bundessprecher, diese Aktion in ihrem Namen und mit ihrer Unterschrift durchzuführen. Allerdings wird man den Aktivisten ihre Straftat nicht so einfach nachweisen können…

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.