Werden Hersteller von Betriebssystemen die künftige Urheberrechtspolizei?

finger-769300_960_720

Die schwedische Urheberrechts-Lobbyorganisation „Black Market Watch“ fordert laut TorrentFreak, dass Urheberrechte bereits vom Hersteller von Betriebssystemen durchgesetzt werden sollen.

Nun wollen sich also Lobbyorganisationen nicht mehr nur mit Kopierschutz und Abmahnungen und Ähnlichem zufriedengeben. Auch eine Haftung und Mithilfe von Internet-Zugangs-Anbietern bei der Durchsetzung von Urheberrechten reicht ihnen nicht, nein: Sie gehen noch einen Schritt weiter. So soll praktisch das Betriebssystem selbst bereits dafür sorgen, dass Up- oder Downloads kontrolliert und zensiert werden und es folglich schon im Vorfeld unmöglich machen, auf urheberrechtlich geschützes Material illegal zugreifen zu können.


Ginge es nach der Lobbyorganisation Black Market Watch, sollten diese Unternehmen dazu aufgefordert oder per gesetzlicher Anordnung in die Pflicht genommen werden, die Downloads von urheberrechtlich geschütztem Material direkt zu blockieren. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, will die Organisation bei der EU Druck ausüben, da Schweden als einziger Staat nicht ausreiche, um so etwas durchzusetzen.

Konkret schreiben sie u.a.: „Weitere Player, die ein großes Potenzial und die Fähigkeit besitzen, Piraterie zu begrenzen, sind die Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft, welche die wichtigsten Betriebssysteme für Computer und mobile Geräte produzieren.“

Positiv verweisen die Lobbyisten in diesem Zusammenhang auf Absatz 7b im Microsoft Services Agreement, welcher unter anderem auf das Verhindern von raubkopierter Software abzielt. Dort heißt es:

„Wir sind berechtigt, Ihre Version der Software automatisch zu überprüfen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass wir die Dienste bereitstellen können, Softwareupdates oder Konfigurationsänderungen ohne Ihnen hierfür Gebühren zu berechnen herunterladen können sowie die Dienste, einschließlich jener, die Sie am Zugriff auf die Dienste, am Spielen von gefälschten Spielen oder an der Nutzung unerlaubter Hardware-Peripheriegeräte hindern, aktualisieren, verbessern und weiterentwickeln können [..]“

Fazit:

Die Kritik auf so ein Ansinnen lässt nicht lange auf sich warten. So äußerte sich Alexander Sander, Geschäftsführer von Digitale Gesellschaft e.V. zu dieser Zielvorstellung der Lobbyorganisation wie folgt:

„Betriebssysteme entscheiden zu lassen, welche Inhalte legal oder illegal sind, ist die absolute Perversion privatisierter Rechtsdurchsetzung. Dass neben Netzsperren und Geoblocking nun auch derartige Lösungen ins Spiel gebracht werden zeigt, dass die Film- und Fernsehindustrie noch immer nicht daran interessiert ist, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Statt auf Innovationen im Netz zu setzen, verschwendet man Ressourcen und Kapital, um neue repressive Vorschläge in die politische Debatte einzubringen. Bei derartig abwegigen Vorschlägen kann man sich nur noch an den Kopf fassen.“

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

Vielleicht gefällt dir auch

Ein Kommentar

  1. Michael sagt:

    Mich wundert dass die Raubkopien unterbinden wollen. Dann gehen doch die Abmahnungen zurück bzw. verschwinden ganz. Wovon wollen die dann noch leben?

    Hätte eher erwartet, dass hier bestätigt wird, dass MS mit Win 10 anderen Softwareherstellern petzt welcher Nutzer seine Software verwendet und wenn der das illegal hat, gibt’s Post vom Anwalt. Somit mehr Abmahnungen = Umsatzsteigerung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.