Wallpart: Posterversand lockt mit 10 Millarden Motiven

Article by · 22. August 2015 ·

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Wallpart.com: Anstatt die Nutzer eigene Motive hochladen zu lassen, kann man dort einfach auf alle im Web verfügbaren Werke zugreifen. Der Druck-Dienstleister verschickt die Poster weltweit mithilfe der Paketdienste DHL und China Post. Die Bezahlung wird mittels VISA, MasterCard und American Express abgewickelt. Die Konsumenten werden mit niedrigen Preisen gelockt, doch die Fotografen und Künstler gehen dabei stets leer aus.

Im Internet gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. Die schräge Geschäftsidee dieses Poster Shops hat mittlerweile einige Menschen gegen sich aufgebracht. Bei der Online-Petitionsseite Change.org gibt es wegen Wallpart.com schon zwei unterschiedliche Petitionen. Dort beklagen unzählige digitale Künstler und Fotografen, dass man sie beim Prozedere übergangen hat. Ihre Werke wurden ohne Einholung einer Erlaubnis, ohne Information der Urheber und (wen wundert es noch!?) ohne jede Kompensation ausgedruckt und verschickt. Die vielen Unterschriften der beiden Petitionen bei Change.org haben bislang nichts bewegen können, sie werden wohl auch in Zukunft nichts an der Situation ändern.

Wie funktioniert Wallpart.com?

Ganz einfach. Wallpart greift auf das Material von Suchmaschinen zurück, wahrscheinlich auf das der Google Bildersuche. Als Nutzer sucht man sich nach Eingabe des Suchbegriffs einfach ein Bild aus dem Bestand von über 10 Milliarden Werken aus. Alles, was im Internet verfügbar ist, kann bei Wallpart.com als Poster bestellt werden. Die Abbildungen wurden nicht auf gemeinfreie oder CC-lizenzierte Werke etc. eingeschränkt, womit der Shop auf einen Großteil der Motive und somit auf die Aufrechterhaltung des eigenen Geschäftsmodells verzichtet hätte. Da die Erschaffer der Fotos oder Grafiken nicht am Umsatz beteiligt werden, kann der Poster-Vertrieb seinen Kunden günstige Festpreise anbieten. Die Konditionen sind lediglich von der Anschrift der Kunden und der Wahl des Paketdienstes abhängig.

In den Nutzungsbedingungen versuchen sich die Betreiber damit herauszureden, dass sie die Fotos nicht auf ihren eigenen Servern speichern. Den schwarzen Peter überlassen sie lieber Bing, Google oder Yahoo! Man helfe den Nutzern lediglich dabei, die Fotos zu finden, für die sie sich interessieren. In den Terms of Service heißt es weiter, die Suche finde ausschließlich im Browser des Surfers statt. Die Datenbestände kämen von außen, weswegen die Betreiber jede Verantwortung für die Nutzung ihres Shops ablehnen. Die Kunden seien diejenigen, die dem Dienstleister die Fotos für den gewünschten Druck übermitteln würden. Man muss kein Anwalt sein um erahnen zu können, dass diese Dienstleistung bei zehn Milliarden Fotos nichts mit einer Privatkopie zu tun haben kann. Damit wäre der Versand offensichtlich rechtswidrig und somit auch die Nutzung strafbar.

Bestellung von Postern strafbar?

Bislang wurde die Rechtslage noch nicht von einem deutschen Gericht geklärt, dafür ist der Anbieter hierzulande noch zu unbekannt. Innerhalb der letzten Monate konnte das Online-Angebot monatlich immerhin 440.000 Seitenzugriffe generieren, noch im Mai dieses Jahres dümpelte die Webseite bei wenigen Tausend Page Impression herum. Fast 40 Prozent der Besucher stammen aus den USA, gefolgt von Frankreich, Spanien, UK und Kanada. Wer die Poster bestellt, könnte sich nach Meinung mehrerer Medienanwälte strafbar machen. Für den Mainzer Medienanwalt Tobias Röttger ist dies – ähnlich wie music.163.com – eine offensichtliche rechtswidrige Quelle. Wahrscheinlich bleibt dies aber wegen der fehlenden Möglichkeit, bei der Poster-Bestellung erwischt zu werden, eine theoretische Fragestellung. Der entscheidende Punkt ist nämlich, wie die Behörden an die Daten der Nutzer gelangen wollen. Diverse Beobachter ohne juristische Ausbildung werden sich zudem fragen, ob sich die Staatsanwälte überhaupt dafür interessieren würden.

Wovon sollen Grafikdesigner, Cartoonzeichner & Fotografen leben?

Die Möglichkeit auf der Webseite, die Verletzung von Urheberrechten laut DMCA zu melden, ist echt ein Witz. Da auf das Material von Suchmaschinen zugegriffen wird, hat man auf deren Angebot sowieso keinen Einfluss. Kris LaLonde aus Toledo (Ohio) beschwert sich, all seine negativen Kommentare, die er auf der Facebook-Seite von Wallpart gepostet hat, habe man gelöscht. Diese Webseite müsse so schnell wie möglich geschlossen werden, findet er. Bei Fstoppers wird im Kommentarbereich behauptet, dass über die Webseite von Wallpart Schadsoftware verbreitet wird. Einer der Fotografen stellt allerdings die treffende Frage, wer zum Teufel Ausdrucke in Posterqualität von Bildern in der oftmals geringen Webqualität haben will!? Man stelle sich den Ausdruck eines Posters auf Basis von 300 x 400 Pixeln vor, dafür möchte kein normaler Mensch auch noch Geld bezahlen, oder? Außerdem kann man problemlos offline den gleichen Ausdruck in jedem Geschäft in Auftrag geben. Der Mitarbeiter wird einem kaum die Frage stellen, ob man die Rechte am Motiv besitzt.

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7 Comments

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    Bei mir wurden ca. 25 digitale Bilder geklaut !
    Bilder klauen ist Verstoß gegen das Urheberrecht, die gestohlenen Bilder anbieten und verkaufen – das nennt man Hehlerei!
    Mitschuldig und involviert ist eine australische / israelische Firma, die hostet und mithilft!
    Es handelt sich um die Firma : publicdomainregistry.com !
    Diese Firma arbeitet mit einer israelischen Firma zusammen: http://WWW.DNDIALOG.COM
    Diese Firmen schützen diese Diebe, und helfen dabei, die gestohlenen Bilder auf deren SErver zu verstecken!
    Lest den Beitrag:
    Publicdomainregistry.com – A safe haven for spammers and phishers like Ruby Palace

    https://publicdomainregistry.wordpress.com/2014/01/05/publicdomainregistry-com-a-safe-haven-for-spammers-and-phishers-like-ruby-palace/

    Man kann und sollte nicht versuchen gegen den Gangster aus der Ukraine vorzugehen – zwecklos!
    Besser man macht gleich Anzeige gegen publicdomainregistry!
    Hier kann man in Australien Anzeige erstellen:
    Online copyright infringement
    https://www.communications.gov.au/what-we-do/copyright

    The Copyright Amendment (Online Infringement) Act 2015 allows copyright owners to apply to the Federal Court to order internet service providers to block access to particular overseas websites which breach copyright.

    http://www.aph.gov.au/Parliamentary_Business/Bills_Legislation/Bills_Search_Results/Result?bId=r5446

    https://www.communications.gov.au/have-your-say

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      Bevor ich es vergesse:
      Ich hatte es geschafft, durch Drohungen, dass die Seite wallpart.com ca. 2 Wochen offline war!
      Jedoch, die IP 91.230.121.93 (Ukraine)- registriert auf FOP Smirnov V’yacheslav Valentunovuch in Zhitomir, Zhytomyrs’ka Oblast’, Ukraine – das ist nur eine Fantasie Firma (Briefkasten)
      Und diese haben 27 IPs zur Verfügung,, und 46 changes on 27 unique IP addresses over 11 years !!
      Was auf “FOP SMIRNOV V’YACHESLAV VALENTUNOVUCH” alles registriert ist, das sieht man hier:
      https://w3bin.com/hoster/7773/2/

      Die waren Täter sind publicdomainregistry.com und deren Helfer in Isarael!

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    So, ich habe auch mal meine Meinung dazu aufgeschrieben. Und nein, ich bezeichne mich nicht als DAU.

    http://www.henning-uhle.eu/in-eigener-sache/fotos-von-meiner-webseite-illegal-als-poster-angeboten

    Es bleibt eine Urheberrechtsverletzung, gegen die man sich zur Wehr setzen muss.

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    Mal wieder seht fragwürdiger Journalismus.

    Sollen die armen DAUs vor den bösen Anwälte gewarnt werden? Wenn ja, warum erst in Versuchung führen. Das Angebot ist doch nur etwas für DAUs und ob die sich von Birne, Winzigweich, Gockel oder jemand anderen schröpfen lassen ist doch wirklich egal.

    Sollte für die armen Künstler eine Lanze gebrochen werden? Wiederum warum erst Werbung machen und wieso der durchaus richtige Hinweis, hier als Klartext: saugt Euch das Bildmaterial in möglichst guter Qualität und marschiert zum nächsten Printshop. Das ist doch sehr kontraproduktiv.

    Jeder der heute irgendetwas erschafft, daß sich digitalisieren läßt oder das bereits in digitaler Form wird, hat auch die Rechte daran. Diese stehen aber nur auf dem Papier. Nichts und niemand kann verhindern, daß Pandora ihre Büchse öffnet und damit hat sich der Fall erledigt. Die staatlichen Gewalten sind ja noch nicht einmal die Straßenverkehrsordnung wirklich durchzusetzen, wie soll das in einem Raum der um ein vielfaches schneller getaktet ist und zudem global wirkt funktionieren.

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      Wuffel Knurr Wau Wau Lach

      Achherje, Dir kann es Lars nur recht machen, indem er sich eine Kugel in den Kopf schießt.
      Über was er berichtet und wie er berichtet ist nun mal nicht verboten.
      Deine Meinung ist da nicht so ausschlaggebend. Das denke ich zumindest :-).
      Meiner ganz persönlichen Ansicht nach ist Lars noch etwas sauer wegen der Hausdurchsuchung, welche so zumindest mein Eindruck nichts ergeben hat. Vermutlich kommt da noch der eine oder andere unterhaltsame Artikel.
      Da er anderen solch ein Erlebnis missgönnt weist er darauf hin, wie man sich rechtskonform zu verhalten hat.
      Das schließt natürlich auch ein zu erwähnen was man nicht machen darf.
      Was dann jeder daraus macht, ist jedem seine Sache.
      Und ganz zum Schluss, nach deiner Lesart ist ja auch ein Anwalt wie Udo Vetter ein ganz böser.
      Der sagt ja immer im Zweifel gegenüber Ermittlungsbehörden immer die Klappe halten und gibt Handlungsanweisungen wie man sich rechtskonform um seine Verantwortung drücken kann.

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        Meine Meinung ist zum Glück nicht ausschlaggebend. Soweit so gut.

        Dem Gefasel wegen seiner Hausdurchsuchung kann ich allerdings überhaupt nicht folgen. Mit dem Risiko lebt Lars nun einmal. Noch scheint ja niemand mit Gewicht wirklich sauer zu sein und ihm wirklich Böses zu wollen. Bezüglich seiner Reaktion schätze ich Lars wesentlich abgeklärter ein.

        Nur Helfen will der Lars, daß hat er selbst so dargestellt und ich persönlich nehme ihm das auch ab. Andere mögen das anders sehen. Problematisch wird es aber, wenn er sich wie Hirundi Bakshi anstellt. Wenn aus gut gemeinter Aufklärung die Anleitung zu potentiellem Fehlverhalten wird, anders läßt sich der letzte Satz wohl nicht interpretieren, dann erlaube ich es mir darauf hinzuweisen.

        Anwälte? Das kommt immer darauf an, wer zahlt. Demnach ist mein Anwalt immer der Gute.

        @Lars

        Eine Edit Funktion wäre prima, ich hasse Rechtschreibfehler, vor allem meine Eigenen. Ich wollte eine Doublette vermeiden.

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          Wuffel Knurr Wau Wau Lach

          Super reagiert. Meine Hochachtung und Grüsse :-).


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