Video-Streaming: Darf man den Account teilen?

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Amazon Prime Instant Video, iTunes, Netflix, Sky, Sony Entertainment Network, Videoload & Watchever: Es gibt viele Anbieter für Video-Streaming im Internet. Wie schaut es aus: Ist es erlaubt, den Account mit jemandem zu teilen, um Kosten zu sparen? Muss die Person im gleichen Haushalt leben? Muss ich vielleicht sogar mit ihr verwandt sein?

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Razzien wegen Cardsharing des Pay-TV-Senders Sky (ehemals Premiere). Das Teilen des Accounts verstößt eindeutig gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters. Darüber hinaus werden hier (wegen der reduzierten Kosten) Leistungen erschlichen, was für die Erwischten in Geldbußen münden kann. Die Betreiber eines Cardsharing-Servers handeln hingegen mit einem höheren kriminellen Potential. Da es noch immer Probleme gibt, die Verschlüsselung von Sky zu knacken, sind die Macher der Server dazu übergegangen, die Zugänge per Cardsharing aufzuteilen. Die Bezahlung wird zumeist per Ukash oder andere anonyme Bezahldienste abgewickelt. Früher gab es für rund 50 Euro modifizierte Sat-Receiver, die die Verschlüsselung mehrerer Bezahlsender eigenständig umgehen konnten. Das war natürlich nicht legal.

Video-Streaming: Account teilen erlaubt?

Was die Kunden mit ihrem Account bei einem Bezahlsender oder Video-Streaming-Anbieter tun dürfen, ist alleine vom abgeschlossenen Vertrag und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des jeweiligen Anbieters abhängig. Der Verkauf des Accounts ist selbstredend verboten, eine kommerzielle Nutzung wird ebenfalls von vornherein ausgeschlossen. Im privaten Bereich dürfen beispielsweise die Nutzer von Netflix ihren Account ganz legal teilen. Das betrifft sogar Freunde und nicht nur Familienmitglieder oder Mitbewohner. Die Anzahl der Nutzer bzw. Geräte, die Netflix gleichzeitig anwenden dürfen, ist vom gewählten Tarif abhängig.

Andere Unternehmen schreiben vor, dass ihr Dienst nur von einem Gerät oder einer einzigen Person benutzt werden darf. Vor Abschluss des Vertrages sollte man folglich in Ruhe prüfen, welcher Anbieter bzw. Tarif am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Vorsicht bei der Weitergabe von Login-Daten

Selbst wenn ein Teilen des Streaming-Accounts technisch möglich ist und der eigene Anbieter dies grundsätzlich zulässt, sollte man sich trotzdem gut überlegen, wem man sein Passwort anvertraut. Bei manchen Streaming-Diensten wie z.B. Amazon Prime Instant Video können zusätzliche Kosten für Premium-Inhalte anfallen, die nicht von der vergleichsweise geringen monatlichen Gebühr abgedeckt werden. Selbst wenn man nicht am Konsum beteiligt war, wird einem Amazon diese in Rechnung stellen. Dort lassen sich mit den gesharten Accountdaten ggf. sogar Waren bestellen. In dem Fall wird der Vertragsnehmer das Account-Sharing noch lange bereuen.

Foto: Kalila Kal, thx! (CC0)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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9 Kommentare

  1. Kevin sagt:

    Man darf übrigens nicht nur Spotify oder Netflix Accounts legal sharen, sondern auch beim Sportstreaming-Dienstleister DAZN ist Account Sharing möglich: https://fuba.blog/dazn-account-sharing/

  2. zombieber sagt:

    Danke Lars Guten Beitrag sehr interessant ..

  3. Lars Sobiraj sagt:

    Findest Du? Bevor ich Netflix benutzt habe wusste ich nicht, dass ich den Account ganz legal sharen darf.

    • Trusted sagt:

      Geht mir genauso so.
      Guter Artikel!

    • das Teufelchen sagt:

      Ja, finde ich. Denn nach meiner Rechtsauffassung darf ich tun, was immer ich möchte, solange es nicht gegen irgendeine juristisch belangbare Regel verstößt. Wenn also Account-Sharing weder gegen ein Gesetz verstößt noch gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters, halte ich das Sharen schlichtweg für erlaubt. Vor Gericht hätte der Diensteanbeiter wohl ziemlich schlechte Karten.

      • leser sagt:

        Er muss es erstmal mitbekommen.
        Ich finde die Thematik nicht soo wichtig aber gänzlich uninteressant ist sie auch nicht.

        • das Teufelchen sagt:

          Du kannst natürlich auch überall mit dem Auto schneller fahren als erlaubt – und es wird Dir auch nichts geschehen, solange es die Exekutive nicht mitbekommt. Erlaubt es es trotzdem nicht. Und genau darum geht es doch in dem Artikel, oder irre ich? Ist es erlaubt? Oder ist es verboten? Und genau darüber geben nun mal die Nutzungsgedingungen Auskunft; oder sollten Auskunft geben. Wenn dort nicht dezidiert drin steht, dass es verboten ist, dann ist es eben nach meiner Rechtsauffassung erlaubt. Und der Diensteanbieter kann – sobald er davon Kenntnis erlangt, dass die Leute ihren Account sharen – die Nutzungsgedingungen entsprechend abändern und den bestehenden Kunden freistellen, ob sie der Änderung zustimmen oder die Mitgliedschaft vorzeitig kündigen.

          • Antiqua sagt:

            Schrödingers Katze lässt grüßen. ;-)

  4. das Teufelchen sagt:

    Ist denn die Saure-Gurken Zeit noch immer nicht vorbei? Sorry, aber dieser Artikel ist doch für’n Anus, oder? Die Erkenntnis, dass es auf den jeweiligen Vertrag ankommt, ob Streaming-Sharing erlaubt ist oder nicht, war ja wohl sowieso klar. Entweder ist die Antwort unbefriedigend – oder die Frage entbehrlich.

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