Unter dem Radar – der satirische Monatsrückblick (Oktober/2015)

Der Monat Oktober endet bekanntlich mit Halloween, dem Fest des gepflegten Grusels. Interessanterweise tat der Monat bereits zuvor so einiges, um uns auf diesen Feiertag einzustellen, sei es mit hirnlosen Zombies oder mit untoten Sicherheitsgesetzen. Aber lest selbst – der Monatsrückblick, wie gewohnt böse bis sarkastisch, dieses Mal auch ein kleines bisschen gruselig.

Von Sicherheits- und anderen Löchern

Der Monat begann apokalyptisch mit einer handfesten Hiobsbotschaft für Nerds. Die Verschlüsselungs-Software TrueCrypt weist einige ernst zu nehmende Sicherheitslücken auf. Das ist schlimm genug für Diejenigen, die mit dieser Software ihre umfangreiche Sammlung von „Biologie-Hausaufgaben“ – oder, schlimmer noch, Mythbusters-Videos – vor neugierigen Blicken schützen. Zum handfesten Problem aber wird es, wenn die geschützten Daten etwa sensible Firmen-Unterlagen sind. Wir lernen also wieder mal, dass kein Sicherheitskonzept ohne Schwächen ist – daher gilt, wie schon Mad-Eye Moody zu sagen pflegte, „Constant vigilance!“ Womit nicht der Körperteil gemeint ist, der beim Konsum der besagten Lehrfilme sowieso ganz automatisch in Habacht steht.


And the Oscar goes to…

Zu Halloween kann man sich bekanntlich auch verkleiden. Manche Menschen allerdings tun das nicht nur am 31. Oktober, sondern das ganze Jahr über. Sofern sie dabei einfach nur als Skelett, Spiderman oder sexy Krankenschwester herumlaufen, mag das zwar leicht befremdlich sein, schadet aber allenfalls den Beteiligten. Problematischer sind da schon Maskeraden, die der Irreführung der Mitmenschen dienen. Nehmen wir beispielsweise die Faschos, die sich nur allzu gerne ganzjährig als „besorgte Bürger“ verkleiden – und damit, obwohl das Kostüm in etwa so überzeugend ist wie das Gespenst im Polyester-Laken gruselig, sogar beachtlichen Erfolg haben. Dieses Kostüm ist alles andere als ein harmloser Spaß und gruselt einen aus ganz anderen Gründen als den bei einer Halloween-Party erwünschten.

Glücklicherweise kann die deutsche Staatsanwaltschaft anscheinend zumindest manchmal hinter diese Maske blicken und die Kostümierten als das entlarven, was sie sind: hasserfüllte, engstirnige Faschos, die in etwa so gut ins 21. Jahrhundert passen wie die besagte sexy Krankenschwester auf die Grundschul-Party. Kürzlich wurde in diesem Sinne Pegida-Gründer Lutz Bachmann wegen Volksverhetzung angeklagt (mögen viele seiner Gesinnungsgenossen ihm nachfolgen). Anlass waren seine Facebook-Postings, in denen er Flüchtlinge und Asylbewerber aufs Übelste beleidigte.

Natürlich wechselten die Pegidas daraufhin kurzerhand ihre Verkleidigung und schlüpften in eine weitere ihrer Lieblingsrollen: die des armen, unschuldigen Opfers, dem von linksgrünen Gutmenschen, volksverräterischen Systemdienern und der Lügenpresse gar übel mitgespielt wurde. Für diese Performance nominiere ich Bachmann und Konsorten hiermit für die Goldene Himbeere.

The Walking Dumb

Eines der derzeit zweifellos angesagtesten Grusel-Szenarien ist die Zombie-Apokalypse. Allerdings könnte man mitunter den Eindruck bekommen, dass diese nicht nur auf dem heimischen Bildschirm oder der Kino-Leinwand stattfindet. Nein, auch im realen Leben scheint sie schon angekommen. Anders ist das hirnlose, wie ferngesteuert wirkende Verhalten mancher Mitmenschen ja kaum zu erklären – beispielsweise, wenn unter völliger Missachtung sämtlicher Grundsätze der Verhältnismäßigkeit kurzerhand ein 16-Jähriger, der ein einzelnes PC-Spiel in einer Tauschbörse angeboten hat, zu 8000 Euro Schadenersatz verurteilt wird.

Die eigentliche Erklärung ist weitaus prosaischer, wenn auch keineswegs weniger beunruhigend: die vermeintlichen Zombies haben schlichtweg das Denken entweder nie gelernt oder schon vor langer Zeit aufgegeben, was ihr stumpfes Verhalten erklärt, und ihre verzweifelten Schreie nach „Hiiiiiirn“ geben lediglich dem Wunsch Ausdruck, dass ihnen selbiges früher oder später doch noch zuteil werden möge. Wer das im Hinterkopf behält, übersteht sogar eine Bundestags-Debatte, ohne sich gleich im Zombie-sicheren Bunker zu verbarrikadieren.

 

unter dem radar die glosse tarnkappe.info Monatsrückblick

Denn was tot ist, kann niemals sterben

Neben Zombies machte im Oktober auch noch ein weiteres untotes Wesen von sich reden: ein Sicherheitsgesetz, das, schon tot und begraben geglaubt, wider alle Vernunft zu unheiligem Pseudo-Leben erweckt wurde und nun sein Unwesen treibt, den Schlaf der Gerechten störend. Die Rede ist natürlich von der Vorratsdatenspeicherung.

Leider war diese nicht ganz so leblos, wie man angenommen hätte, beziehungsweise blieb das nicht lange. Glücklicherweise nahen schon Weihwasser und Holzpflöcke in Form einer Verfassungsbeschwerde. Hoffen wir, dass sich die Aktivistinnen und Aktivisten von Digitalcourage gut in der Rolle van Helsings machen.

(Un-)heilig in den November

Jeder Grusel hat einmal ein Ende und auf Halloween folgt bekanntlich Allerheiligen. Ob das allerdings bei unseren Politikern etwas nützt, bleibt abzuwarten. Ich wünsche euch auf jeden Fall einen schönen Momat und nur die gepflegte, angenehme Form des Grusels. Macht es gut!

Eure Annika Kremer!

 

 

Bildquelle: Aleksander Dębowsk – CC0, thx!

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.