Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (März/2018)

Regnerisch, ungemütlich und nebelig – so kennt man gemeinhin den März. Da passt es gut, dass auch im Kopf so mancher einflussreicher Personen sowohl Nebel als auch Dunkelheit zu herrschen scheinen. Wie genau sich das äußert, zeigt unser Monatsrückblick.

Effektive Kriminalitätsbekämpfung à la Bundesregierung

So manche Dinge können im März ganz schön ins Geld gehen. Heizkosten zum Beispiel, frisches Obst aus wärmeren Gefilden, Arztrechnungen, der Kneipenbesuch, um sich diese Jahreszeit schön zu saufen… Andere Dinge dagegen reißen das ganze Jahr über ein erhebliches Loch ins Budget. Dazu zählt zum Beispiel Cybercrime. Die, das hat jetzt eine Studie ergeben, verursacht jährlich 600 Milliarden US-Dollar Schaden. Trotz beachtlicher Ermittlungserfolge bleibt das grundsätzliche Problem bestehen.

Das ist natürlich eine beunruhigende Nachricht (es sei denn, man ist Cyberkrimineller). Aber, und da sind wir wieder beim Thema “im Dunkeln tappen”, es ist nicht anzunehmen, dass die Politik darauf mit sinnvollen Gegenmaßnahmen reagieren wird. IT-Sicherheit endlich als wichtiges Thema erkennen? Kritische Infrastrukturen wirksam schützen? Die Bevölkerung konsequent und verständlich über die Gefahren von Cybercrime aufklären? Vernünftige Sicherheits-Standards von Unternehmen fordern? Das ist doch alles Anfängerquatsch. Unsere Regierung wird das tun, was sie schon seit Jahren am Besten beherrscht: panisch von extremistischen Cybers lamentieren, genau nichts unternehmen, das praktisch hilfreich sein könnte, das 21. Jahrhundert verfluchen und sich von der Sekretärin das Internet ausdrucken lassen. Wenn die Unionsparteien einen kreativen Tag haben, findet sich vielleicht sogar noch eine Begründung für ein neues Sicherheitsgesetz. Das Internet darf schließlich kein rechtsfreier Raum sein.

eSport: Nun ganz offiziell kein Mord

Ebenfalls geistig umnebelt und verdunkelt sind nach Ansicht der meisten jungen Menschen diejenigen, die actionlastige Computerspiele für Gewalt und Amokläufe verantwortlich machen. Diese Theorie, schon auf “Gamer-Demos” circa 2009 je nach Temperament wütend abgestritten oder aber ins Lächerliche gezogen wurde – und ohnehin niemals durch irgendwelche Beweise untermauert werden konnte – wurde nun auch ganz offiziell von der Wissenschaft widerlegt. Erwachsene Spielerinnen und Spieler, so die Studie, werden vom Zocken nicht aggressiv.

Angesichts des üblichen Umgangs konservativer Politikerinnen und Politiker mit Argumenten ist nicht anzunehmen, dass diese Studie allzu viel Beachtung findet. Die Vorratsdatenspeicherung hat den Beweis ihrer kriminalistischen Nutzlosigkeit schließlich auch um nunmehr beinahe ein Jahrzehnt überlebt. In diesem Zusammenhang wäre interessant, zu untersuchen, ob Interviews mit CDU-Politgrößen bei Spielefans zu Aggressionen führen… Falls ja, müsste die Partei natürlich umgehend verboten werden. Rechtsfreier Raum und so.

Der Großer-Bruder-Code

Hat der BND über den Turm der Frauenkirche Leute abgehört? Es scheint ganz so. Zum Thema Bundesregierung, Überwachung, BND und Grundrechte ist hier eigentlich schon alles gesagt worden. Daher widmen wir uns hier direkt den wirklich wichtigen Fragen. Ist das eher ein Stoff für John le Carré, Tom Clancy (beziehungsweise dessen Riege posthumer Ghostwriter) oder doch aufgrund der unfreiwillig beteiligten Sakral-Architektur eher für Dan Brown? Eure Antwort bitte in den Kommentaren.

Bayern will zurück in die Zukunft

Im Freistaat Bayern ticken die Uhren bekanntlich ein wenig anders als anderenorts. Während man jedoch in vieler Hinsicht eher einer verklärten Vergangenheit anzuhängen scheint, ist man in Sachen Überwachung schon in der Zukunft angekommen – genauer gesagt, mitten in einer Dystopie. Das ist wirklich trendy, schließlich schreibt gerade gefühlt jede_r mit schreiberischen Ambitionen eine Dystopie. Soviel Modebewusstsein hätte man den Herrschaften jenseits des Weißwurst-Äquators gar nicht zugetraut. Was allerdings die Menschen in Bayern davon halten, Überwachungsgesetze zu genießen, die der Rest der Bundesrepublik wahrscheinlich erst nach dem nächsten Fußball-Großereignis genießen darf, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht fühlen sie sich sicher, weil endlich keine extremistischen Cybers in Lederhosen mehr Terroranschläge zwischen Almen und Wanderwegen begehen.

 

Vorfahrt mit Stoppschild

Solltet ihr noch einen Beweis dafür brauchen, dass die deutsche Politik nicht bloß ein Osterwunder, sondern mindestens die pfingstliche Erleuchtung braucht: Stichwort Netzsperren. Diese sollen laut aktuellem EU-Beschluss bestimmten Behörden ab 2020 erlaubt werden. Nennt mir mal bitte eine erwiesenermaßen sinnlosere und grundrechtswidrige Maßnahme, die trotzdem noch nicht verboten ist. Wie jetzt, Vorratsdatenspeicherung? So langsam könnte der Eindruck entstehen, dass die deutsche Politik Maßnahmen nur dann umsetzt, wenn sie erwiesenermaßen sowohl nutzlos als auch gefährlich sind. Also dann: Ich habe gehört, Breitband-Ausbau bringt gar nichts, schränkt aber die Grundrechte ein. Das Gleiche gilt übrigens für kostenlose Nutella-Lieferungen an vorlaute Bloggerinnen.

Wolken-Imperialismus

Monatsrückblick Glosse

Donald Trump – ein eher schlechter Politiker oder ein ganz ausgezeichneter Troll?

Noch deutlich merkbefreiter als die Bundesregierung, dafür aber ohne jeden Zweifel größenwahnsinniger, ist die aktuelle US-Administration um Donald “Toupet des Grauens” Trump. Die nämlich will ihre Cloud-Überwachung jetzt kurzerhand auf die ganze Welt ausdehnen. Also, ganz offiziell halt. Warum? Weiß keiner. Wahrscheinlich wegen Covfefe.

Es werde Licht!

Nach so viel geistigem Tiefflug habt ihr euch eine Ruhepause redlich verdient. Macht es gut, bleibt uns treu und bis zum nächsten satirischen Monatsrückblick – wir hoffen, dass bis dahin nicht nur die Tage, sondern auch die Köpfe der Mächtigen ein wenig heller werden.

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