Tech-Riesen nutzen Geheimdienstdaten der Five Eyes gegen Hassrede

Im Kampf gegen den Terrorismus nutzen einige Tech-Riesen zentrale Datenbanken. Die Daten kommen nun auch von den Geheimdiensten der Five Eyes.

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Bildquelle: ev, thx!

Aber nicht nur gegen terroristische Inhalte will man die Daten der Five Eyes-Staaten einsetzen. Zu diesem Zweck hat sich eigens eine Anti-Terror-Organisation gegründet, die aus einigen der größten US-amerikanischen Tech-Unternehmen besteht. Darunter Facebook, die Google-Tochter YouTube, Microsoft, Twitter und viele andere mehr.

Das Global Internet Forum to Counter Terrorism (GIFCT)

Um terroristische Propaganda im Internet zu bekämpfen, haben sich 2017 einige der größten Tech-Firmen der USA zusammengeschlossen und das Global Internet Forum to Counter Terrorism (GIFCT) gegründet. Mit in der Vereinigung sind neben großen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unter anderem auch YouTube und Microsoft. Entstanden ist die GIFCT auf Druck von seiten der US-amerikanischen und einigen europäischen Regierungen als direkte Reaktion auf die Anschläge von Paris und Brüssel.

Man realisiert dies technisch über Hashes von bereits gelöschten oder anderweitig entfernten Inhalten. Diese Prüfsummen speichert man in Datenbanken, die die Mitglieder des GIFCT nutzen, um die weitere Verbreitung von als illegal erachteten Inhalten zu blockieren. Beispielsweise enthalten die Datenbanken Hashes von Manifesten früherer Attentäter und Terroristen. Dazu kommen Links, die von der UN-Initiative „Tech against Terrorism“ beigesteuert wurden. Auch sind Informationen zu Videos und Bildern enthalten, die mit den sanktionierten Gruppierungen des UN-Sicherheitsrates zusammenhängen. Auf die GIFCT-Datenbanken können insgesamt vierzehn Firmen zugreifen; unter anderem Reddit, Instagram, Verizon Media, Snapchat, LinkedIn und Dropbox. Auch Airbnb und Mailchimp nutzen diese.

Datenbanken mit Geheimdienst-Informationen der Five Eyes

Brisant und neu hinzugekommen als Quelle sind Daten aus den Töpfen der Geheimdienst-Vereinigung „Five Eyes“. Beigesteuert werden Informationen und PDFs von Organisationen wie den „Proud Boys“, den „Three Percenters“ und anderen Neonazis. Die „Five Eyes“ bestehen aus den Geheimdiensten von Australien, Kanada, Neuseeland, den USA und dem Vereinigten Königreich. Zusätzlich zu dieser Kerngruppe sind Dänemark, Frankreich, Niederlande und Norwegen im Bund.

Auch mit Hilfe dieser neuen Datenquellen will die GIFCT ihre Ermittlungen ausweiten, beispielsweise auf Rechtsextremismus oder Rassismus begründeten Gewaltverbrechen.

five eyes

Die GIFCT wird von einigen Menschen- und Digitalrechtsorganisationen wegen ihrer zentralisierten oder übermäßigen Zensur kritisiert. So sagte die zuständige Direktorin für Meinungsfreiheit am „Center for Democracy & Technology“ (CDT), Emma Llansó, dass die kürzliche Erweiterung der Datenbanken der GIFCT die Notwendigkeit zur Verbesserung derer Transparenz und Rechenschaftspflicht unterstreicht. In diesem Zuge warnte sie auch vor Overblocking. Je größer die Datenbank würde, desto höher sei das Risiko dafür, dass in der Folge zu viele Inhalte blockiert werden.

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Doch damit nicht genug. Die GIFCT will ihre Datenbank noch weiter ausbauen, um darin Hashes von Audiodateien oder bestimmte Symbolen einzubeziehen. Auch plant man, die Mitgliederzahl der Organisation weiter zu erhöhen. Kürzlich hat man den Online-Vermittlungsdienst Airbnb und den E-Mail-Marketing-Konzern Mailchimp als neue Mitglieder aufgenommen.

Tarnkappe.info