Audible schaltet Werbung bei BookSC.org

Article by · 27. März 2017 ·

Bei den Buchpiraten von BookSC.org wird derzeit Werbung für die kostenpflichtige Hörbuch-Flatrate von Audible geschaltet. Die Anzeigen werden über das Google Display Network ausgeliefert. Doch auch die anderen Verlage haben schon unzählige Banner im Graubereich veröffentlicht. Der Umsatz der Werbeunternehmen auf Warez-Seiten soll jedes Jahr bei mehreren 100 Millionen Euro liegen. Ob das alles wirklich so gewollt ist!?

Kurz notiert: Offenbar hat die Werbeabteilung der Amazon-Tochter Audible ein wenig bei der Verteilung ihrer Anzeigen geschlafen. Anders ist es nicht zu erklären, warum momentan bei BookSC.org für ihre Hörbuch-Flat geworben wird. Natürlich kann man als Werbekunde auswählen, wo die Banner eingeblendet werden dürfen und wo nicht. Und BookSC ist mit fast 2.8 Millionen illegalen E-Books und über 52 Millionen wissenschaftlichen Arbeiten nicht irgendein Anbieter im Graubereich. Das zeigt sich auch anhand der vielen Seitenzugriffe, die dort jeden Monat generiert werden.

Die Auswahl der Banner hängt natürlich von den vorhandenen Cookies des Browsers und somit von den Surfgewohnheiten des Nutzers ab. Unabhängig davon, ob man Audible.de besucht hat, wird einem Werbung der Amazon-Tochter im Wechsel mit Anzeigen für Online-Trader, Anti-DDoS-Dienstleister und z.B. Möbel angezeigt. Und obwohl die Besucher der Webseite aus Deutschland kommen, werden ihnen dort englischsprachige Hörbücher wie „The Book of Joy“, „Age of Myth“, der Trilogie „The Passage“ und andere vorgestellt.

Bei den großen Online-Piraten Werbung zu schalten, kann bei den Besuchermassen sehr effektiv sein, das weiß auch Google. Aber in Verlagskreisen ist es gleichermaßen verrufen. Amazon hat dem Thema Urheberrechtsverletzungen seit jeher kaum Aufmerksamkeit geschenkt. So sind die Amazon-Gutscheine bis heute bei LUL.to als Zahlungsmittel gültig. Auch hat Amazon Personen, die nachweislich über ihren Account E-Books befreit haben, um sie illegal in Umlauf zu bringen, nicht den Zugang zum hauseigenen Online-Shop gesperrt.

Das Thema Werbung behandelte auch vor drei Jahren der Gutenberg Report 3.5, der bis vor kurzem von der Anti-Piraterie-Agentur Lisheennageeha herausgegeben wurde. Demnach könnte man durch einen Entzug der Werbung große Teile der illegalen Angebote wirtschaftlich zur Aufgabe zwingen. Zumindest all die Anbieter, die ihre Webseite betreiben, um damit Geld zu verdienen. Schaale & Bonik schrieben im Frühjahr 2014: „Offensichtlich wollen (ein Ende der Banner auf illegalen Webseiten) weder Werbeunternehmen noch Werbetreibende“ erreichen, zumal der jährliche Umsatz der Werbeunternehmen im Bereich mehrerer 100 Millionen Euro liegt.

Audible befindet sich mit ihrem Vorgehen in bester Gesellschaft. Beim US-amerikanischen Piratenanbieter Scribd wurde in der Vergangenheit für Webseiten von deutschen Rechtsanwaltskanzleien oder beispielsweise für den Reader Tolino Vision bei Weltbild.de geworben. Auch die SelfPublisher von Authorhouse bewarben Titel wie „Catherine’s Story“ bei BookSC, der E-Book Store Libri.de suchte sich hingegen Avaxhome als Werbepartner aus. Selbst der Softwarehersteller MathWorks war sich nicht zu schade, Banner für ihre E-Books im Graubereich zu schalten.

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3 Comments

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    Manuel Bonik


    Scribd kann man natürlich nicht als 100prozentige Piraterieseite betrachten. Sie haben ja mit vielen Verlagen tatsächlich Verträge. Andererseits ist die Seite so gestaltet, dass Piraterie möglich ist, und die dürfte nicht wenig zur großen Attraktivität dieser Seite beitragen. Insgesamt also eine „Hybrid-Seite“, ähnlich wie Youtube. Wenn man da Copyright-Problem hat, lassen die sich durchaus beseitigen, aber es ist halt mit einigen Mühen (Links finden und abmelden) verbunden. Umkehrschluss: Wer sich diesen Mühen nicht unterzieht, hat offensichtlich kein Problem.

    Liebe Leser, wenn ihr die intektuellen Exzesse des vorstehenden Absatzes verstanden habt, habt ihr weit mehr kapiert als jeglicher Verlag, der Opfer von Scribd ist, und das sind ziemlich viele.

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    Kunstsoldat


    „Auch hat Amazon Personen, die nachweislich über ihren Account E-Books befreit haben, um sie illegal in Umlauf zu bringen, nicht den Zugang zum hauseigenen Online-Shop gesperrt.“

    Also ist amazon in der Lage zu sehen, welcher Kunde seine Kindle eBooks vom DRM befreit? Das wäre dann ja auch eine interessante Neuigkeit für Leute, die ihre Kindle eBooks „alfen“ um sie auf anderen Readern lesen zu können.


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