Spieleplattformen: Bundesjustizministerium fordert Regulierung auf EU-Ebene

Justizstaatssekretär Christian Kastrop warnte vor sexueller Belästigung von Kindern und Jugendlichen bei Nutzung von Spieleplattformen.

Spieleplattformen

Anlässlich der Spielemesse Gamescom, dem weltweit größten Event für Computer- und Videospiele vom 25. bis 27.08. 2021, forderte das Bundesjustizministerium strengere Regeln für Online-Spieleplattformen. Das gab Justizstaatssekretär Christian Kastrop dem Handelsblatt am Mittwoch bekannt.

Besonders vor dem Hintergrund, dass gerade in Corona-Zeiten Onlinespiele als beliebter Zeitvertreib bei Kindern und Jugendlichen dienten, sodass sich Online-Spieleplattformen zunehmend zum „attraktiven Geschäftsmodell“ entwickelten, sieht das Ministerium Handlungsbedarf, wie Kastrop angab.

Spieleplattformen verzeichnen Rekordumsätze während Pandemie

Zahlen, die der Branchenverband Game anlässlich der Gamescom veröffentlicht hat, verweisen auf ein starkes Umsatzplus. Allein im ersten Halbjahr 2021 verzeichnete der Games-Markt in Deutschland mit 4,6 Milliarden Euro Gesamtumsatz einen Anstieg um 22 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 3,8 Prozent. Gemäß Game-Geschäftsführer Felix Falk gab es „selten so einen starken Anstieg neuer Spieler wie 2020“.

Gemeinsam mit dem Branchen-Aufschwung rücken damit aber zugleich potenzielle Gefahren, mit denen Online-Spieler konfrontiert werden könnten, näher in den Mittelpunkt. Kastrop verwies in dem Zusammenhang insbesondere auf Gefahren hinsichtlich sexueller Belästigung von Kindern und Jugendlichen sowie Cybermobbing und Cybergrooming. Cybermobbing beinhaltet die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen. Beim Cybergrooming hingegen suchen Täter den sexuellen Kontakt zu Kindern. Einerseits wollen sie ihr Vertrauen gewinnen, manipulieren ihre Wahrnehmung und verstricken sie in Abhängigkeit. Sie sorgen andererseits auch dafür, dass sie sich niemandem anvertrauen.

„Wo sich Millionen vor allem junge Menschen jeden Tag bewegen und miteinander kommunizieren, darf es keine blinden Flecken beim Schutz vor Straftaten geben.“

Somit dürfe allerdings auch in virtuellen Räumen wie den Spieleplattformen keine Rechtsfreiheit herrschen, erwartet Kastrop. „Verpflichtende Regeln und starke Verbraucherrechte“ seien folglich unabdingbar. „Sexuelle Belästigung oder Bedrohungen müssen auch bei Online-Spielen wie in sozialen Medien und auf der Straße durch den Rechtsstaat konsequent verfolgt werden“.

NetzDG dient als Regulierungs-Vorbild

Aufgrund der vorgebrachten Argumente forderte der Justizstaatssekretär „verpflichtende Regeln und starke Verbraucherrechte“ für Online-Spieleplattformen. Dafür wolle sich die Bundesregierung in Verhandlungen bezüglich des Digital Services Act (DSA) auf EU-Ebene aussprechen. Geschäftspraktiken von Online-Spieleplattformen wolle man im Rahmen des Vorhabens konkreten Regeln unterwerfen. Kastrop betont:

„Spieleplattformen müssen von den künftigen europäischen Regeln erfasst sein, damit strafbare und jugendgefährdende Inhalte sehr schnell gelöscht werden“.

Für eine konkrete Umsetzung der geplanten Maßnahmen zieht Kastrop einen Vergleich zum deutschen Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) und dem kürzlich beschlossenen Gesetzespaket gegen Hass und Hetze im Netz. Diese sollten als „inhaltliches Vorbild“ dienen, um Gaming deutlich sicherer zu machen. „Alle müssen sich gegen Drohungen, Diffamierungen oder kriminelle Abzocke wehren können“, betont Kastrop.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.