Reality Winner: Whistleblowerin auf dem Weg in die Freiheit

Whistleblowerin Reality Winner, die wegen der Weitergabe geheimer Informationen verurteilt wurde, ist aus dem Gefängnis entlassen

Whistleblower
Bildquelle: lightsource

Reality Winner, eine ehemalige Auftragnehmerin der National Security Agency, die während Donald Trumps Präsidentschaft wegen der Weitergabe geheimer Informationen an Journalisten angeklagt wurde, hat man aktuell in eine offene Anstalt entlassen. Dies teilte ihre Anwältin am Montag per Twitter bekannt. Sie könnte noch vor ihrer vollständigen Entlassung aus der Haft im November in den Hausarrest verlegt werden.

Reality Winner war bei einem NSA-Dienstleister tätig. Sie bekannte sich 2018 vor einem Bezirksgericht in Augusta im US-Bundesstaat Georgia, schuldig, geheime Informationen an Journalisten weitergegeben zu haben. Damit habe sie gegen den Espionage Act verstoßen und die Sicherheit der USA gefährdet. Man hat die Whistleblowerin infolge zu 63 Monaten Haft verurteilt. Im Anschluss daran bekam sie zudem noch für drei Jahre strenge Bewährungsauflagen.

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Man hat Winner beschuldigt, einen Bericht über einen Cyberangriff des russischen Militärgeheimdienstes von der Einrichtung, in der sie gearbeitet hatte, an die Online-Nachrichtenagentur The Intercept gesendet zu haben. Der NSA-Bericht vom 5. Mai enthielt Einzelheiten eines russischen Cyberangriffs 2016 auf einen US-amerikanischen Anbieter von Wahlsoftware. Und dies obwohl es keine Beweise dafür gab, dass der Hack irgendwelche Stimmen beeinflusst hat. Aus dem Bericht ging hervor, dass die NSA glaubte, der russische Militärgeheimdienst GRU stecke hinter den Phishing-Attacken auf US-Wahlbehörden im Vorfeld der US-Wahl.

Die US-Webseite The Intercept hat am 5. Juni ein internes, vertrauliches Dokument des US-Geheimdienstes NSA über mutmaßliche russische Cyberangriffe veröffentlicht – und zugleich die anonyme Quelle verraten. Reality Winner wurde am 3. Juni 2017 wegen der Weitergabe vertraulicher Informationen durch das FBI festgenommen und wegen Geheimnisverrats angeklagt. Dies geschah zwei Tage bevor The Intercept seinen Artikel, basierend auf dem von ihr bereitgestellten Dokument, veröffentlichen konnte.

Reality Winner

Reality Winner Weihnachten 2015 in Kingsville, Texas. Foto: Winnerbr @ Wikimedia, thx! (CC BY-SA 4.0)

Redakteure von The Intercept verhielten sich grob fahrlässig

Das schnelle Enttarnen der Quelle liegt auch am Vorgehen von The Intercept. Diese hatten den Leak nicht nur für einen Artikel verwendet, sondern auch direkt bei den Behörden um eine Stellungnahme gebeten. Laut Gerichtsakte schickte der Journalist einem Geheimdienstler Fotos des geheimen NSA-Berichts, mit der Frage, ob das Dokument echt sei.

Diese erkanten den Drucker, mit dem sie die Originaldokumente ausgedruckt hatte, aufgrund der digitalen Punktsignatur. Man konnte die Informantin daraufin eindeutig als Reality Winner identifizieren. Zudem geht aus dem Antrag auf Haftbefehl gegen Winner hervor, dass dieser Journalist den NSA-Dienstleister informierte, von wo das Dokument laut Poststempel abgesendet war: Augusta, Georgia, dem Sitz von Winners Arbeitgeber.

WikiLeaks hatte daraufhin im Juni 2017 ein Kopfgeld von 10.000 Dollar für Informationen ausgeschrieben, die zur „öffentlichen Bloßstellung und Entlassung dieses ‚Reporters‘ führen“ sollten, der die Whistleblowerin Reality Winner nicht geschützt hat.

Reality Winner freut sich auf Treffen mit Familie, einschließlich Familienzuwachs

Der Fall von Frau Winner war infolge Gegenstand einer öffentlichen Kampagne, die zu einer Begnadigung führen sollte. Jedoch ist es auf ihr gutes Verhalten im Gefängnis zurückzuführen und nicht auf die Fürsprache von außen, dass sich ihre 63-monatige Haftstrafe verkürzte, bekundete ihre Anwältin, Alison Grinter Allen.

Frau Winner befindet sich derzeit in einem Resozialisierungszentrum, wo sie „Zugang zur freien Natur hat und sich mit ihrer Familie treffen kann. Während ihrer Zeit im Gefängnis wurde Frau Winner zur Tante und freut sich darauf, ihren neuen Familiezuwachs kennenzulernen“.

Allen gibt wieterhin bekannt, dass man Frau Winner während ihrer Zeit im Gefängnis unter schwierigen Bedingungen festgehalten hat. Im Gefängnis in Texas fiel im vergangenen Winter der Strom und damit die Heizung aus. Eine Reihe von Mitgefangenen starben an Covid-19. Im Juli erkrankte Winner in Haft auch selbst daran.

Man überwachte ihre Kommunikation streng. Dazu kommt, dass sich die Regierung bis zuletzt weigerte, sie in eine weniger strikt überwachte Einrichtung zu verlegen.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.