Nielsen-Studie: Verluste der US-Buchbranche durch E-Book-Piraterie beziffern sich auf 315 Mio. $ pro Jahr

Article by · 18. März 2017 ·

London Book Fair vorgestellt. Laut dieser Nielsen-Studie „Inside the Mind of a Book Pirate“ im Auftrag der Anti-Piraterie-Firma Digimarc (Dienstleister von digitalen Wasserzeichen) sind jetzt neue Schätzungen für den US-Markt bekannt geworden: demnach entgehen der Buchbranche jedes Jahr 315 Mio. Dollar an potentiellen Einkünften. Die Ergebnisse beruhen auf einer Online-Umfrage.

E-Books sind zwar relativ preisgünstig auf dem US-Markt im Vergleich zu anderen digitalen Inhalten (durchnittlicher Preis pro E-Book liegt in Höhe von 9,98 Dollar), jedoch sorgen ihre handliche Dateigröße sowie die Verfügbarkeit auf diversen Foren dafür, dass Millionen von Titeln nur ein paar bequeme Klicks entfernt sind. Das weckt die Begehrlichkeiten der Leseratten und sorgt für eine stete Nachfrage nach raubkopierten E-Books.

Aus der Studie geht hervor, dass 22 Prozent aller E-Book-Leser sich in den letzten 12 Monaten mindestens ein E-Book auf illegalem Weg besorgt haben. 42 Prozent der Befragten haben sich hingegen in den vergangenen 12 Monaten mindestens ein E-Book gekauft. Die Anzahl der Raubkopien in den USA belaufen sich auf rund 31,5 Millionen E-Books. Multipliziert man diese Zahl mit dem von Nielsen ermittelten Durchschnittspreis von 9,98 Dollar, kommt man auf die stolze Summe von 315 Millionen Dollar Verlust der US-Buchbranche pro Jahr. Durch die Sharehoster und Torrent-Programme sollen dem Markt so 33% der Umsätze verloren gehen.

Im Gegensatz zu früheren Studien ist der Anteil älterer Downloader relativ hoch. 41% der erwachsenen Piraten sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. 47% zwischen 30 und 44 und etwa 13% sogar älter als 45 Jahre.

Nur rund 13% der Buchpiraten verfügte zur Zeit der Erhebung über ein jährliches Einkommen von lediglich 30.000 US-Dollar. Unter den Urheberrechtsverletzern sind die Personen mit 60.000 US-Dollar jährlich und mehr deutlich in der Mehrheit. Wenig überraschend ist hingegen, dass der Anteil männlicher Downloader 66% ausmacht.

Beliebtester Weg zum Buch sind einfache Filehoster bzw. über das Netz verteilte Bit-Torrents: 31% der US-amerikanischen Buchpiraten haben ihre Werke laut Studie mithilfe eines BitTorrent-Indexportals und eines P2P-Programms heruntergeladen. 31% bezog die Daten bei einem Sharehoster. 30% tauscht ihre E-Books über Messenger-Dienste, per E-Mail oder externes Laufwerk bzw. USB-Stick aus. 27% nutzte beim Tausch eine Online-Aktion bei eBay oder anderen Anbietern, weitere 27% nutze für den Austausch der Daten Dropbox oder einen anderen Online-Speicherdienst. Beliebteste Download-Seiten für US-Leser sind der Studie zufolge 4shared.com, uploaded.net sowie bookos.org, beliebtestes Genre: Belletristik. In der Regel sind diese Adressen jedoch nur ein Teil der individuellen Bezugsquellen – real herrscht ein bunter Mix vor aus Legal/Gratis, Legal/Einzelkauf, Legal/Abo und E-Book-Piraterie.

Der illegale Bezug der Bücher ist für die Piraten vor allem eines: einfach zu handhaben (58%). Erst danach wurde bei den Mehrfachnennungen mit 51% angekreuzt, dass der Wegfall einer Gebühr ausschlaggebend für den illegalen Download war. 38% vermissen die Möglichkeit, die Werke gebraucht kaufen zu können. Und 17% der Befragten vertrat sogar die Meinung, dass sie es grundsätzlich ablehnen, für Inhalte Geld zu bezahlen. Waren die E-Books illegal nicht verfügbar, wurden sie in 33% der Fällen gekauft, in 24% von woanders illegal bezogen oder in 19% der Fälle als gedrucktes Buch erworben.

Insgesamt ist die Mehrheit der illegalen Downloader relativ gut ausgebildet, mehr als 70% der Befragten haben mindestens einen College-Abschluss.

Fazit:

Zusammengefasst bedeutet das, dass E-Book-Piraten oft nicht mehr ganz so junge Leute mit einer guten Ausbildung und höherem Einkommen sind, die so auch genau das Profil des durchschnittlichen E-Book Lesers widerspiegeln.

Bildquelle: janeb13, thx! (CC0 Public Domain)

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8 Comments

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    TeeB

    „das behaupte ich“ ist ne super Quelle. Ich behaupte das Gegenteil.

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      Sir

      Warum? Ich finde meine Darlegung logisch. Du bist also so ein Quellentyp. Nenne doch einige
      Quellen für deine Gegendarstellung! Vielleicht kommt dann auch eine Diskussion zustande?

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        TeeB

        Mit Dir diskutieren? Nee, lass mal lieber, kein Bedarf. Ich ergötze mich lieber an Deinen geistigen Ergüssen, das reicht mir.

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          Sir

          Stehst also auf meine geistigen Ergüsse? Du ergötzt (Freude {f}, Genuss {m}, Hochgenuss {m}, Spaß {m}, Entzückung {f}, usw.. ) dich sogar daran?

          O.K.

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            TeeB

            Ah, sieh da, er/sie kann doch recherchieren :-)

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    Sir

    Immer wieder das Gleiche zum Thema gemachte oder selbstgemachte „Plagiat-Kopien“.

    Immer wieder muss gesagt werden, dass durch die Verbreitung von „Plagiat-Kopien“
    zwar erst einmal ein fiktiver Schaden entsteht aber der Reiz etwas umsonst zu bekommen
    den Markt anregt – hier „Hardware-Reader“. Das Kopieren gab und gibt es bei Musik, Filmen
    und Handtaschen.

    Aufgrund des Anstiegs der „Hardware-Reader“ ist auch – das behaupte ich – der Markt für
    eBooks angekurbelt worden!

    >> Noch was: Glaube keine Statistiken die nicht selbst gemacht wurden!

    Fazit:
    Die Industrie fährt zwar 33 % Verlust – ob die Studie hier richtig liegt möchte ich jetzt
    nicht diskutieren. Grundsätzlich armortisieren die Gewinne (falls meine obige Behauptung
    stimmt) die Verluste durch die Ausbreitung des eBooks, Ich glaube nicht daran, dass
    das fertigen von „Schwarzkopien“ letztendlich für die Industrie letztendlich schädlich
    war und ggf. ist (Dankbarkeitsbonus).

    Trotzdem werden Studien bemüht, die das Kopieren von eBooks als umfassenden Diebstahl
    darstellen, um weitere Eingriffe in den privaten Raum zu rechtfertigen. Dankbarkeit kann von
    der Industrie nicht erwartet werden.

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      MonikB

      Tja vielleicht weil es von den Betroffenen, die hinter der, von dir so gerne bemühten Industrie stehen, als Diebstahl empfunden wird? Bloß nicht über den eigenen Tellerrand gucken, gell? Nein, grade bei den kleineren Verlagen amortisiert sich ein Sch….dreck. Die fahren echte Verluste ein, teilweise genug, um dicht zu machen. Aber was kümmert das einen Dieb, der sich sein stehlen schönredet ;-)

      • comment-avatar

        Michael

        Urheberrechtsverletzungen sind immer noch keine Diebstähle und Urheberrechtsverletzer sind auch immer noch keine Diebe.


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