Filesharing – was kommt danach? Ein Kommentar von Spiegelbest

filesharing

Geht es in meinem Beitrag um das Schicksal von Flüchtlingen? Ja, aber nicht nur! Die Flüchtlinge stehen am Ende. Und ich gestehe, dass ich die Reihenfolge vertauscht habe. Am Anfang müssen zwei Annahmen stehen. Die erste Annahme: Das Netz dient zu einem Gutteil dem Filesharing. Die zweite Annahme: Die legalen Flatrates werden immer besser und billiger. Über beide Annahmen lässt sich diskutieren.

Ist das Thema Filesharing bald einfach durch?

Und doch dürfte aus übersichtlicher Perspektive unstrittig sein, dass schnelle Datenleitungen nur so verbreitet sind, weil sich Heranwachsende illegale Angebote unbeaufsichtigt zuführen. Ebenso dürfte perspektivisch unstrittig sein, dass die Flatrates immer besser, immer umfassender und immer billiger werden. Schlussfolgerungen: Filesharing ist nicht unverbreitet, und Legal setzt sich nach und nach gegen Illegal durch.

Gehen wir mal (mir zuliebe) davon aus, dass diese Schlussfolgerungen stimmen, dann fehlt uns bei Tarnkappe.info und im Netz bald ein Megathema. ‚Filesharing‘ wird in der Perspektive von 1, 2 Jahren für ein anderes Thema Platz machen, das es noch nicht gibt. Und ich stelle die Frage, was an seine Stelle treten wird.

Angenommen, ihr müsst nicht mehr den neusten Filmen bei den Torrents nachstellen. Angenommen also, ihr seid in Fragen des Medienkonsums auch bei Games, Musik und Ebooks wunschlos und glücklich. Zuerst mal werdet ihr nicht merken, dass euch nichts fehlt. Ihr werdet die alten Futterstellen aufsuchen und chatten wie gehabt. Nur langsam werdet ihr merken, dass an der Stelle, wo früher die illegalen Downloads waren, ein Loch ist. Euer Netzaufenthalt ist in eine schwere Sinnkrise geraten.

Jetzt wage ich die Annahme, dass ihr aufblicken werdet. (Das geht auch, ohne den Bildschirm aus den Augen zu lassen.) Ihr werdet euch fragen, wer euch im Chat gegenüber sitzt. Okay, das ist Big Timbo. Aber wenn nicht mehr getauscht wird, stellt sich vorhersehbar die Frage: Wer ist dieser Big Timbo?

Und weil er als Nick keinen Daseinszweck mehr besitzt, werdet ihr euch seinem Real Life zuwenden. Denn Big Timbo hat ein RL! Auch ihr habt ein RL – glaubt es oder glaubt es nicht! Auch wenn es nur schemenhaft erinnerbar ist. Am nächsten Tag also sind wieder keine Files da. Wozu auch? Wieder dasselbe Spiel. (Und Achtung, zu Anfang ist das Real Life leicht mit einem Update vom Virtual Life zu verwechseln! Da ist nichts, was wie ein Blitz in euch hineinfährt.)

Vergleiche

Ihr werdet also feststellen, dass Big Timbo klein ist und ziemlich deutsch. Und ihr werdet feststellen, dass die Nicks von Leute sind, denen es im Real Life überhaupt nicht gut geht. Ihr begleitet BigT in seine besch… H4-Existenz. Und Mythik11 ist eine alleinerziehende Elfe mit Problemkühlschrank. Und das ist – glaubt es oder glaubt es nicht! – das Ende vom Anfang. Es stellen sich nämlich Fragen: Ist es okay, wie es ist? Was wisst ihr von dem anderen Leben? Geht es euch etwas an? Und wenn ja, wieviel?


Im Netz könnt ihr jede Datei in dem entlegensten Winkel finden und hervorholen, aber genauso gut könnt ihr im Netz jeden für alle sichtbar machen. Die Auffindbarkeit ist das Geschwisterkind der Sichtbarkeit. Und wenn wir dort hingehen, wo Menschen sind, wenn wir anfangen, uns für das Real Life unseres Gegenübers zu interessieren, dann werden wir uns am Ende vor den Gittertoren eines Asylantenheimes wiederfinden.

Darum geht es in meinem Beitrag – jetzt mal in der richtigen Reihenfolge ;)

Tarnkappe.info

14 Kommentare

  1. russlandbuecher sagt:

    Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zu Worte melden, aber bei so einem Unsinn kann man die Finger nicht ruhig lassen! Woher kommt eine solch idiotische Aussage Zitat „Am Anfang müssen zwei Annahmen stehen. Die erste Annahme: Das Netz dient zu einem Gutteil dem Filesharing“! Als SEO der ich bin, würde ich sagen, ein typischer SEO Text – das Wort Filesharing muss gepusht werden!
    Ansonsten lieber Watchdog, das Internet ist Arbeitsplatz von Tausenden von Menschen, es ist Hausfrauenbeschäftigung und es ist Informationsquelle! Es ist Diskussions und Orientierungsort für jeden Geschmack und es ist eine Shopingmail. Nur weil du über das Thema Filesharing nicht hinausgekommen bist, meint dies doch nicht „mehr sei das Internet nicht“.
    Ich frage mich schon, wie du eigentlich drauf bist ;)

  2. VanityBackfires sagt:

    Hab zwar gerade den anderen Beitrag kommentiert, aber was solls, dann eben hier noch mal:

    Folgende lustige Annahmen sind hier zu finden:

    1) „Filesharing passiert nur, weil die Downloader zu faul/zu arm sind, um sich das Zeug zu kaufen, wenn es gute, legale Alternativen gibt, hört das auf.“

    2) „Und doch dürfte aus übersichtlicher Perspektive unstrittig sein, dass schnelle Datenleitungen nur so verbreitet sind, weil sich Heranwachsende illegale Angebote unbeaufsichtigt zuführen.“ (steht wortwörtlich so im Text.)

    3) „Filesharer sharen nur Files im Netz, sonst machen sie nichts, und Filesharing hält die Leute auch davon ab, sich für Flüchtlingsschicksale zu interessieren“

    4) „Filesharer interessieren sich nicht für die Personen, mit denen sie teilen“ (Ja gut, klar, das mag ja oft so sein, aber nicht bei Leuten, die „die alten Futterstellen aufsuchen und chatten wie gehabt“, denn das impliziert ja, dass ein Interesse am Community-Aspekt des Filesharings vorhanden ist.)

    6) „Flüchtlinge sind das Thema unter Filesharern nach dem Ende des Filesharings, nicht Überwachung, Privatsphäre usw.“

    Mir ist klar, dass das nicht der Kern des Textes ist, und mein Kommentar somit auch hart an der Grenze zur Irrelevanz, wir gehen ja dem Autor zuliebe davon aus, dass seine Annahmen stimmen, aber was solls

    • Johannes sagt:

      Sehr guter Kommentar, besonders in den Punkten eins bis drei kann ich dir nur zustimmen. Eigentlich ist der Artikel ja sehr interessant, allerdings sind die Schlussfolgerungen teilweise echt komisch

    • Lars Sobiraj sagt:

      Ich glaube, dass es auch eine Menge Leute gibt, die gar nichts für digitale Inhalte bezahlen wollen. Selbst wenn es legale Alternativen gibt, werden die es weiterhin für lau tun wollen.

      Der Community-Aspekt ist tatsächlich bei vielen Leuten verloren gegangen. Früher hat man noch mit seinen Tauschpartnern gechattet. Ein Bekannter von mir hat über WinMX sogar eine Freundin kennengelernt. Über Filme und Musik kamen sie zu privaten Vorlieben, irgendwann ist er dann tatsächlich nach Berlin gefahren und sie kam später nach Düsseldorf zu Besuch. Filesharing ist heute anonymer. Aber Foren gibt es natürlich immer noch, wo man sich austauschen kann.

      • VanityBackfires sagt:

        Naja, kommt natürlich drauf an, wie man files sharet. Schon klar, dass auf the pirate bay keine großartige community herrscht, aber es gibt (besonders im englischsprachigen Raum) sehr viele private trackers mit sehr aktiven communities, die sich auch über IRC usw gut unterhalten.

  3. spongshga sagt:

    Wer ist eigentlich dieser Watchdog?

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