Mehrwertsteuersenkung: E-Books sollen teuer bleiben

Laut einer aktuellen Gesetzesinitiative des Bundesfinanzministeriums soll es ab dem Jahreswechsel für E-Books eine Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent geben. Die Verlage wollen die Preise trotzdem stabil halten, um ihre Gewinne zu maximieren. Doch das wäre geradezu fatal.

Das gedruckte Buch wird von den Verlagen selten direkt an den Buchhändler verkauft, sondern zunächst an die Zwischenhändler. Diese erhalten beim Ankauf der gedruckten Bücher satte Rabatte von bis zu 50 Prozent. Außerdem müssen die Bücher gedruckt, verschickt und gelagert werden. Das alles schmälert den Gewinn der Verlage erheblich. Der Unterschied müsste sich bei der Preisgestaltung für E-Books bemerkbar machen. Das ist aber nur in einem sehr geringen Umfang der Fall.


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Hohe Preise fördern die Piraterie!

ebook piracyBeim E-Book gibt es keine Logistik, nur geringe Rabatte an Amazon & Co. Und auch die Kosten für eine Lagerung fällt weg. Wurde der Online-Shop erstmal aufgebaut und das neue Werk ins Sortiment aufgenommen, entstehen nur noch die geringen Übertragungskosten beim Verkauf des E-Books an den Endkunden. Trotzdem wollen die meisten Verlage ihre Preise auch nach dem Jahreswechsel stabil halten. Sie sehen die Mehrwertsteuersenkung als eine Art Förderungsprogramm ihrer Branche an.

Bislang werden neue E-Books im Durchschnitt etwa 20 Prozent günstiger als Bücher verkauft. Berechnet man die Mehrwertsteuersenkung mit, müsste der Preisunterschied über 30 Prozent betragen. So und nicht anders würde man die Attraktivität der E-Books ankurbeln. Doch wenn die Konsumenten trotz der geringen Mehrwertsteuer weiterhin gleichbleibend viel bezahlen müssen, wird dies die Kaufbereitschaft drastisch senken. Hohe Preise würden lediglich die Online-Piraterie für E-Books fördern. Auf mittlere bis lange Sicht würde sich diese Vorgehensweise sogar höchst negativ auf den Umsatz bzw. Gewinn der Verlage auswirken.

Mehrwertsteuersenkung = Subventionen für Verlage?

lul.toMit Ausnahme des Zwischenhandels hätten geringere Preise Vorteile für wirklich alle Beteiligten. Die Konsumenten freuen sich über geringere Ausgaben. Die Autoren werden bei E-Books anteilig gesehen sogar höher entlohnt, als bei Büchern. Und auch die Verlage hätten aufgrund der höheren Verkaufszahlen etwas davon. Die meisten Selfpublisher können ohne Mehrwertsteuersenkung sowieso nichts mehr an ihren Preisen verändern. Viele Selfpublisher sind mit ihren preislichen Vorgaben schon am unteren Ende angelangt. Weiter runter geht nicht mehr.

Aber wer weiß, vielleicht wollen die Verlage ja gar nicht im hier und jetzt landen? Die beste Waffe im Kampf gegen Angebote aus dem Graubereich waren stets niedrige Preise und eine leichte Bedienbarkeit. Beides wäre ab dem 01.01.2020 möglich. Wenn, ja wenn die Verlage es nur wollen. Sogar der größte Branchenverband, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, schweigt sich derzeit noch über die geplante Senkung der Mehrwertsteuer aus.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte im Vorfeld gegenüber der Presse, die neuen Regelungen müssten gut sein für Innovationen. Doch wollen die Verlage überhaupt etwas ändern, obwohl die Absatzzahlen für E-Books rückläufig waren!?? Im ersten Quartal 2019 sank der Absatz von E-Books um stolze 7,1 Prozent. Doch das meiste Geld verdienen die Verlage seit jeher mit den haptischen und nicht mit den digitalen Werken. Warum also umdenken?

Tarnkappe.info

Beitragsbild Noitu Love, thx! (unsplash licence)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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