Kim Dotcom will Kiwi werden

Article by · 27. Oktober 2017 ·

In Anbetracht des Wechsels der neuseeländischen Regierung zur Gambia-Koalition kündigte Kim Dotcom an, er wolle die dortige Staatsbürgerschaft beantragen. Er schrieb bei Twitter, als 100%iger Kiwi wolle Dotcom seinen Beitrag für ein besseres Neuseeland leisten. Die scheidende konservative Regierung hat in den letzten Jahren erfolglos versucht, den ehemaligen Megaupload-Betreiber wegen unzähliger Urheberrechtsverletzungen in die USA auszuliefern.

Der Deutsch-Finne Kim Schmitz (Kim Dotcom) will in Anbetracht des Machtwechsels die neuseeländische Staatsbürgerschaft beantragen. Die neue Ministerpräsidentin Jacinda Ardern bildet mit den Sozialdemokraten und Nationalisten eine Minderheitsregierung, die von den Grünen toleriert wird, die sich aber nicht an der Regierung beteiligen wollen. Auf die Gambia-Koalition würden demnach 63 der 120 Sitze entfallen, sofern die Grünen Ardern dauerhaft unterstützen. Aufgrund des Wechsels der Regierung ist der Neuseeland-Dollar überraschend abgesackt.

Vorgestern gab Kim Dotcom auf Twitter bekannt, er könne es nicht erwarten, ein hundertprozentiger Kiwi zu werden, um seinen Beitrag für ein besseres Neuseeland zu leisten. Er wäre in guter Gesellschaft. Wie die FAZ berichtet, haben schon mehrere Internet-Millionäre aus dem Silicon Valley angekündigt, sich im Südpazifik niederlassen zu wollen. Die Wahl von US-Präsident Trump und der Brexit Großbritanniens sollen ihren Teil dazu beigetragen haben.

Ob der gebürtige Kieler die Chance erhalten wird, dort offiziell aufgenommen zu werden, bleibt abzuwarten. Auch ob seine geplante „Copyright-Revolution“ mit dem neuen Portal K.im gelingen kann, wird alleine die Zeit zeigen. Dem spricht zumindest entgegen, dass weltweit alle Künstler und Rechteinhaber langfristig an ihre Verträge mit den Verwertungsgesellschaften gebunden sind, was eine separate Bezahlung pro Download schwierig machen dürfte. Derzeit ist K.im noch nicht öffentlich zugänglich. Wer sich für die Features dieses Uploader-Marktplatzes in Kombination mit dem Micropayment-Anbieter Bitcache interessiert, sollte dort eine Einladung beantragen.

Auch sonst gelingt es Dotcom immer wieder, sein Publikum zu überraschen. So kündigte er kürzlich an, sofern jemand eine Streik App für die unterdrückten chinesischen und indischen Arbeiter programmieren würde, wolle er beim Geld sammeln helfen. Er selbst habe für die Entwicklung dieser App keine Zeit übrig. Es wäre indes spannend von ihm zu erfahren, wie die App durch die Great Firewall of China (staatliche Zensur-Schutzmauer des kompletten Datenverkehrs) gelangen soll. Außerdem sind die meisten Betroffenen froh, sich ernähren zu können. Für den Kauf eines modernen Smartphones dürfte den meisten Arbeitern schlichtweg das Geld fehlen.

Übrigens: Wer sich für die Hintergründe der Causa Dotcom interessiert, sollte sich unbedingt die englischsprachige Dokumentation „Caught in the Web“ anschauen.

Quelle des Beitragsbildes, thx! (CC0 1.0)

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7 Comments

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    Klaus S.


    „Kiwi“ ist in .NZ fast alles: Frucht, Vogel, Dollar, …
    und auch die Einwohner.

    Die haben ihren Spaß damit.

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    Na da kommt aber die Abneigung des Autors gegenüber Dotcom ziemlich klar rüber… Dass „weltweit alle Künstler und Rechteinhaber“ gebunden sind, ist himmelschreiender Unsinn. Das müsste man auch wissen, wenn man hier schreibt.

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      Dann erläutere mal bitte, warum das Unsinn sein soll. Ich darf als Künstler nicht einfach meine Werke durch Dritte verwerten lassen. Frag mal bitte GVL bzw. die GEMA. Schmitz ließ Anfang der 90er mindestens die Hälfte der deutschen Szene über die Klinge springen. Gegen Bezahlung, versteht sich. Dabei betrieb einer seine eigene illegale BBS (Mailbox) und verkaufte Calling Cards.

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        Michael


        Großartig. Da wird einem (der übrigens schon rechtsmäßig in Deutschland verurteilt wurde) jemand etwas vorgeworfen, was über 25 Jahre her ist. Wie lange will man das dem Typen noch vorwerfen?
        Sollte man Kim Dotcom nicht lieber anhand seiner Taten in den letzten Jahren beurteilen?

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          Insiderhandel (Verurteilung) hat nichts aber auch gar nichts mit dem zu tun, was Kim mit Gravenreuth gemacht hat. Nur weil’s lange her ist, wird es dadurch auch nicht besser. Und, was hat er denn Tolles in den letzten Jahren gemacht? Weswegen soll man ihm den Friedensnobelpreis o.ä. verleihen? Ich habe eigentlich nichts gegen ihn und respektiere sehr, dass er immer wieder aufgestanden ist, egal was passierte. Aber ich muss trotzdem nicht alles gutheißen, was er getan hat.

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            Michael


            Er war halt eine R***e, das ist klar und bestreite ich auch nicht. Allerdings haben sich mit Kim Schmitz und Gravenreuth zwei passendere Charaktere gefunden, wenn man bedenkt, was Gravenreuth in den 90er und 2000er Jahren alles abgezogen hat.

            Und ich habe auch nicht davon gesprochen ihm den Friedensnobelpreis zu geben, sondern ihn nicht mehr wegen Taten öffentlich zu verurteilen, die bald 30 Jahre zurück liegen. Und ja, seine Taten in den letzten Jahren sind auch nicht unbedingt besser, auch wenn er sich gerne als Retter des Internets inszeniert.

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          Kleiner


          Bei Betrachtung der letzten Jahre ergibt sich ebenfalls kein besonders positives Bild.
          Eigentlich besteht der Unterschied zu früher beim guten Kim nur darin, das er nicht mehr klein in klein sondern think big, in jeder Hinsicht hö hö kleiner Kalauer, praktiziert hat.


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