Jolla: vollwertiges Smartphone für Datenschützer

Article by · 20. Februar 2015 ·

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Immer wieder wird gefragt, ob es neben Android, iOS oder Windows Phone eine Firmware gibt, bei der die Benutzer nicht auf Schritt und Tritt beschnüffelt werden. Ja, es gibt sie. Alternative Geräte mit offenen Betriebssytemen kommen zunehmend in Mode. Und sie sind aufgrund ihres geringen Preises nicht nur für den Einsatz im Kinderzimmer geeignet. Letzte Woche wurden in der c’t mehrere Modelle vorgestellt.

Die wenigsten Tarnkappen-Leser dürften davon gehört haben: Schon seit Ende 2013 ist das Jolla-Smartphone erhältlich. Für Kinder und Jugendliche ist dieses Gerät im unteren Preissegment recht gut geeignet. Mit dem Innenleben eines iPhone 6 ist die Jolla natürlich nicht zu vergleichen. Dafür ist das Jollaphone im Versand schon ab 249 Euro erhältlich. Am preiswertesten ist es, das Gerät beim finnischen Hersteller direkt zu bestellen.

Aufgrund der fehlenden Werbung ist das Unternehmen Jolla bisher kaum in Erscheinung getreten. Auf Deutsch heißt Jolla Jolle. Derzeit versuchen die ehemaligen Nokia-Mitarbeiter, die ihren früheren Arbeitgeber aus Frust verlassen haben, sich auf dem heiß umkämpften Handymarkt zu behaupten. Das gelingt bisher auch ganz gut. Zu einem Global Player wird es wohl nie reichen, davon sind die Gründer wohl auch nicht ausgegangen. Sie wollen es einfach anders machen, weswegen sie sich den Slogan „We are Unlike“ verpasst haben.

Jollaphone: Viele Apps, trotzdem keine Datenkrake!

jolla smartphone gruen

Der Clou: Beim Jollaphone arbeitet man mit dem flotten Betriebssystem Sailfish OS, das die langsame Hardware ausgleicht. Trotzdem ist man bei der Auswahl an Apps nicht eingeschränkt. Der Yandex.Store ist bei Sailfish OS vorinstalliert. Dort sind mindestens 120.000 verschiedene Spiele und Anwenderprogramme verfügbar, die alle von Kaspersky Lab auf Schadsoftware überprüft wurden. Darüber hinaus lassen sich auf dem Gerät alternative App-Stores wie Aptoide oder F-Droid installieren. Auch Apps vom 1 Mobile Market können installiert werden, allerdings kam es dabei gelegentlich zu Problemen. Wer wirklich alle Apps vom Google Play Store nutzen will, muss diesen händisch installieren. Wer sich das wirklich antun möchte, muss sich auf eine zeitaufwändige Fummelei einstellen.

Fazit: Dies ist kein Gerät für ausgemachte Technikfreaks. Apple-Jünger würden sich mit der Leistung dieses Smartphones niemals zufriedengeben. Dafür macht Sailfish OS mit wenigen Ausnahmen einen soliden Eindruck, zu diesem Ergebnis kommen auch die Kollegen von heise Open Source. Auf den Verzicht des Home-Buttons muss man sich erstmal gewöhnen. Die Gestensteuerung wirkt zwar echt fortschrittlich. Trotzdem vermisse ich die herkömmliche Bedienung. Wer von iOS oder Android umsteigt, muss sich erstmal umgewöhnen. Ansonsten läuft alles schnell und flüssig ab. Das zumindest ist mein Fazit vom ersten Tag. Die Tarnkappe wird in den nächsten Wochen einen ausführlichen Testbericht nachliefern.

jolla phone jolle im wasserDie vielen Android-Apps, die beim Jollaphone über einen Umweg benutzt werden können, lassen einen schnell vergessen, dass man den Mainstream verlassen hat. Im Gegenteil: Damit ist man vor der Sammelleidenschaft von Apple, Google & Co. sicher. Das finnische Unternehmen baut sein Geschäftsmodell im Gegensatz zur Konkurrenz nicht darauf auf, die Informationen seiner Nutzer zu sammeln, zu verarbeiten und an Dritte zu verkaufen. Sie entwickeln und veräußern nur ihre Hardware. Diesen Sommer soll sogar ein selbst entwickelter Tablet-PC auf den Markt kommen. Dafür hat man bei Indiegogo eine neue Crowdfunding-Kampagne gestartet. Schon im Dezember waren 480% des Funding-Ziels erreicht.

Wie dem auch sei. Bisher haben beim inoffiziellen Nachfolger von Nokia die Umsätze gereicht, um die Gehälter der 150 Entwickler zu zahlen. So klein der Anbieter im Vergleich zu Apple oder Samsung ist: Jolla dürfte lange genug bestehen bleiben, um mittel- bis langfristig den Support der eigenen Geräte zu gewährleisten. Außerdem muss hier und da noch ein wenig am mobilen Betriebssystem geschraubt werden. Frei von Fehlern ist Sailfish OS leider noch nicht. Es ist aber auf einem guten Weg. Auch wird zunehmend von Linux-Nutzern kritisiert, dass der Hersteller den Quellcode von Sailfish OS entgegen der Ankündigungen noch immer nicht veröffentlicht hat. Man wird sehen, ob und wann das geschieht.

Verabschieden wir uns nun von Jolla und dem Sailfish, wie es wohl der Science Fiction-Autor Douglas Adams getan hätte:

„Dear Jolla! So Long, and Thanks For All the Fish.“

 


Video: Was kann das Smartphone von Jolla eigentlich?

 

Was sind eure Erfahrungen mit diesem Smartphone? Glaubt ihr daran, dass sich ein weiterer Konkurrent dauerhaft auf dem Markt behaupten kann?

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8 Comments

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    Harry Haller

    Was soll dieser blödsinnige shitstorm gegen jolla.

    Ich benutze dieses Telefon seit 2 Jahren ohne irgendwelche größeren Probleme.
    Gibt es bugs, sind die schnell wieder ausgemerzt…..das Telefon lässt sich übrigens
    auch über Telnet werksresetten….also von wegen nach Finnland schicken, so ein Blödsinn.

    Wenn ihr schonmal ein iphone4 auf ios6 upgegradet habt, wisst ihr was ein nutzloses smartphone ist.

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    koki

    Und bevor ich es vergesse.
    Unter der Haube war das Nokia N810 ein Debian, so mit deb-Paketen.
    Sailfish OS? Name der Packetveraltung schon vergessen.

    Nee, ihr Lieben.
    Nehmt mal die Rosarote Brille ab, holt Euch nen N810 oder ein N900 und schaut noch mal ganz genau hin, ob SailfishOS das ist, was ein Nachfolger sein sollte.

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    koki

    Hallo,
    ich bin unglücklicher Besitzer eines Jolla Phones.
    Es ist buggy as hell.

    Ich zeige Dir ein Bild.
    Oh, warte, die Gallerie hat sich aufgehangen, ich muss neustarten.

    Ich erreiche Dich nicht telefonisch und Dein AB langweilt mich.
    Oh, Auflegen geht nicht. Neustarten hilft.

    Warum bekomme ich in der SMS-App nicht den Curser da hin, wo ich will?
    Warte, neustarten hilft.

    Uhr-App reagiert nicht mehr.
    Neustarten hilft.

    Usw.

    Neustarten des Gerätes, nicht der App!

    Früher hatte ich ein Android-Handy ohne Google-Apps, F-Droid als Appquelle reicht.
    Für F-Droid brauche ich auch keinen Account.

    Für den Jolla-Shop schon!

    Ja, ich bin aktuell gefrustet, da ich mir das tolle Jolla vor mir selbst versperrt hatte.
    Wollte mal einen Lockscreen mit Ziffern testen, hab ich dann doch nicht weiter benutzt.
    Leider ist die mir nicht mehr bekannte Zahlenkombination AUCH der Securitycode für Zurücksetzen und neues SSH-Passwort setzen geworden..
    Das war mir damal leider nicht bewusst.

    Android-Handy? Neuflashen.
    Jolla? Nach Finland einschicken.

    Und ja, warum ist die GUI nicht OpenSource geworden wie versprochen?

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    PolarFox

    Hallo,
    “Die Tarnkappe wird in den nächsten Wochen einen ausführlichen Testbericht nachliefern.”
    Wann kann man denn mit dem Testbericht rechnen?

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    Tarn

    ” Auf Deutsch heißt Jolla Jolle.” … Dies ist ein äußerst aufschlussreicher Satz

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    Auch wenn der Hersteller keine Daten sammelt, wie ist das mit den Apps? Verhindert das Betriebssystem denn auch, dass von Dritten Infos gesammelt werden?
    Mich persönlich stört es eigentlich gar nicht so sehr, dass Google meine Daten sammelt, da gibt es zumindest klare Ansagen, was gesammelt wird und wie es verwendet wird und vor Allem denke ich, dass Google deutlich mehr davon hat, meine (Roh-)Daten selbst auszuwerten, anstatt sie an Dritte weiter zu verschachern.

    Ich möchte damit nicht sagen, dass Google in Punkto Datensammeln völlig unbedenklich wäre, aber ich persönlich mag diese Firma, ihre Produkte und ihre Forschungsprojekte sehr gerne und habe da wenigstens das Gefühl, dass meine Daten für etwas genutzt werden, was ich prinzipiell gut finde. Das mag vielleicht etwas blauäugig sein, aber wenn ich mir die Entwickler der ganzen “Freemium”-Spiele anschaue, erscheint mir Google im Vergleich doch um ein Vielfaches moralischer zu handeln.

    Ich möchte jetzt auch gar nicht eine Diskussion über Google lostreten, sondern mir geht es eigentlich nur darum, dass ich die größte Gefahr in Punkto Datenschutz viel mehr in den Apps sehe, die es für Jolla ja offenbar genauso gibt, als im Betriebssystem selbst!

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      Mir wäre es auch lieber, der Quellcode wäre offen. Entgegen der ursprünglichen Ankündigungen wurde dieser bisher leider nicht veröffentlicht. Vielleicht haben sie Angst vor Nachahmern, die ihr mobiles Betriebssystem unter anderem Namen und auf eigene Rechnung verbreiten? Ich weiß es nicht. Andererseits kommt man an den Quellcode so oder so heran, ist aber eine Frage des Aufwands.

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    skreutzer

    Was ist mit dem Baseband-Prozessor-Problem?


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